Bava Batra — Blatt 36a
1der Nichtjude sagte mir, er habe es von dir gekauft, so ist er glaubhaft. – Ist denn der Fall möglich, daß, wenn ein Nichtjude es sagt, er nicht glaubhaft ist, und wenn ein Jisraélit es im Namen des Nichtjuden sagt, er glaubhaft ist!?
2Vielmehr, sagte Raba, wenn der Jisraélit sagt: der Nichtjude hat es in meiner Gegenwart von dir gekauft und mir verkauft, so ist er glaubhaft, denn wenn er wollte, könnte er sagen: ich habe es von dir gekauft.
3Ferner sagte R. Jehuda: Wer eine Sichel und einen Strick hält und sagt, er wolle gehen und die Dattelpalme von jenem pflücken, denn er habe sie von jenem gekauft, ist glaubhaft, denn niemand ist so unverschämt, eine Palme, die nicht ihm gehört, zu pflücken.
4Ferner sagte R. Jehuda: Wenn jemand den für die Waldtiere außerhalb des Zaunes bestimmten Platz in Besitz genommen hat, so erfolgt dadurch keine Ersitzung, denn jener kann sagen, alles, was hier gesäet wird, fressen ja die Waldtiere ab.
5Ferner sagte R. Jehuda: Hat er es ungeweiht genießbraucht, so erfolgt keine Ersitzung. Ebenso wird auch gelehrt: Hat er es ungeweiht, im Siebentjahre oder als Mischsaat genießbraucht, so erfolgt keine Ersitzung.
6R. Joseph sagte: Hat er [das Getreide] als Futtergras genießbraucht, so erfolgt keine Ersitzung. Raba sagte: In der Ebene von Maḥoza erfolgt dadurch wohl eine Ersitzung.
7R. Naḥman sagte: Bei einem minderwertigen Felde erfolgt keine Ersitzung. Hat er einen Kor ausgesäet und einen Kor eingebracht, so erfolgt keine Ersitzung.
8Die Leute vom Hause des Exilarchen können unsere [Grundstücke] nicht ersitzen, auch können wir ihre nicht ersitzen.
9SKLAVEN &C. Gibt es denn bei Sklaven eine Ersitzung, Reš Laqiš sagte ja, heim Kleinvieh gebe es keine Ersitzung!? Raba erwiderte: Bei diesen erfolgt keine Ersitzung sofort, wohl aber nach drei Jahren.
10Raba sagte: Ist es ein noch in der Wiege liegendes Kind, so erfolgt bei diesem die Ersitzung sofort. – Selbstverständlich!? – In dem Falle, wenn es eine Mutter hat; man könnte glauben, es sei zu berücksichtigen, die Mutter habe es vielleicht hingebracht, so lehrt er uns, daß eine Mutter ihr Kind nicht vergißt.
11Einst fraßen Ziegen in Nehardea͑ fremde Graupen, und der Eigentümer der Graupen kam und pfändete sie und verlangte mehr. Hierauf entschied der Vater Šemuéls, daß er bis zu ihrem Werte verlangen könne, denn wenn er wollte, könnte er sagen, er habe sie gekauft. – Reš Laqiš sagte ja aber, bei Kleinvieh gebe es keine Ersitzung!? – Anders verhält es sich bei Ziegen, die einem Hirten anvertraut werden müssen. –
12Es gibt ja noch den Morgen und den Abend!? – In Nehardea͑ sind Araber vorhanden, und sie werden aus einer Hand in die andere Hand abgeliefert.
13R. JIŠMA͑ÉL SAGT, DREI MONATE &C. Es wäre anzunehmen, daß ein Unterschied zwischen ihnen hinsichtlich des Pflügens besteht; R. Jišma͑él ist der Ansicht, durch das Pflügen erfolge keine Ersitzung, und R. A͑qiba ist der Ansicht, durch das Pflügen erfolge eine Ersitzung. –
14Glaubst du: wieso ist demnach nach R. A͑qiba ein Monat erforderlich,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.