Bava Batra — Blatt 7b
1Mar Januqa und Mar Qašiša, die Söhne R. Ḥisdas, sprachen zu R. Aši: Die Nehardee͑nser vertreten hierbei ihre Ansicht, denn R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls: Wenn Brüder geteilt haben, so hat einer an den anderen keinen Anspruch hinsichtlich der Wege,
2der Fenster, der Leitern und der Wasserläufe. Seid damit achtsam, denn es sind festgesetzte Lehren. Raba aber sagt, sie haben ihn wohl.
3Einst wurde auf einen Schuldschein, der Waisen gehörte, eine Quittung präsentiert. Da sprach R. Ḥama: Man kann mit diesem [die Schuld] nicht einfordern und ihn auch nicht zerreißen. Man kann mit ihm [die Schuld] nicht einfordern, denn es wurde auf ihn eine Quittung präsentiert, und zerreißen kann man ihn ebenfalls nicht, denn die Waisen könnten, wenn sie großjährig sind, den Beweis erbringen, daß sie gefälscht ist.
4R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu Rabina: Wie ist die Halakha zu entscheiden? Dieser erwiderte: Bei allen ist die Halakha wie R. Ḥama, ausgenommen der Fall von der Quittung, denn wir halten die Zeugen nicht für lügenhaft.
5Mar Zuṭra, Sohn des R. Mari, sagte: Auch hierbei ist die Halakha wie R. Ḥama, denn wäre die Quittung echt, so sollte er sie bei Lebzeiten des Vaters präsentiert haben, und da er sie dann nicht präsentiert hat, so ist sie wohl gefälscht.
6MAN HÄLT IHNAN, ZUM BAU EINES TORHÄUSCHENSUND EINER TÜR ZUM HOFE BEIZUTRAGEN. R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, NICHT JEDER HOF BRAUCHT EIN TORHÄUSCHEN. MAN HÄLT IHNAN, ZUM BAU EINER MAUER UND VON TOREN UND RIEGELN FÜR DIE STADT BEIZUTRAGEN. R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, NICHT JEDE STADT BRAUCHT EINE MAUER.
7WIE LANGE MUSS MAN IN DER STADT GEWOHNT HABEN, UM DEN BÜRGERN DER STADTZU GLEICHEN? ZWÖLE MONATE. HAT MAN DA EIN WOHNHAUS GEKAUFT, SO GLEICHT MAN SOFORT DEN ÜBRIGEN BÜRGERN DER STADT.
8GEMARA. Demnach ist ein Torhäuschen vorteilhaft; aber einst war ja ein Frommer, mit dem Elijahu sich zu unterhalten pflegte, und als er ein Torhäuschen errichtete, hörte er auf, sich mit ihm zu unterhalten!? – Das ist kein Einwand; eines, wenn es sich von innen befindet, und eines, wenn es sich von außen befindet.
9Wenn du willst, sage ich: beides, wenn es sich von außen befindet, dennoch ist dies kein Einwand; eines, wenn es eine Tür hat, und eines, wenn es keine Tür hat. Wenn du willst, sage ich: beides, wenn es eine Tür hat, dennoch ist dies kein Einwand; eines, wenn [die Tür] einen Drücker hat, und eines, wenn sie keinen Drücker hat. Wenn du aber willst, sage ich: beides, wenn sie einen Drücker hat, dennoch ist dies kein Einwand; eines, wenn der Drücker sich von innen befindet, und eines, wenn der Drücker sich von außen befindet.
10Die Rabbanan lehrten: Man hält ihn an, zum Bau eines Torhäuschens und einer Tür für den Hof beizutragen. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, nicht jeder Hof braucht ein Torhäuschen; ein Hof, der an der Straße liegt, braucht ein Torhäuschen, und der nicht an der Straße liegt, braucht kein Torhäuschen. – Und die Rabbanan!? – Es kommt vor, daß auf der Straße ein Gedränge herrscht und Leute da hineingehen.
11MAN HÄLT IHN AN, ZUM BAU &C. FÜR DIE STADT BEIZUTRAGEN. Die Rabbanan lehrten: Man hält ihn an, zum Bau von Toren und Riegeln für die Stadt beizutragen. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, nicht jede Stadt braucht eine Mauer; eine Stadt, die an der Grenze liegt, braucht eine Mauer, und die nicht an der Grenze liegt, braucht keine Mauer. – Und die Rabbanan!? – Es kommt vor, daß auch da ein Streifzug kommt.
12R. Elea͑zar fragte R. Joḥanan: Wird die Beisteuer nach den Personen oder nach dem Vermögen erhoben? Dieser erwiderte: Sie wird nach dem Vermögen erhoben, und mein Sohn Elea͑zar hat in dieser Sache Pflöcke eingeschlagen.
13Manche lesen: Wird sie nach der Lage des Hauses erhoben oder nach dem Vermögen? Dieser erwiderte: Sie wird nach dem Vermögen erhoben, und mein Sohn Elea͑zar hat in dieser Sache Pflöcke eingeschlagen.
14R. Jehuda der Fürst hatte einst [die Kosten] für die Stadtmauer [auch] den Gelehrten auferlegt; da sprach Reš Laqiš: Die Gelehrten brauchen keine Bewachung. Es heißt nämlich:wollte ich sie zählen, sie würden mehr sein als der Sand; wen, wollte man sagen, die Frommen, so heißt es ja von ganz Jisraél:gleich dem Sande am Ufer des Meeres, wieso könnten nun die Frommen mehr als der Sand sein!?
15Vielmehr meint er es wie folgt: wollte man die Werke der Frommen zählen, so würden sie mehr als der Sand sein. Nun ist [ein Schluß] vom Geringeren auf das Wichtigere zu folgern: wenn der Sand, der weniger ist, das Meer beschützt, um wieviel mehr beschützen die Werke der Frommen, die mehr sind, die Frommen.
16Als er zu R. Joḥanan kam, sprach dieser zu ihm: Weshalb hast du es ihm nicht aus folgendem Schriftverse gedeutet? Ich bin eine Mauer und meine Brüste Türmen gleich. Ich bin eine Mauer, das ist die Tora; und meine Brüste Türmen gleich,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.