Bava Batra — Blatt 91b

1die ihren Führer verloren hat; wehe dem Schiffe, das seinen Steuermann verloren hat.

2Der sich als Haupt über alle erhebt. R. Ḥanan b. Raba sagte im Namen Rabhs: Selbst ein Zisternenaufseher wird im Himmel eingesetzt.

3R. Ḥija b. Abin sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Qorḥa: Behüte und bewahre, selbst wenn sie nur Kleie gefunden hätten, würden sie nicht fortgezogen sein; sie sind nur deshalb bestraft worden, weil sie für ihr Zeitalter um Erbarmen flehen sollten, und dies nicht getan haben, denn es heißt:wenn du schreist, werden deine Versammelten dich retten.

4Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn das Geld wohlfeil und die Früchte teuer sind, wenn aber das Geld teuer ist, darf man auswandern, selbst wenn vier Seá einen Sela͑ kosten.

5R.Joḥanan erzählte nämlich: Ich erinnere mich, daß einst in Tiberjas vier Seá für einen Sela͑ zu haben waren und dennoch viele Menschen vor Hunger geschwollen waren, weil kein Assar da war. Ferner erzählte R. Joḥanan: Ich erinnere mich, daß die Löhner sich in der Ostseite der Stadt nicht vermieten wollten, weil sie durch den Geruch des Brotes starben.

6Ferner erzählte R. Joḥanan: Ich erinnere mich, daß einst, wenn ein Kind Johannisbrot aufbrach, ein Honigstrahl sich auf seine beiden Arme ergoß. Ferner erzählte R. Elea͑zar: Ich erinnere mich, daß einst, wenn ein Rabe ein Stück Fleisch fortnahm, ein Strahl Fett sich von der Spitze der Mauer bis zur Erde ergoß. Ferner erzählte R. Joḥanan: Ich erinnere mich, daß Knaben und Mädchen im Alter von sechzehn und siebzehn Jahren auf der Straße lustwandelten, ohne zu sündigen. Ferner erzählte R. Joḥanan: Ich erinnere mich, daß sie im Lehrhause sagten: Wer ihnen zugibt, fällt in ihre Hände, und wenn jemand sich ihnen anvertraut, so ist seines ihres.

7Es heißt Maḥlon und Kiljon, und es heißt Joaš und Saraph? – Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer erklärt, sie heißen Maḥlon und Kiljon, und Joaš und Saraph wurden sie aus folgendem Grunde genannt: Jaaš, weil sie an der Erlösung verzweifelten [jaaš], Saraph, weil sie sich bei Gott des Verbrennungstodes [saraph] schuldig machten;

8und einer erklärt, sie hießen Joaš und Saraph, und Maḥlon und Kiljon wurden sie aus folgendem Grunde genannt: Maḥlon, weil sie sich profanierten [ḥolin], Kiljon, weil sie sich bei Gott der Vertilgung [kelaja] schuldig machten.

9Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit dem, welcher sagt, sie hießen Maḥlon und Kiljon, denn es wird gelehrt: Es heißt: ferner Joqim und die Männer von Kozeba und Joaš und die nach Moab buhlten, und kehrten nach [Beth] Leḥem zurück; und diese Dinge sind alt. Joqim, das ist Jehošua͑, der seinen den Gibeo͑niten geleisteten Eid hielt [heqim]. Die Männer von Kozeba, das sind die Männer von Gibeo͑n, die Jehošua͑ belogen [kizebu], Joaš und Saraph, das sind Maḥlon und Kiljon, und aus folgendem Grunde werden sie Joaš und Saraph genannt: Joaš, weil sie an der Erlösung verzweifelten, Saraph, weil sie sich bei Gott des Verbrennungstodes schuldig machten.

10Die nach Moab buhlten, sie heirateten moabitische Frauen. Und kehrten nach [Beth] Leḥem zurück, das ist die Moabiterin Ruth, die zurückkehrte und sich in Beth Leḥem in Jehuda anschloß. Und diese Dinge sind alt; diese Dinge bestimmte der Altbetagte.

11Sie waren Töpfer und wohnten unter Pflanzen und Zäunen; bei dem Könige, in seinem Dienste, wohnten sie da. Sie waren Töpfer [joçrim], das sind die Kinder des Jonadabh, des Sohnes Rekhabhs, die den Schwur ihres Vaters gehalten [naçru] haben.

12Pflanzen, das ist Šelomo, der in seiner Regierung einer Pflanze glich. Und Zäunen, das ist das Synedrium, das die Risse Jisraéls verzäunt hat. Bei dem Könige, in seinem Dienste, wohnten sie da, das ist die Moabiterin Ruth, die die Regierung Šelomos, des Enkels ihres Enkels, erlebte, denn es heißt :und er reichte einen Sessel für die Mutter des Königs, und R. Elea͑zar erklärte: für die Mutter der Dynastie.

13Die Rabbanan lehrten:Ihr sollt vom alten Ertrage essen, ohne Salmanton. – Was beißt: ohne Salmanton. R. Naḥman erklärte: Ohne Fäulnis. R. Šešeth erklärte: Ohne Korndürre.

14Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Šešeth und es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Naḥman. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Naḥman: Ihr sollt vom alten essen; man könnte glauben, ganz Jisraél werde auf das neue [Getreide] warten, weil das alte vernichtet sein wird, so heißt es: bis der Ertrag kommt, bis der Ertrag von selber gekommen sein wird.

15Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Šešeth: Ihr sollt vom alten Ertrage essen; man könnte glauben, ganz Jisraél werde auf das neue [Getreide] warten, weil das alte schlecht sein wird, so heißt es: bis der Ertrag kommt, bis der Ertrag von selber gekommen sein wird.

16Die Rabbanan lehrten:Ihr werdet vom alten, ganz alten essen; dies lehrt, daß [die Ernte], je älter sie ist, desto besser ist. Ich weiß dies nur von Dingen, die man ablagern zu lassen pflegt, woher dies von Dingen, die man nicht ablagern zu lassen pflegt? Es heißt: alten, ganz alten, in jedem Falle.

17Das alte werdet ihr wegen des neuen forträumen; dies lehrt, daß die Jisraéliten die Speicher voll mit altem und die Tennen voll mit neuem [Getreide] hatten und sagten: wie sollen wir das eine wegen des anderen forträumen. R. Papa sagte: Alles ist alt besser, ausgenommen Datteln, Met und Fischspeise.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.