Bava Kamma — Blatt 2b
1und der Leichenunreine; bei diesen gleichen die abstammenden nicht ihnen selbst, denn eine Urunreinheit macht auch Menschen und Geräte unrein, während die abstammenden nur Speisen und Getränke unrein machen, nicht aber Menschen und Geräte. Wie ist es nun hierbei?
2R. Papa erwiderte: Bei manchen gleichen sie ihnen und bei manchen gleichen sie ihnen nicht.
3Die Rabbanan lehrten: Beim Ochsen gibt es drei Hauptarten von Schädigungen: durch das Horn, durch den Zahn und durch den Fuß. —
4Woher dies vom Horn? Die Rabbanan lehrten:Wenn stoßen wird, unter ‘stoßen’ ist nur das Stoßen mit dem Horn zu verstehen, denn es heißt: da machte sich Çidqijah, der Sohn Kena͑nas, eiserne Hörner und sprach: So spricht der Herr: Mit diesen wirst da Aram niederstoßen &c. Ferner heißt es: Hoheit umgibt seinen erstgeborenen Stier, wie eines Wildochsen sind seine Hörner, mit ihnen stößt er Völker nieder. —
5Wozu ist das ‘ferner’ nötig? — Man könnte einwenden, Worte der Tora seien nicht durch Worte der Propheten auszulegen, so heißt es: Hoheit umgibt seinen erstgeborenen Stier. —
6Ist dies denn eine Auslegung, dies ist ja nur Andeutung, daß unter ‘stoßen’ das Stoßen mit dem Horn zu verstehen sei!? —
7Vielmehr, man könnte glauben, der Allbarmherzige habe zwischen nicht verwarnt und verwarnt unterschieden beim losen, beim angewachsenen aber gelte er stets als verwarnt,
8so heißt es: Hoheit umgibt seinen erstgeborenen Stier.
9Welches ist die Unterart der Hornschädigung? — Anrennen, Beißen, Sichniederlegen und Ausschlagen. —
10Das Stoßen heißt wohl deshalb Hauptart, weil es in der Schrift heißt: wenn stoßen wird, auch vom Anrennen heißt es ja: wenn anrennen wird!? — Hier ist unter ‘anrennen’ das Niederstoßen zu verstehen. Es wird nämlich gelehrt: Er beginnt mit stoßen und schließt mit anrennen, um dir zu sagen, anrennen und stoßen seien dasselbe. —
11Weshalb wird beim Menschen [der Ausdruck] stoßen und beim Tiere [der Ausdruck] anrennen gebraucht? —
12Ein Mensch hat einen Schutzgeist, daher heißt es bei ihm stoßen, ein Vieh hat keinen Schutzgeist, daher heißt es bei ihm anrennen.
13Nebenbei lehrt er uns folgendes: ist er verwarnt hinsichtlich eines Menschen, so gilt er als verwarnt auch hinsichtlich eines Tieres, und ist er verwarnt hinsichtlich eines Tieres, so gilt er nicht als verwarnt hinsichtlich eines Menschen. —
14Das Beißen ist ja eine Unterart der Zahnschädigung!? — Nein, bei der Zahnschädigung hat [das Tier] durch die Schädigung einen Genuß, dabei aber hat es durch die Schädigung keinen Genuß. —
15Das Sichniederlegen und das Ausschlagen sind ja Unterarten der Fußschädigung!? — Nein, die Fußschädigung ist eine Fahrlässigkeit; diese aber sind keine Fahrlässigkeiten. —
16Worauf beziehen sich demnach die Worte R. Papas, daß nämlich bei manchen die Unterarten nicht den Hauptarten gleichen: wenn etwa auf diese, so sind sie ja nicht verschieden;
17bei der Hornschädigung liegt eine Absicht der Schädigung vor, [das Tier] ist dein Eigentum, und die Bewachung liegt dir ob, ebenso liegt auch bei diesen eine Absicht der Schädigung vor, [das Tier] ist dein Eigentum und die Bewachung liegt dir ob!? —
18Vielmehr, die Unterarten der Hornschädigung gleichen der Hornschädigung, und die Worte R. Papas beziehen sich auf [die Unterart von] Zahn- und Fußschädigung.
19Wo befinden sich Zahn- und Fußschädigung in der Schrift? — Es wird gelehrt:Und schickt, das ist die Fußschädigung, denn so heißt es:die den Fuß der Ochsen und der Esel schicken;und abweiden läßt,
20das ist die Zahnschädigung, denn es heißt:wie der Zahn
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.