Bechorot — Blatt 3b
1Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: selbst der geringste Leibesfehler. Wir haben gelernt: Wenn ein Schaf eine Art Ziege oder eine Ziege eine Art Schaf geworfen hat, so ist es erstgeburtsfrei ; hat es irgendwelche Kennzeichen, so ist es pflichtig. Immerhin ist es ein bleibender Leibesfehler, um daraufhin geschlachtet zu werden. –
2Erklärlich ist dies vom geringen Leibesfehler, denn er lehrt uns wie R. Hona, um die Ansicht R. Ḥisdas und Rabas auszuschließen,
3was aber lehrt er uns da vom bleibenden Leibesfehler: wenn es anders ist, ist dies ja ein bleibender Leibesfehler, denn wir haben gelernt, wenn sein Maul dem eines Schweines gleicht, sei dies ein Leibesfehler!?
4Wolltest du erwidern, da sei es eine Änderung in eine Art, wie sie hinsichtlich der Erstgeburt nicht heilig ist, hier aber sei es eine Änderung in eine Art, wie sie hinsichtlich der Erstgeburt heilig ist, so haben wir ja auch dies gelernt: ist ein Auge groß und eines klein,
5und es wird gelehrt: groß, so groß wie das eines Kalbes, klein, so klein wie das einer Gans. Allerdings ist, wenn es so klein ist wie das einer Gans, die Art nicht heilig hinsichtlich der Erstgeburt, wenn es aber so groß ist wie das eines Kalbes, ist ja die Art hinsichtlich der Erstgeburt heilig. Doch wohl deshalb, weil wir sagen, die Änderung sei ein Gebrechen. –
6Nein, weil es ungleichmäßigist. – Dies ist auch einleuchtend, denn wir haben gelernt: Diese Leibesfehler, ob bleibend oder vorübergehend, machen untauglich. Noch mehr bei einem Menschen: wenn beide Augen groß oder beide Augen klein sind.
7Dies gilt nur von Menschen, denn es heißt: jeder Mensch vom Samen Ahrons, es muß ein Mensch sein, der dem Samen Ahrons gleicht, bei einem Vieh aber ist, wenn beide groß oder beide klein sind, dies kein Leibesfehler.
8Weshalb, wenn eines groß und eines klein: wenn wegen der Anomalie, so sollte dies auch von dem Falle gelten, wenn beide groß oder beide klein; doch wohl deshalb, weil es ungleichmäßig ist. –
9Nein, tatsächlich, kann ich dir erwidern, wegen der Anomalie, denn die Anomalie gilt als Leibesfehler; wenn du aber einwendest, dies sollte auch dann gelten, wenn beide groß oder beide klein, so sind sie entweder aus übermäßiger Kraft stark entwickelt oder aus übermäßiger Schwäche stark zurückgeblieben.
10Einst kam eine Proselytin, der ihre Brüder Vieh zur Mast übergaben, vor Raba, und er sprach zu ihr: Niemand achtet auf das, was R. Jehuda gesagt hat, daß man nämlich bei Beteiligung eines Nichtjuden erstgeburtspflichtig sei.
11R. Mari, der Sohn Raḥels, hatte Vieh und übereignete die Ohren einem Nichtjuden, dennoch verbot er es zur Schur und Arbeit und gab es den Priestern. Und das Vieh R. Maris, des Sohnes Raḥels, ging zugrunde. –
12Wozu brauchte er, wenn er sie zur Schur und Arbeit verbot und sie Priestern gab, die Ohren einem Nichtjuden zu übereignen!? – Man könnte vielleicht zu einem Verstoße kommen. – Weshalb ging demnach das Vieh R. Maris zugrunde? – Weil er es ihrer Heiligkeit entzogen hatte. –
13R. Jehuda sagte ja aber, man dürfe dem Erstgeborenen, bevor es in den Weltraum gekommen ist, einen Leibesfehler beibringen!? – Da entzieht man es nur der Heiligkeit für den Altar, nicht aber der Heiligkeit für den Priester, hierbei entzieht man es auch der Heiligkeit für den Priester.
14Wenn du aber willst, sage ich, R. Mari, der Sohn Raḥels, achtete darauf, es vollständigzu übereignen; wer dies aber sieht, tut dies ebenfalls, denn er denkt, auch R. Mari, der Sohn Raḥels, tue dies, somit könnte man dadurch zu einem Verstoße kommen.
15PRIESTER UND LEVITEN SIND DAVON FREI, WAS [DURCH EINEN SCHLUSS] VOM SCHWEREREN AUF DAS LEICHTERE ZU FOLGERN IST: WENN SIE IN DER WÜSTE DIE DER JISRAÉLITEN BEFREITHABEN, UM WIEVIEL MEHR BEFREIEN SIE IHRE EIGENEN.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.