Bava Batra — Blatt 93a
1wohl aus dem Grunde, weil die meisten es sind!? –
2Nein, weil alle es sind. –
3Komm und höre: Wenn ein Ochs eine Kuh niedergestoßen hat und ihre Geburt sich an ihrer Seite [tot] befindet, und man nicht weiß, ob sie vor dem Stoßen oder nach dem Stoßen geworfen hat, so ist für die Kuh die Hälfte des Schadens und für die Geburt ein Viertel des Schadens zu zahlen.
4Weshalb denn, man sollte sich doch nach der Mehrheit richten, und die meisten Kühe werfen, wenn sie trächtig geworden sind, somit hat diese entschieden infolge des Stoßens abortiert!? –
5Da wird folgender Zweifel berücksichtigt: es ist möglich, daß er von vorn herangekommen ist und sie aus Schreck abortiert hat, und es ist möglich, daß er von hinten herangekommen ist und sie niedergestoßen hat; dies ist also ein Betrag, über den ein Zweifel besteht, und das Geld, worüber ein Zweifel besteht, ist zu teilen.
6Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten: Wenn ein Ochs weidet und ein anderer Ochs an seiner Seite erschlagen gefunden wird, so ist es, obgleich der eine niedergestoßen daliegt und der andere als stößig berüchtigt ist, der eine gebissen daliegt und der andere als bissig: berüchtigt ist, nicht ausgemacht, daß dieser ihn gestoßen, oder dieser ihn gebissen hat. R. Aḥa sagte : Wenn unter den Kamelen ein ausschlagendes Kamel und neben ihm ein erschlagenes Kamel gefunden wird, so gilt es als erwiesen, daß jenes es erschlagen hat.
7Sie glaubten, die Regel von der Mehrheit und die von der Präsumtion gleichen einander, demnach wäre Rabh der Ansicht R. Aḥas und Šemuél der Ansicht des ersten Autors. –
8Rabh kann dir erwidern : meine Ansicht gilt auch nach dem ersten Autor, denn der erste Autor ist nur da dieser Ansicht, daß wir uns nicht auf die Präsumtion stützen, wohl aber stütze man sich auf die Mehrheit.
9Und Šemuél kann dir erwidern: meine Ansicht gilt auch nach R. Aḥa, denn R. Aḥa ist nur da der Ansicht, daß man sich auf die Präsumtion stütze, weil sich die Präsumtion auf dieses selbst bezieht, auf die Mehrheit aber stütze man sich nicht. –
10Komm und höre: Wenn jemand seinem Nächsten Früchte verkauft hat und sie nicht wachsen, selbst Leinsamen, so ist er nicht haftbar.
11Das ‘selbst’ bedeutet ja wahrscheinlich: selbst Leinsamen, den die Mehrheit zur Aussaat verwendet, dennoch richte man sich nicht nach der Mehrheit!? –
12Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Wenn jemand seinem Nächsten Früchte verkauft hat und sie nicht wachsen, so ist er, wenn Gartengesäme, die nicht gegessen werden, haftbar, wenn aber Leinsamen, nicht haftbar. R. Jose sagt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.