Bava Batra — Blatt 75a

1denn es heißt:kannst du den Leviathan mit der Angel ziehen und mit einer Schnur seine Zunge niederdrücken? Und wenn der Heilige, gepriesen sei er, ihm nicht helfen würde, würde er ihm nicht beikommen können, denn es heißt:der ihn schuf, naht mit seinem Schwerte.

2Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Wenn der Leviathan hungrig ist, haucht er eine Hitze aus seinem Maule aus, daß das ganze Wasser in der Tiefe siedet, denn es heißt:er macht die Tiefe siedend wie einen Topf. Und würde er nicht seinen Kopf in den E͑dengarten stecken, so könnte kein Geschöpf vor seinem [üblen] Gerüche aushalten, denn es heißt:er macht das Meer wie einen Salbenkessel.

3Wenn er durstig ist, macht er Furchen über Furchen im Meere, denn es heißt:hinter ihm leuchtet ein Pfad. R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Der Abgrund erholt sich erst nach siebzig Jahren, denn es heißt:er hält die Tiefe für greisenalt, und es gibt kein Greisenalter unter siebzig [Jahren].

4Rabba sagte im Namen R. Joḥanans: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, vom Fleische des Leviathan eine Mahlzeit für die Frommen veranstalten, denn es heißt:die Genossen hielten über ihn Gelageab. Unter Gelage ist eine Mahlzeit zu verstehen, denn es heißt:er bereitete ihnen ein großes Gelage und sie aßen und sie tranken; und unter Genossen sind die Schriftgelehrten zu verstehen, denn es heißt:die du in den Gärten wohnst, die Genossen lauschen auf deineStimme, laß sie mich hören.

5Das Zurückbleibende werden sie unter sich verteilen und damit auf dem Markte von Jerušalem Handel treiben, denn es heißt: ihn verteilen unter die Kenaa͑niter, und unter Kenaa͑niter sind Kaufleute zu verstehen, denn es heißt:eine falsche Wagschale hat Kenaa͑n in der Hand, er liebt zu übervorteilen. Wenn du aber willst, entnehme ich es hieraus:seine Kaufleute sind Fürsten, seine Händler [Kenaa͑neha] sind Angesehene der Erde.

6Ferner sagte Rabba im Namen R. Joḥanans: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, aus der Haut des Leviathan eine Laube für die Frommen machen, denn es heißt:mit seiner Haut Hütten füllen. Ist es einem beschieden, so macht man ihm eine Laube, ist es einem nicht beschieden, so macht man ihm nur ein Schattendach, denn es heißt:Fische-Schatten für sein Haupt.

7Ist es einem beschieden, so macht man ihm ein Schattendach, ist einem auch dies nicht beschieden, so macht man ihm nur ein Halsband, denn es heißt:und Halsbänder für deinen Hals. Ist es einem beschieden, so macht man ihm ein Halsband, ist einem auch dies nicht beschieden, so macht man ihm nur ein Angebinde, denn es heißt:du wirst ihn anbinden für deine Mädchen.

8Das Zurückbleibende wird der Heilige, gepriesen sei er, über die Mauern von Jerušalem ausbreiten, und sein Glanz wird von einem Ende der Welt bis zum anderen Ende leuchten, denn es heißt:und die Völker werden hinwallen zu deinem Lichte, und Könige zu deinem Glanze.

9Ich will deine Zinnen aus Kadkodstein machen. R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Hierüber streiten zwei Engel im Himmel, Gabriél und Mikhaél, manche sagen, zwei Amoräer im Westen, das sind Jehuda und Ḥizqija, die Söhne R. Ḥijas; einer sagt, es sei der Šohamstein, und einer sagt, es sei der Jaspis. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu ihnen: Wie der eine und wie der andere.

10Und deine Tore aus Karfunkeln. Einst saß R. Joḥanan und trug vor: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, dreißig [zu dreißig Ellen] große Edelsteine und Perlen holen, in diese zehn zu zwanzig [Ellen große Öffnungen] bohren und sie vor den Toren von Jerušalem aufstellen. Da spottete ein Schüler über ihn: wenn es solche in der Größe eines Reihereies nicht gibt, wie sollte es solche in dieser Größe geben!?

11Nach Verlauf von Tagen reiste er zu Schiff auf dem Meere und sah Dienstengel Edelsteine und Perlen sägen; da fragte er sie, für wen diese bestimmt seien, und sie erwiderten ihm, der Heilige, gepriesen sei er, werde sie dereinst am den Toren von Jerušalem aufstellen. Hierauf kam er zu R. Joḥanan und sprach zu ihm: Trage vor, Meister, dir geziemt es vorzutragen; was du gesagt hast, habe ich auch gesehen. Dieser entgegnete: Wicht, wenn du es nicht gesehen hättest, würdest du es nicht geglaubt haben; du spottest also über die Worte der Weisen. Da richtete er auf ihn seine Augen, und er wurde zu einem Knochenhaufen.

12Man wandte ein:Ich führe euch aufrecht; R. Meír sagte, zweihundert Ellen hoch, die zweifache Höhe Adams des Urmenschen;

13R. Jehuda sagte, hundert Ellen hoch, entsprechend [der Höhe] des Tempels und seiner Wände, denn es heißt:unsere Söhne sind in der Jugend wie sorgsam gezogene Pflanzen, unsere Töchter wie Ecksäulen, die nach Tempelart ausgehauen sind!? – R. Joḥanan spricht nur von den Lüftungsfenstern.

14Ferner sagte Rabba im Namen R. Joḥanans: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, für jeden Frommen sieben Baldachine machen, denn es heißt:und der Herr wird erschaffen über der ganzen Stätte des Berges Çijon und über seinen Versammlungsstätten am Tage Gewölk, und Rauch, Glanz von Feuer und Flammen nachts; über aller Würde ein Baldachin. Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, jedem einen Baldachin nach seiner Würde machen werde. –

15Wozu der Rauch beim Baldachin? R. Ḥanina erwiderte: Wer auf dieser Welt mißgünstig gegen die Schriftgelehrten ist, dessen Augen werden in der zukünftigen Welt voll Rauch sein. – Wozu das Feuer beim Baldachin? R. Ḥanina erwiderte: Dies lehrt, daß jeder sich am Baldachin des anderen verbrennen werde. Wehe ob dieser Schande, wehe ob dieser Schmach!

16Desgleichen heißt es:du sollst von deiner Hoheit auf ihn legen, nicht aber deine ganze Hoheit. Die Ältesten jenes Zeitalters sagten: Das Gesicht Mošes gleicht der Sonne, das Gesicht Jehošua͑s gleicht dem Monde. Wehe ob dieser Schande, wehe ob dieser Schmach.

17R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Zehn Baldachine machte der Heilige, gepriesen sei er, für Adam den Urmenschen, im E͑dengarten, denn es heißt: im E͑den, dem Garten Gottes, warst du, alle Edelsteine &c. Mar Zuṭra sagte, elf, denn es beißt: alle Edelsteine. R. Joḥanan sagte: Das geringste unter allen war das Gold, denn dieses wird zuletzt genannt. –

18Was heißt:die Arbeit deiner Pauken und Höhlungen? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Ḥiram, dem Könige von Çor: Ich schaute auf dich und erschuf am Menschen Löcher über Löcher. Manche sagen, er habe zu ihm wie folgt gesagt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.