Bava Mezia — Blatt 105a
1bei zwei Beteiligungsgeschäften und einem Scheine erleidet der Schuldner den Schaden.
2Ferner sagte Raba: Wenn jemand mit seinem Nächsten eine Handelsbeteiligung abgeschlossen und Schaden erlitten hat, den er, ohne es jenem mitgeteilt zu haben, ersetzt, so kann er von ihm nicht verlangen, mit ihm zusammen den Schaden zu tragen, denn jener kann ihm erwidern: du hast dich deshalb bemüht den Schaden zu ersetzen, damit man dich nicht einen Verlustkaufmann nenne.
3Ferner sagte Raba: Wenn zwei zusammen ein Handelsgeschäft unternommenund Gewinn erzielthaben, und der eine zum anderen sagt: wir wollen nun teilen, so kann der andere, wenn er sagt: wir wollen einen weiteren Gewinn erzielen, dies hindern. Sagt er: zahle mir meine Hälfte des Gewinnes heraus, so kann der andere ihm erwidern: der Gewinn ist dem Kapital verpfändet.
4Sagt er: gib mir meine Hälfte des Kapitals und meine Hälfte des Gewinnes, so kann er ihm erwidern: bei einem Beteiligungsgeschäfte ist einer dem anderen verpfändet. Und sagt er: wir wollen den Gewinn und das Kapital teilen, und wenn du Schaden erleiden solltest, so trage ich ihn mit dir, so kann er ihm erwidern: Nein, zwei haben mehr Glück.
5WENN JEMAND VON SEINEM NÄCHSTEN EIN FELD [IN PACHT] ÜBERNOMMEN HAT UND ES NICHT AUSJÄTEN WILL, INDEM ER ZUM [EIGENTÜMER] SPRICHT: WAS GEHT DIES DICH AN, ICH ZAHLE DIR JA DEINE PACHT, SO HÖRE MAN NICHT AUF IHN, WEIL DIESER IHM ERWIDERN KANN: MORGEN TRITTST DU AUS UND ES BRINGT MIR UNKRAUT HERVOR.
6GEMARA. Sagt er zu ihm: ich werde es nachher nachpflügen, so kann er ihm erwidern: ich will guten Weizenhaben. Sagt er zu ihm: ich will für dich Weizen auf dem Markte kaufen, so kann er ihm erwidern: ich will Weizen von meinem Grundstücke. Und sagt er zu ihm: ich will deinen Teil ausjäten, so kann er ihm erwidern: du bringst mein Grundstück in schlechten Ruf. —
7Wir haben ja aber gelernt: weil es mir Unkraut hervorbringt!? — Vielmehr, weil er ihm erwidern kann: die Saatkörner, die [in die Erde] gefallen sind, bleiben darin.
8WENN JEMAND VON SEINEM NÄCHSTEN EIN FELD [IN PACHT] ÜBERNOMMEN HAT UND ES KEINEN ERTRAG BRINGT, SO MUSS ER, WENN ES SOVIEL BRINGT, DASS MAN DARAUS EINEN HAUFEN MACHEN KANN, SICH DAMIT BEFASSEN. R. JEHUDA SPRACH: WELCHER MASSTAB IST EIN HAUFE!? VIELMEHR, WENN ES SOVIEL BRINGT, WIEVIEL DIE AUSSAAT BETRÄGT.
9GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand von seinem Nächsten ein Feld [in Pacht] übernommen hat und es keinen Ertrag bringt, so muß er, wenn es soviel bringt, daß man daraus einen Haufen machen kann, sich damit befassen, denn er schrieb ihm folgendes: ich will einstehen, pflügen, säen, ernten, Garben binden, dreschen, worfeln und vor dir einen Haufenerrichten; sodann kommst du und erhältst die Hälfte, und ich für meine Mühe und meine Auslagen die Hälfte. —
10Wieviel heißt: einen Haufen zu machen? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: Daß die Worfelschaufel in diesem stehen kann. Sie fragten: Wie ist es, wenn die Worfelschaufel an beiden Seitenvorsteht? —
11Komm und höre: R. Abahu sagte, ihm sei es von R. Jose b. R. Ḥanina erklärt worden: wenn das Blatt die Sonne nicht sieht. Es wurde gelehrt: Levi sagte: drei Seá; in der Schule R. Jannajs sagten sie: zwei Seá. Reš Laqiš sagte: Die zwei Seá, von denen sie sprechen, sind außer den Auslagenzu verstehen.
12Dort haben wir gelernt: Die entarteten Oliven und Weintrauben sind nach der Schule Šammajs verunreinigungsfähigund nach der Schule Hillels nicht verunreinigungsfähig. —
13Was heißt: entartete Oliven? R. Hona erwiderte: Die schlechten Oliven. R. Joseph sprach: Welcher Schriftvers deutetdarauf?Die Schlechtendeines Volkes werden sich erheben, die Weissagung zu erfüllen. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Hieraus:er erzeugt einen schlechtenSohn, der Blut vergießt —
14Bei welcher [Qualität] heißen sie schlechte Oliven? R. Elea͑zar erwiderte: Bei vier Kab aus einem Preßbalken. In der Schule R. Jannajs erklärten sie: Bei zwei Seáaus einem Preßbalken.
15Sie streiten aber nicht; eines gilt von Orten, wo ein Kor in den Preßsack kommt, und eines gilt von Orten, wo drei Kor in den Preßsack kommen.
16Die Rabbanan lehrten:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.