Bava Batra — Blatt 74b
1Da stieg ein Taucher hinab und wollte sie holen, [ein Fisch] merkte es aber und wollte ihn in den Schenkel beißen; da warf er nach ihm einen Schlauch Essig, und er sank hinab. Hierauf ertönte eine Hallstimme und sprach zu uns: Was wollt ihr von der Kiste der Frau des R. Ḥanina b. Dosa; sie wird dereinst in diese die Purpurfäden für die Frommen legen.
2R. Jehuda der Inder erzählte: Einst reisten wir auf einem Schiffe und sahen einen Edelstein, der von einem Seetiere umkreist wurde. Ein Taucher stieg hinab, um ihn zu holen, aber das Seetier kam heran und wollte das Schiff verschlingen. Da kam eine Rabin und biß ihm den Kopf ab, und das Wasser wurde in Blut verwandelt. Hierauf kam ein anderes Seetier und hing ihn jenem an, und es wurde lebendig. Alsdann kam es abermals heran und wollte das Schiff verschlingen, da kam ein Vogel und biß ihm den Kopf ab; hierauf nahm jener den Edelstein und warf ihn in das Schiff. Wir hatten bei uns eingepökelte Vögel, und als wir ihn auf diese legten, nahmen sie ihn mit und flogen fort.
3Die Rabbanan lehrten: Einst reisten R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ auf einem Schiffe; R. Elie͑zer schlief und R. Jehošua͑ war wach; da erbebte R. Jehošua͑, infolgedessen R. Elie͑zer erwachte. Dieser fragte: Was gibt es, Jehošua͑ weshalb erbebtest du? Jener erwiderte: Ich habe ein großes Licht im Meere gesehen. Dieser entgegnete: Du hast wahrscheinlich die Augen des Leviathan gesehen, von dem es heißt:seine Augen gleichen den Wimpern der Morgenröte.
4R. Aši sagte: Hona b. Nathan erzählte mir folgendes. Einst reisten wir in der Wüste, und wir hatten bei uns eine Keule, die wir zerlegten und aufs Gras legten; während wir Holz holten, wurde die Keule wieder ganz. Nach einem Jahre von zwölf Monaten kehrten wir da zurück, und wir sahen die Kohlen noch glimmen. Als ich später zu Amemar kam, sprach er zu mir: Jenes Gras war das Gesundheitsgras, und jene Kohlen waren von Ginsterholz.
5Und Gott erschuf die großen Seetiere. Hier erklärten sie: das Seeeinhorn; R. Joḥanan erklärte: den Leviathan-Riegelschlange, und den Leviathan-Windeschlange, denn es heißt:an jenem Tage wird der Herr heimsuchen &c.
6R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Von allem, was der Heilige, gepriesen sei er, in seiner Welt erschaffen hat, erschuf er ein Männchen und ein Weibchen, und auch den Leviathan-Riegelschlange, und den Leviathan-Windeschlange, erschuf er als Männchen und Weibchen. Hätten sie sich miteinander begattet, so würden sie die ganze Welt zerstört haben. Was tat daher der Heilige, gepriesen sei er? Er kastrierte das Männchen, das Weibchen aber tötete er und pökelte es für die Frommen in der zukünftigen Welt ein, denn es heißt:und das Seetier im Meere töten.
7Und auch vom Behemoth auf dem Tausendgebirge erschuf er ein Männchen und ein Weibchen. Hätten sie sich miteinander begattet, so würden sie die ganze Welt zerstört haben. Was tat daher der Heilige, gepriesen sei er? Er kastrierte das Männchen, das Weibchen aber machte er steril und verwahrte es für die Frommen in der zukünftigen Welt, denn es heißt :sieh nur seine Kraft in seinen Lenden, das ist das Männchen, und seine Stärke in den Muskeln seines Leibes, das ist das Weibchen. –
8Sollte er doch auch bei jenen das Männchen kastriert und das Weibchen steril gemacht haben!? – Fische sind brünstig. – Sollte er es umgekehrt gemacht haben! ? – Wenn du willst, sage ich, das Weibchen schmeckt eingepökelt besser. Wenn du aber willst, sage ich: es heißt:der Leviathan, den du geschaffen hast, um mit ihm zu spielen, und mit einem Weibchen ist dies nicht passend. – Sollte er doch auch bei diesen das Weibchen eingepökelt haben!? – Ein gepökelter Fisch schmeckt gut, gepökeltes Fleisch schmeckt nicht gut.
9Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Als der Heilige, gepriesen sei er, die Welt erschaffen wollte, sprach er zum Meeresfürsten: Öffne deinen Mund und verschlinge alle Gewässer der Welt! Da sprach dieser vor ihm: Herr der Welt, es ist genug, daß ich bei meinem verbleibe. Da versetzte er ihm einen Fußtritt und tötete ihn, denn es heißt:durch seine Macht erregt er das Meer und durch seine Einsicht zerschmettert er Rahab.
10R. Jiçḥaq sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß der Meeresfürst Rahab heiße. Würde das Wasser ihn nicht zudecken, so könnte kein Geschöpf vor seinem [üblen] Gerüche aushalten, denn es heißt:sie werden keinen Schaden und kein Verderben zufügen auf meinem ganzen heiligen Berge &c., und man lese nicht: wie das Wasser das Meer zudeckt, sondern: den Meeresfürsten zudeckt.
11Ferner sagte R. Jehuda im Namen Rabhs: Der Jarden entspringt aus der Höhle von Paneas. Ebenso wird auch gelehrt: Der Jarden entspringt aus der Höhle von Paneas und mündet in das Meer von Sibki und in das Meer von Tiberias. Dann schlängelt er sich fort und gelangt in das große Meer, und schlängelt sich weiter fort und gelangt in den Rachen des Leviathan, denn es heißt:er ist ruhig, wenn der Jarden in seinen Rachen dringt. Raba b. U͑la wandte ein: Dieser Schriftvers spricht ja vom Behemoth auf dem Tausendgebirge!? Vielmehr, erklärte Raba b. U͑la: Der Behemoth auf dem Tausendgebirge bleibt ruhig, wenn der Jarden in den Rachen des Leviathan dringt.
12Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Es heißt:er hat esauf Meeren gegründet und auf Strömen befestigt. Das sind die sieben Meere und die vier Ströme, die das Jisraélland umgeben. Folgende sind die sieben Meere: das Meer von Tiberias, das Meer von Sedom, das Meer von Šaḥlath, das Meer von Ḥilta, das Meer von Sibki, das Meer von Paneas und das große Meer. Folgende sind die vier Ströme: der Jarden, der Jarmukh, der Qirmejon und der Piga.
13Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Jonathans: Dereinst wird Gabriél eine Jagd auf den Leviathan veranstalten,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.