Bava Batra — Blatt 25b

1gleicht einer Halle und die Nordseite ist nicht geschlossen, und sobald die Sonne die nordwestliche Ecke erreicht, biegt sie ab und steigt über den Himmel. R. Jehošua͑ sagte: Die Welt gleicht einem geschlossenen Zelte und auch die Nordseite ist geschlossen, und sobald die Sonne die nordwestliche Ecke erreicht, schwenkt sie ab und kreist über die Rückseite der Wölbung,

2wie es heißt:sie geht gegen Süden und kreist gegen Norden &c. Sie geht gegen Süden, am Tage, und kreist gegen Norden, in der Nacht.Immerfort kreisend geht der Wind, und zu seinen Kreisen kehrt er zurück; das sind die Ostseite und die Westseite, zuweilen umgeht sie [die Sonne] und zuweilen geht sie an ihnen entlang.

3Er sagte: [Folgende Lehre] vertritt die Ansicht R. Elie͑zers.Aus der Kammer kommt der Sturm, das ist der Südwind;und von der Nordsterngruppe die Kälte, das ist der Nordwind;durch Gottes Odem gibt es Eis, das ist der Westwind;und des Wassers Weite in Enge, das ist der Ostwind. –

4Der Meister sagte ja aber, der Südwind bringe Wassertropfen und mache das Gras wachsen!? – Das ist kein Einwand; aus der einen [Seite] kommt der Regen gemächlich, aus der anderen kommt er heftig.

5R. Ḥisda sagte: Es heißt:aus dem Norden kommt das Gold, das ist der Nordwind, der das Gold wohlfeil macht, denn es heißt:die Gold aus dem Beutel verschwenden.

6Raphram b. Papa sagte im Namen R. Ḥisdas: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört wurde, kommt mit dem Südwinde kein Regen, denn es heißt:sie rissen rechts und blieben hungrig, fraßen links und waren nicht satt, und es heißt:Nord und Süd, du hast sie erschaffen.

7Ferner sagte Raphram b. Papa im Namen R. Ḥisdas: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört wurde, kommt kein Regen aus der guten Schatzkammer hernieder, denn es heißt:der Herr wird dir seine gute Schatzkammer auftun. Zur Zeit, wenn die Jisraéliten den Willen Gottes tun und in ihrem Lande weilen, kommt der Regen aus der guten Schatzkammer hernieder, zur Zeit aber, wenn die Jisraéliten nicht in ihrem Lande weilen, kommt der Regen nicht aus der guten Schatzkammer hernieder.

8R. Jiçḥaq sagte: Wer weise werden will, wende sich gegen Süden; wer reich werden will, wende sich gegen Norden. Als Merkzeichen diene dir: der Tisch nördlich und die Leuchte südlich. R. Jehošua͑ b. Levi aber sagt, man wende sich stets gegen Süden, denn wer weise ist, wird auch reich, denn es heißt:langes Leben in ihrer Rechten, in ihrer Linken Reichtum und Ehre. –

9R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja aber, die Göttlichkeit befinde sich im Westen!? – Man neige sich nur hinüber. R. Ḥanina sagte zu R. Aši: Ihr, die ihr nördlich vom Jisraéllande wohnt, müßt euch gegen Süden wenden. – Woher, daß Babylonien nördlich vom Jisraéllande liegt? – Es heißt:vom Norden her wird das Unheil über alle Bewohner des Landes hereinbrechen.

10MAN ENTFERNE DIE BEIZE VON KRÄUTERN &C. Es wird gelehrt: R. Jose erlaubt dies beim Senf, weil er zu ihm sagen kann: während du von mir verlangst, meinen Senf von deinen Bienen zu entfernen, entferne du deine Bienen von meinem Senf, denn sie kommen und fressen die Blüten von meinem Senf ab.

11MAN ENTFERNE EINEN BAUM FÜNFUNDZWANZIG ELLEN VON EINER ZISTERNE; EINEN JOHANNISBROTBAUM UND EINE SYKOMOREFÜNFZIG ELLEN, EINERLEI OB ER OBERHALBODER DANEBEN. WAR DIE ZISTERNE FRÜHER DA, SO FÄLLE ERIHN UND ERSETZE DEN WERT; WAR DER BAUM FRÜHER DA, SO FÄLLE ER IHN NICHT; IST ES ZWEIFELHAFT, WER VON BEIDEN FRÜHER DA WAR, SO FÄLLE ER IHN NICHT. R. JOSE SAGT, AUCH WENN DIE ZISTERNE FRÜHER DA WAR ALS DER BAUM, FÄLLE ER IHN NIGHT, DENN DER EINE GRÄBT AUF SEINEM GEBIETE UND DER ANDERE PFLANZT AUF SEINEM GEBIETE.

12GEMARA. Es wird gelehrt: Einerlei ob die Zisterne unten und der Baum oben oder die Zisterne oben und der Baum unten sich befindet. – Erklärlich ist dies von dem Falle, wenn die Zisterne unten und der Baum oben sich befindet, die Wurzeln erweitern sich dann und beschädigen die Zisterne, aus welchem Grunde aber in dem Falle, wenn die Zisterne oben und der Baum unten sich befindet? R. Ḥaga erwiderte im Namen R. Joses: Weil sie die Erde zersetzen und den Boden der Zisterne beschädigen.

13R. JOSE SAGT, AUCH WENN DIE ZISTERNE FRÜHER DA WAR ALS DER BAUM, FÄLLE ER IHN NICHT, DENN DER EINE GRÄBT AUF SEINEM GEBIETE UND DER ANDERE PFLANZT AUF SEINEM GEBIETE. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Jose. R. Aši sagte: Als wir bei R. Kahana waren, sagten wir: R. Jose pflichtet bei in dem Falle, wenn es seine Pfeile sind.

14Papi aus Jonien, der arm war und reich wurde, baute einen Palast, und wenn die Ölpresser, die in seiner Nachbarschaft waren, ihren Mohn preßten, erschütterte sein Palast. Da kam er zu R. Aši und dieser sprach zu ihm: Als wir bei R. Kahana waren, sagten wir: R. Jose pflichtet bei in dem Falle, wenn es seine Pfeile sind. –

15Wieviel? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.