Bava Mezia — Blatt 45a

1man dürfe nicht einen Denar gegen einen Denarborgen.

2Was für einen Denar, wollte man sagen, einen Silberdenar gegen einen Silberdenar, so gibt es ja niemand, der sagt, daß er sich selber gegenüber nicht Zahlungsmittel sei; doch wohl einen Golddenar gegen einen Golddenar. Nach wessen Ansicht, wenn nach der Schule Hillels, so sagt diese ja, es sei Zahlungsmittel; doch wohl nach der Schule Šammajs; somit ist hieraus zu entnehmen, daß R. Joḥanan es ist, welcher sagt, man dürfe nicht ausweihen. –

3Nein, tatsächlich, kann ich dir erwidern, ist es R. Joḥanan, welcher sagt, man dürfe wohl ausweihen, und anders verhält es sich bei einem Darlehen; da die Rabbanan esbei Kauf und Verkauf als Produkt betrachtet haben, denn wir sagen, es sei es, das steigt und fällt, so gilt es auch bei einem Darlehen als Frucht.

4Diesist auch einleuchtend, denn als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: obgleich sie gesagt haben, man dürfe nicht einen Denar gegen einen Denar borgen, so ist es dennoch erlaubt, durch ihn den zweiten Zehnten auszuweihen. Schließe hieraus. –

5Komm und höre: Wer Scheidemünze vom zweiten Zehnten auf einen Sela͑ einwechseln will, wechsle, wie die Schule Šammajs sagt, für den ganzen Sela͑ Scheidemünze ein; die Schule Hillels sagt, für einen Šeqel [nehme er] Silber, und für einen Šeqel [behalte er] Scheidemünze. Wenn man nun [den zweiten Zehnten] nach der Schule Šammajs durch Scheidemünze ausweihendarf, um wieviel mehr durch Gold!? – Anders verhält es sich bei der Scheidemünze, da sie in Orten, wo sie im Verkehr ist, gangbarer ist.

6Eine andere Lesart: R. Joḥanan und Reš Laqiš [streiten]. Einer sagt, sie streiten nur über [den Umtausch] von Selai͑m auf Denare; die Schule Šammajs erklärt:das Geld, das erste Geld, nicht aber das zweiteGeld,

7und die Schule Hillels erklärt: das Geld, dies ist einschließend, auch das zweite Geld; die Früchte selber aber darf man nach aller Ansicht durch Denare ausweihen, denn diese sind dann erstes Geld.

8Und einer sagt, sie streiten auch über [den Umtausch] von Früchten auf Denare. –

9Weshalb streiten sie, nach demjenigen, welcher sagt, sie streiten [nur] über [den Umtausch] von Selai͑m auf Denare, über [den Umtausch] von Selai͑m auf Denare sollten sie doch streiten über [den Umtausch] von Selai͑m auf Selai͑m!? –

10Wenn sie über [den Umtausch] von Selai͑m auf Selai͑m streiten würden, könnte man glauben, dies gelte nur [vom Umtausch] von Selai͑m auf Selai͑m, hinsichtlich [des Umtausches] von Selai͑m auf Denare aber pflichte die Schule Hillels der Schule Šammajs bei, daß man nicht aus weihen dürfe, weil Gold gegenüber Silber Produkt ist, so lehrt er uns. –

11Komm und höre: Wer in Jerušalem einen Sela͑ vom zweiten Zehnten wechseln will, nehme, wie die Schule Šammajs sagt, für den ganzen Sela͑ Scheidemünze; die Schule Hillels sagt, auch für einen Šeqel Silber und für einen Šeqel Scheidemünze. Wenn man nun Silber durch Scheidemünze ausweihen darf und wir nicht sagen: nur erstes Geld, nicht aber zweites Geld, wieso sollten wir nun vom Golde, das wertvoller als dieses ist, sagen: nur erstes Geld und nicht zweites Geld!?

12Raba erwiderte: Hinsichtlich [des Umtausches] in Jerušalem ist nichts einzuwenden, denn die Schrift sagt:kaufe für das Geld, was du irgend begehrst, Rinder und Schafe. –

13Komm und höre: Wer Scheidemünze vom zweiten Zehnten auf einen Sela͑ einwechseln will, wechsle, wie die Schule Šammajs sagt, für den ganzen Sela͑ Scheidemünze ein; die Schule Hillels sagt, für einen Šeqel [nehme er] Silber und für einen Šeqel [behalte er] Scheidemünze!? –

14Vielmehr, alle erklären: das Geld, dies sei einschließend, also auch zweites Geld, wenn aber [der Streit zwischen] R. Joḥanan und Reš Laqiš gelehrtworden ist, so wird er wie folgt lauten. Einer sagt, sie streiten nur über [den Umtausch] von Selai͑m auf Denare, die Schule Šammajs ist der Ansicht, man berücksichtige,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.