Bava Batra — Blatt 65a

1die Halakha sei wie die Weisen, und R. Jirmeja b. Abba sagte im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. A͑qiba. R. Jirmeja b. Abba sprach zu R. Hona: Wiederholt sagte ich vor Rabh, die Halakha sei wie R. A͑qiba, und er sagte mir nichts dagegen. Dieser fragte: Wie hast du es gelernt? Jener erwiderte; Ich habe es entgegengesetzt gelernt. – Deshalb sagte er dir nichts dagegen.

2Rabina sprach zu R. Aši: Es wäre anzunehmen, daß sie hierbei ihre Ansichten vertreten,

3denn R. Naḥman sagte nämlich im Namen Šemuéls: Wenn Brüder geteilt haben, so hat einer an den anderen keinen Anspruch hinsichtlich der Wege, der Leitern, der Fenster und der Wasserläufe.

4Sei damit behutsam, denn es sind festgesetzte Lehren. Rabh aber sagt, sie haben ihn wohl. –

5Und beides ist nötig. Würde er nur die eine gelehrt haben, [so könnte man glauben,] Rabh vertrete seine Ansicht nur hierbei, weil jeder sagen kann, er wolle da ebenso wohnen, wie seine Vorfahren da gewohnt haben, denn so heißt es auch:an deiner Väter Stelle werden deine Söhne treten, da aber pflichte er Šemuél bei.

6Und würde er nur das andere gelehrt haben, [so könnte man glauben,] Šemuél vertrete seine Ansicht nur da, hierbei aber pflichte er Rabh bei. Daher ist beides nötig.

7R. Naḥman fragte R. Hona: ist die Halakha nach unserer oder nach euerer Ansicht zu entscheiden? Dieser erwiderte: Die Halakha ist nach euerer Ansicht zu entscheiden, denn ihr seid näher der Tür des Exilarchen, bei dem die Richter anwesend sind.

8Es wurde gelehrt: Wenn von zwei Häusern sich eines hinter dem anderen befindet, so haben [die Besitzer], einerlei ob sie sie durch Kauf oder durch Schenkung [erworben haben], an einander keinen Anspruch auf den Weg, und um so weniger, wenn der vordere durch Schenkung und der hintere durch Kauf.

9Man könnte hieraus entnehmen, wenn der vordere durch Kauf und der hintere durch Schenkung, habe er ebenfalls keinen Anspruch auf den Durchgang,

10dem ist aber nicht so, denn wir haben gelernt: Dies gilt nur vom Verkaufe, wer aber etwas verschenkt, verschenkt alles. Wir sehen also, daß, wer etwas verschenkt, dies mit gönnendem Auge tue, ebenso sagen wir auch hierbei, wer etwas verschenkt, tue dies mit gönnendem Auge.

11WEH EIN HAUS VERKAUFTHAT, HAT AUCH DIE TÜR MITVERKAUFT, NICHT ABER DEN SCHLÜSSEL. ER HAT DEN BEFESTIGTEN MÖRSER MITYERKAUFT, NICHT ABER DEN BEWEGLICHEN; ER HAT DEN MÜHLENUNTERSATZ MITVERKAUFT, NICHT ABER DEN TRICHTER. FERNER AUCH NICHT DEN OFEN UND NICHT DEN HERD. WENN ER ABER ZU IHM GESAGT HAT: ES UND ALLES, WAS SICH DARIN BEFINDET,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.