Bava Mezia — Blatt 106a
1Wie ist es, wenn [die angrenzenden] mit einer anderen Getreideart bebautsind? Gilt Weizen gegenüber Gerste als andere Getreideart oder nicht? Wie ist es, wenn das der ganzen Welt durch Kornbrand und seines durch Rost oder das der ganzen Welt durch Rost und seines durch Kornbrand verheert wurde? — Dies bleibt unentschieden.
2Wie ist es, wenn er zu ihmgesagt hat, daß er es mit Weizen bebaue, und er es mit Gerste bebaut hat, und der größte Teil der Ebene samt seiner Gerste verheert wurde: sagen wir, dieser könne zu ihm sagen: wenn ich es mit Weizen bebaut hätte, würde es ebenfalls verheert worden sein, oder aber kann jener ihm erwidern: wenn du es mit Weizen bebaut hättest, so würde an mir in Erfüllung gegangen sein:wenn du aussprichst, so wird es vollbracht. —
3Es ist einleuchtend, daß jener ihm erwidern kann: wenn du es mit Weizen bebaut hättest, würde an mir in Erfüllung gegangen sein: wenn du aussprichst, so wird es vollbracht, und über deinen Wegen strahlt Licht —
4Wie ist es, wenn alle Felder des Verpächtersverheert worden sind und dieses ebenfalls, nicht aber der größere Teil der Ebene: sagen wir, daß jener ihm nichts abziehen könne, da der größere Teil der Ebene nicht verheert worden ist, oder aber kann jener, da all seine Grundstücke verheert worden sind, zu ihm sagen: dies ist wegen deines Geschickes erfolgt, denn all deine Felder sind verheert worden? —
5Es ist einleuchtend, daß dieser ihm erwidern kann: wenn dies durch mein Geschick erfolgt wäre, so würde mir etwas übrig geblieben sein, wie es heißt:wir sind nur wenige von vielen übrig geblieben. —
6Wie ist es, wenn sämtliche Felder des Pächters und der größere Teil der Ebene und auch dieses Feld verheert worden sind: sagen wir, er könne ihm abziehen, da der größere Teil der Ebene verheert worden ist, oder aber kann jener, da all seine Felder verheert worden sind, zu ihm sagen: dies ist durch dein Geschick erfolgt, denn all deine Felder sind verheert worden? — Es ist einleuchtend, daß jener zu ihm sagen kann: dies ist durch dein Geschick erfolgt. —
7Weshalb denn, sollte doch auch dieser ihm erwidern können: wenn dies durch mein Geschick erfolgt wäre, so würde mir etwas, übrig geblieben sein, wie es heißt: wir sind nur wenige von vielen übrig geblieben!? — Jener kann ihm entgegnen: wärest du würdig, daß dir etwas zurückbleibe, so würde dir etwas von deinen eigenen zurückgeblieben sein.
8Man wandte ein: War es ein Jahr des Kornbrandes, des Rostes oder ein Siebentjahr, oder ein Jahr gleich den Jahren zur Zeit Elijahus, so zählt esnicht mit.
9Er lehrt also vom Kornbrande und vom Roste gleichlautend wie von den Jahren Elijahus; wie nun in den Jahren Elijahus Getreide überhaupt nicht vorhanden war, ebenso gilt dies auch von den anderen, wenn gar kein Getreide vorhanden ist; wenn aber etwas Getreide vorhanden ist, so zählt es mit, und wir sagen nicht, dies sei eine Landplage!?
10R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Da ist es anders; die Schrift sagt:mit Rücksicht auf die Anzahl der Erntejahre soll er dir verkaufen, Jahre, in denen eine Erntein der Welt vorhanden ist.
11R. Aši sprach zu R. Kahana: Demnach sollte doch das Siebentjahr mitzählen, denn im Auslandeist ja eine Ernte vorhanden!? Dieser erwiderte: Im Siebentjahre ist dies eine Enteignungdurch den König.
12Mar Zuṭra, Sohn des R. Mari, sprach zu Rabina: Demnach sollte doch das Siebentjahr beim Abzüge nicht mitzählen, und [dem widersprechend] haben wir gelernt, daß er einen Sela͑ und einen Pondjon für das Jahrzahle!? Dieser erwiderte: Hierbei ist es anders; [das Feld] ist dann benutzbar, auf diesem Früchte zu trocknen.
13ŠemuÉl sagte: Diesgilt nur von dem Falle, wenn er [das Feld] besäet hat, [das Getreide] gewachsen ist und Heuschrecken es abgefressen haben, nicht aber, wenn er es überhaupt nicht besäet hat, denn jener kann zu ihm sagen: wenn du es besäet hättest, würde an mir in Erfüllung gegangen sein:sie werden in böser Zeit nicht zu Schanden werden und in Tagen der Hungersnot satt sein.
14R. Šešeth wandte ein: Wenn ein Hirt, der seine Herde weidete, diese verlassen hat und in die Stadt gegangen ist, und ein Wolf gekommen ist und [ein Vieh] zerrissen hat, ein Löwe gekommen ist und [ein Vieh] erdrosselt hat, so sage man nicht, wenn er da wäre, würde er es gerettet haben, vielmehr schätze man ihn: könnte er es retten, so ist er ersatzpflichtig, wenn aber nicht, so ist er ersatzfrei. Weshalb denn, jener kann ja sagen: wenn du da wärest, so würde an mir in Erfüllung gegangen sein:auch den Löwen, auch den Bären erschlug dein Knecht!? —
15Dieser kann ihm erwidern: wärest du würdig, daß dir ein Wunder geschehe, so würde dir ein Wunder geschehen sein, gleich dem des R. Ḥanina b. Dosa, dessen Ziegen Bären an den Hörnern brachten. — Jener kann ihm ja aber entgegnen: zugegeben, daß ich eines großen Wunders nicht würdig wäre, aber eines kleineren Wunders wäre ich würdig!? —
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.