Bava Batra — Blatt 58a

1einem von Töpfen umgebenen Herdfeuer. –

2Wie muß das Bett eines Schriftgelehrten sein? – Unter diesem dürfen sich im Sommer nur die Sandalen und in der Regenzeit nur die Schuhe befinden. Das eines Menschen aus dem gemeinen Volke gleicht einem vollgestopften Speicher.

3Einst zeichnete R. Banaá die Grüfte, und als er an die Gruft Abrahams herankam, traf er Elie͑zer, den Knecht Abrahams, vor der Tür stehen. Da fragte er ihn, was Abraham tue. Dieser erwiderte: Er liegt am Busen der Sara und sie untersucht ihm das Haupt.

4Da sprach er zu ihm: Geh, melde ihm, Banaá stehe an der Tür. Jener sprach: Er mag eintreten; es ist ja bekannt, daß in dieser Welt der böse Trieb nicht vorhanden ist. Da ging er hinein, sah sich um und kam heraus.

5Hierauf gelangte er zur Gruft Adams, des Urmenschen. Da ertönte eine Hallstimme und sprach: Du hast das Abbild meines Ebenbildes geschaut, mein Ebenbild selbst darfst du aber nicht schauen. – Ich muß ja aber die Gruft messen!? – Das Maß der inneren gleicht dem Maße der äußeren. Und nach demjenigen, welcher sagt, es waren zwei Stöcke, einer über dem anderen: das Maß des unteren gleicht dem Maße des oberen.

6R. Banaá erzählte: Ich schaute seine beiden Fersen, und sie glichen zwei Sonnenkugeln. Jeder andere erscheint vor Sara wie ein Affe vor einem Menschen; Sara vor Hava wie ein Affe vor einem Menschen; Hava vor Adam wie ein Affe vor einem Menschen; Adam vor der Göttlichkeit wie ein Affe vor einem Menschen.

7Die Schönheit R. Kahanas hatte etwas von der Schönheit R. Abahus; die Schönheit R. Abahus hatte etwas von der Schönheit unseres Vaters Jáqob; die Schönheit unseres Vaters Ja͑qob hatte etwas von der Schönheit Adams, des Urmenschen.

8Einst war ein Magier, der die Toten ausgrub, und als er an die Gruft des R. Ṭobi b. Mathna herankam, erfaßte ihn dieser beim Barte. Da kam Abajje und sprach zu ihm: Ich bitte dich, laß ihn. Im folgenden Jahre kam er wieder, und er erfaßte ihn wiederum beim Barte, und auch als Abajje herankam, ließ er ihn nicht los, bis er eine Schere holte und ihm den Bart abschnitt.

9Einst sagte jemand: Meinem einen Sohne ein Faß mit Erde, meinem anderen Sohne ein Faß mit Knochen und meinem dritten Sohne ein Faß mit Werg. Da wußten sie nicht, was er ihnen sagte. Als sie darauf zu R. Banaa͑ kamen, fragte er sie: Habt ihr Grundbesitz? Sie erwiderten ihm: Jawohl. – Habt ihr Vieh? – Jawohl. – Garderobe? – Jawohl. – Wenn dem so ist, so hat er dies gemeint.

10Einst hörte jemand seine Frau zu ihrer Tochter sprechen: Weshalb bist du nicht diskret genug? Ich habe zehn Söhne, und nur einer ist von deinem Vater. Als er im Sterben lag, sprach er: Mein ganzes Vermögen soll meinem einen Sohne gehören.

11Da wußten sie nicht, welchem von ihnen, und als sie sich an R.Banaá wandten, sprach er zu ihnen: Geht, schlaget auf das Grab eures Vaters, bis er auf steht und euch offenbart, wem von euch er es hinterlassen hat. Hierauf gingen sie alle hin, der eine aber, der sein wirklicher Sohn war, ging nicht. Da sprach er zu ihnen: Das ganze Vermögen gehört diesem. Hierauf gingen sie und zeigten ihn bei der Regierung an, indem sie sprachen: Es gibt einen Mann bei den Juden, der ohne Zeugen und ohne Beweisführung den Leuten Geld abnimmt. Daraufhin holte man ihn und sperrte ihn ein.

12Da ging seine Frau hin und klagte vor ihnen: Ich hatte einen Knecht und man schlug ihm den Kopf ab, zog ihm die Haut ab, aß sein Fleisch und schöpfte mit ihm Wasser, das man den Genossen zu trinken gab; mir aber zahlte man keinen Ersatz und keinen Lohn.

13Sie verstanden nicht, was sie zu ihnen sprach, und sagten daher: Wir wollen den Weisen der Juden holen, und er soll es uns sagen. Alsdann ließen sie R. Banaá kommen und er sprach zu ihnen: Sie spricht zu euch von einem Schlauche. Hierauf sprachen sie: Da er so weise ist, mag er am Tore sitzen und Recht sprechen.

14Er sah, daß am Stadttore geschrieben stand: Ein Richter, der vor Gericht geladen wird, ist kein Richter. Da sprach er zu ihnen: Demnach könnte irgend jemand kommen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.