Bava Mezia — Blatt 44b

1das gangbarer ist, sei Zahlungsmittel und das Gold, das weniger gangbar ist, sei Produkt, und durch das Produkt wird das Zahlungsmittel geeignet.

2R. Aši sagte: Die in seiner Jugend vertretene Ansicht ist einleuchtender. Er lehrt nämlich: durch das Kupfer wird das Silber geeignet.

3Allerdings ist es zu lehren nötig, daß durch das Kupfer das Silber geeignet werde, wenn du sagst, das Silber sei dem Golde gegenüber Produkt, denn obgleich es dem Golde gegenüber Produkt ist, ist es dem Kupfer gegenüber dennoch Zahlungsmittel; wenn du aber sagst, das Silber sei dem Golde gegenüber Zahlungsmittel, so ist es ja, wenn es sogar dem Golde gegenüber, das wertvoller als dieses ist, Zahlungsmittel ist, selbstverständlich dem Kupfer gegenüber, als das es wertvoller und gangbarerist!? –

4Dies ist nötig; man könnte glauben, die Scheidemünze sei Zahlungsmittel, da sie in Orten, wo sie im Verkehr ist, gangbarer als Silber ist, so lehrt er uns, daß sie Produkt ist, weil es Orte gibt, wo sie nicht gangbar ist.

5Und auch R. Ḥija ist der Ansicht, Gold sei Zahlungsmittel. Rabh lieh nämlich einst [Gold]denare von der Tochter R. Ḥijas, und später stiegen die Denare im Preise. Als er daraufzu R. Ḥija kam, sprach er zu ihm: Geh, bezahle ihr gute und vollwichtige. Einleuchtend ist dies nun, wenn du sagst, Gold sei Zahlungsmittel; wenn du aber sagst, es sei Produkt, so heißt dies ja Seá gegen Seá borgen, und dies ist verboten. –

6Rabh besaß damalsDenare, und da er Denare in seinem Besitze hatte, so war es ebenso, als würde jemand zu seinem Nächsten sagen: borge mir bis mein Sohn kommt, oder: ich den Schlüssel finde.

7Raba sagte: Folgender Autor ist der Ansicht, Gold sei Zahlungsmittel; denn es wird gelehrt: Die Peruṭa, von der sie sprechen, ist der achte Teil eines italischen Assars; dies ist von Bedeutung bei der Antrauungeiner Frau, Ein Assar ist der vierundzwanzigste Teil eines Silberdenars; dies ist von Bedeutung bei Kauf und Verkauf.

8Ein Silberdenar ist der fünfundzwanzigste Teil eines Golddenars; dies ist von Bedeutung bei der Auslösungeines Sohnes. Einleuchtend ist dies nun, wenn du sagst, es sei Zahlungsmittel, denn demnach legt er bei seiner Berechnung eine Sache zugrunde, die feststehenden Wert hat,

9wenn du aber sagst, es sei Produkt, so legt er bei seiner Berechnung eine Sache zugrunde, die steigen und fallen kann; zuweilen müßte der Priester ihm herauszahlen und zuweilen müßte er dem Priester zuzahlen. Vielmehr ist hieraus zu schließen, daß es Zahlungsmittel sei. Schließe hieraus.

10Dort haben wir gelernt: Die Schule Šammajs sagt, man tauscheseine Selai͑m nicht auf Golddenare um; die Schule Hillels erlaubt dies. R. Joḥanan und Reš Laqiš [streiten hierüber]. Einer sagt, sie streiten nur über [den Umtausch] von Selai͑m auf Denare: die Schule Šammajs ist der Ansicht, Silber sei Zahlungsmittel und Gold sei Produkt, und man darf nicht Zahlungsmittel durch Produkte ausweihen; die Schule Hillels aber ist der Ansicht, Silber sei Produkt und Gold sei Zahlungsmittel, und man darf Produkte durch Zahlungsmittel ausweihen. Die Früchte aberdarf man nach aller Ansicht durch Denare ausweihen,

11weil es sich bei diesen ebenso wie bei Silber nach der Schule Hillels verhält. Silber gegenüber Gold ist ja nach der Schule Hillels Produkt, dennoch gilt es Früchten gegenüber als Zahlungsmittel, ebenso gilt auch Gold nach der Schule Šammajs, obgleich das Gold dem Silber gegenüber Produkt ist, dennoch Früchten gegenüber als Zahlungsmittel. Und einer sagt, sie streiten auch über [den Umtausch] der Früchte auf Denare. –

12Weshalb streiten sie, nach demjenigen, welcher sagt, sie streiten auch über [den Umtausch] der Früchte auf Denare, über [den Umtausch] von Selai͑m auf Denare, sollten sie doch über [den Umtausch] der Früchte auf Denare streiten!? – Wenn sie über [den Umtausch] der Früchte auf Denare streiten würden, so könnte man glauben, dies gelte nur [vom Umtausch] der Früchte auf Denare, hinsichtlich [des Umtausches] von Selai͑m auf Denare aber pflichte die Schule Hillels der Schule Šammajs bei, daß Gold gegenüber Silber Produkt sei, und man dürfe nicht umtauschen, so lehrt er uns.

13Es ist zu beweisen, daß R. Joḥanan es ist, welcher sagt, man dürfe nicht ausweihen. R. Joḥanan sagte,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.