Bava Batra — Blatt 59a

1Wir haben gelernt: Für die Dachrinne gibt es keine Ersitzung, Einleuchtend ist dies nach den beiden ersten Erklärungen,

2welchen Unterschied aber gibt es hierbei nach der Erklärung, wenn er unten bauen will, dürfe er bauen!? –

3Hier wird von einer angebauten Dachrinne gesprochen, denn er kann zu ihm sagen: ich wünsche nicht, daß meine Wand beschädigt werde.

4R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wenn aus einem Rohr Wasser in einen Hof abfließt und der Eigentümer desselben es absperren will, so kann der Eigentümer des Hofes ihm dies verwehren, denn er kann zu ihm sagen: wie du das Recht auf meinen Hof erworben hast, um das Wasser abfließen zu lassen, ebenso habe ich das Recht auf das Wasser deines Daches erworben.

5Es wurde gelehrt: R. Oša͑ja sagte, er könne es ihm verwehren; R. Ḥama sagte, er könne es ihm nicht verwehren. Sie gingen zu R. Bisa und fragten ihn, und er erwiderte ihnen, er könne es ihm verwehren. Da las Rami b. Ḥama darüber:Und die dreifache Schnur ist nicht sobald zu zerreißen, das ist R. Oša͑ja, Sohn des R. Ḥama, Sohn des R. Bisa.

6FÜR DIE ÄGYPTISCHE LEITER GIBT ES KEINE ERSITZUNG. Welche ist eine ägyptische Leiter? In der Schule R. Jannajs erklärten sie: Die keine vier Sprossen hat.

7FÜR DAS ÄGYPTISCHE FENSTER GIBT ES KEINE ERSITZUNG. Weshalb wird es bei einer Leiter nicht erklärt und bei einem Fenster wohl? – Weil weiter R. Jehuda dagegen streitet.

8R. Zera sagte: Befindet sich [das Fenster] unterhalb vier Ellen, so hat er Ersitzungsrecht und man kann dies verwehren; wenn aber oberhalb vier Ellen, so hat er kein Ersitzungsrecht, und man kann dies nicht verwehren. R. Ilea͑ aber sagte, auch wenn es sich oberhalb vier Ellen befindet, hat er kein Ersitzungsrecht, und man kann dies verwehren. –

9Es wäre anzunehmen, daß sie über die Ausübung eines Zwanges gegen sedomitische Art streiten; einer ist der Ansicht, man übe Zwang aus, und einer ist der Ansicht, man übe keinen Zwang aus. –

10Nein, alle sind der Ansicht, man übe Zwang aus, nur ist es hierbei anders, denn er kann zu ihm sagen: du könntest eine Bank holen, auf diese steigen und hereinsehen. Einst kam jemand vor R. Ami und dieser schickte ihn zu R. Abba b. Mamal; da sprach dieser zu ihm: Entscheide ihm nach R. Ilea͑.

11Šemuél sagte: Ist es wegen des Lichtes vorhanden, so hat er Ersitzungsrecht auch für das kleinste.

12FÜR EINEN VORSPRUNG VON MINDESTENS EINER HANDBREITE GIBT ES EINE ERSITZUNG

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.