Bava Batra — Blatt 73b

1über den Rognag, und er sprang von diesem auf jenen und von jenem auf diesen; er hielt in den Händen zwei Becher mit Wein und schüttete ihn aus dem einen in den anderen und aus dem anderen in den einen, und doch fiel kein Tropfen zur Erde. Dabei war es ein Tag [von dem es heißt:]sie steigen himmelan und sinken in die Tiefe. Als die Regierung dies erfuhr, ließ sie ihn töten.

2Rabba erzählte [ferner:] Einst sah ich ein junges Einhorn, das so groß wie der Berg Tabor war. – Wie groß ist der Berg Tabor? – Vier Parasangen. – Der Umfang seines Halses hatte drei Parasangen und sein Kopf nahm anderthalb Parasangen ein. Als es Kot auswarf, verstopfte er den Jarden.

3Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst sah ich einen Frosch, der so groß wie die Burg von Hagronja war. – Wie groß ist die Burg von Hagronja? – Sechzig Häuser. – Da kam eine Schlange und verschlang den Frosch; hierauf kam eine Rabin, verschlang die Schlange und ließ sich auf einem Baume nieder. Komm nun und sieh, wie stark dieser Baum war. R. Papa b. Šemuél sagte: Wäre ich nicht dabei, so würde ich es nicht geglaubt haben.

4Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst reisten wir auf einem Schiffe und sahen einen Fisch, dem ein nagender Wurm in die Nase gekommen war; hierauf spülte ihn das Wasser hinaus und warf ihn ans Ufer. Durch ihn wurden sechzig Städte zerstört, sechzig Städte aßen von ihm und sechzig Städte salzten von [seinem Fleische] ein, und aus einem Augapfel wurden dreihundert Faß Öl abgefüllt. Als wir nach einem Jahre von zwölf Monaten zurückkehrten, sahen wir, wie aus seinem Gerippe Balken gesägt wurden, um jene Städte wieder aufzubauen.

5Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst reisten wir auf einem Schiffe und sahen einen Fisch, auf dessen Rücken sich Sand angesetzt hatte, worauf Gras hervorgewachsen war. Da wir nun glaubten, es sei Land, stiegen wir auf ihn ab und backten und kochten auf seinem Rücken. Als ihm aber heiß wurde, drehte er sich um, und wenn das Schiff nicht in unserer Nähe wäre, würden wir ertrunken sein.

6Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst reisten wir auf einem Schiffe und das Schiff ging zwischen der einen Floßfeder und der anderen Floßfeder eines Fisches drei Tage und drei Nächte, und dabei schwamm er aufwärts und wir abwärts. Wenn du aber glaubst, das Schiff habe sich nicht schnell genug bewegt, so erzählte R. Dimi, als er kam, daß es in einer Zeit, während welcher man einen Kessel Wasser wärmt, sechzig Parasangen zurücklegte. Wenn ein Jäger einen Pfeil abschoß, überholte ihn [das Schiff]. R. Aši sagte: Es war einer der kleinen Seefische, die nur zwei Flossen haben.

7Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst reisten wir auf einem Schiffe und sahen einen Vogel, der bis zu den Knöcheln im Wasser stand und dessen Kopf bis zum Firmamente reichte. Wir glaubten, das Wasser sei da nicht [tief], und wollten aussteigen, um uns [im Wasser] abzukühlen, da ertönte eine Hallstimme und sprach zu uns: Steigt hier nicht aus; vor sieben Jahren entfiel an dieser Stelle einem Zimmermann eine Axt, und noch immer hat sie den Grund nicht erreicht. Und nicht etwa, weil das Wasser nur tief ist, sondern weil das Wasser auch reißend ist. R. Aši sagte: Es war [der Vogel] Feld-Ziz, denn es heißt:und der Feld-Ziz ist bei mir.

8Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst reisten wir in der Wüste und sahen Gänse, denen vor Fettigkeit die Federn ausfielen, und unter ihnen flössen Ströme Fett. Da sprach ich zu ihnen: Haben wir in der zukünftigen Welt einen Anteil an euch? Da hob eine einen Flügel und eine andere einen Schenkel hoch. Als ich zu R. Elea͑zar kam, sprach er zu mir: Die Jisraéliten werden dereinst ihretwegen Rechenschaft ablegen müssen.

9Ferner erzählte Rabba b. Bar Ḥana: Einst reisten wir in der Wüste und mit uns war auch ein Araber, der, wenn er etwas Erde nahm und daran roch, uns sagte: das ist der Weg nach dieser Ortschaft, und das ist der Weg nach jener Ortschaft. Einst fragten wir ihn, wie weit wir noch von einem Gewässer entfernt sind; da sprach er zu uns: Gebt mir etwas Erde. Als wir sie ihm gaben, sprach er: Noch acht Parasangen. Später wiederholten wir es, und er sagte uns, daß wir noch drei Parasangen entfernt sind. Wir vertauschten sie, aber wir vermochten nichts gegen ihn.

10Dieser sprach zu mir: Komm, ich will dir die Toten der Wüste zeigen. Ich ging mit ihm und sah sie; sie sahen aus, als wären sie angeheitert

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.