Bechorot — Blatt 43a

1Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich der Untauglichmachung,

2falls Brüder vorhandensind, und hinsichtlich der Ḥaliça, falls keine Brüder vorhanden sind.

3DIESE LEIBESFEHLER, OB BLEIBEND ODER VORÜBERGEHEND, MACHEN AUCH MENSCHEN UNTAUGLICH, UND [BEIM MENSCHENN] AUSSER DIESEN NOCH DER KEGELKÖPFIGE, DER RÜBENKÖPFIGE, DER HAMMERKÖPFIGE, DER SCHRÄGKÖPFIGE UND DER PLATTKÖPFIGE.

4DER BUCKLIGE IST NACH R. JEHUDA TAUGLICH UND NACH DEN WEISEN UNTAUGLICH. DER KAHLKÖPFIGE IST UNTAUGLICH. WER HEISST KAHLKÖPFIG? DER KEINE VON OHR ZU OHR REICHENDE REIHE HAARE HAT; HAT ER EINE, SO IST ER TAUGLICH.

5GEMARA. Wieso denn, da ist ja die Blatter, von der die Tora heim Menschen nichts geschrieben hat; da sind ja Häutchen [am Auge] und Trübung, von denen beim Vieh nichts geschrieben ist!? –

6Man folgere sie von einander. Es wird nämlich gelehrt: Beim Menschen wird die Blatter nicht genannt und beim Vieh werden Häutchen und Trübung nicht genannt; woher, daß das bei diesem Genannte auch von jenem gilt, und das bei jenem Genannte auch von diesem gilt? Es heißt bei beidenGrind und Flechte, als Wortanalogie.

7Und es ist entbehrlich, denn wäre es nicht entbehrlich, so könnte man erwidern, hinsichtlich eines Menschen sei nicht vom Vieh zu folgern, denn es selbst wird auf dem Altar dargebracht, und hinsichtlich eines Viehs sei nicht vom Menschen zu folgern, denn er ist inbetreff der Gebote bedeutender.

8Aber es ist entbehrlich; der Allbarmherzige sollte ja nur Flechte und nicht Grind geschrieben, und man würde gefolgert haben: wenn die Flechte, die nicht widerwärtig ist, ein Leibesfehler ist, um wieviel mehr der Grind, der widerwärtig ist. Wenn nun der Allbarmherzige bei beiden Grind geschrieben hat, so ist es entbehrlich. –

9Sollte doch der Allbarmherzige alle [Leibesfehler] nur bei einem, Grind und Flechte aber bei beiden geschrieben haben, und man würde es von einander gefolgert haben!? –

10Bei wem sollte der Allbarmherzige es geschrieben haben: würde er alle beim Menschen geschrieben haben, so könnte man glauben, was den Menschen untauglich macht, mache auch das Vieh untauglich, Rundhufer und Zahnschäden aber, die beim Menschen nicht [untauglich machen], machen auch beim Vieh nicht untauglich.

11Und würde der Allbarmherzige alle beim Vieh geschrieben haben, so könnte man glauben, was das Vieh untauglich macht, mache auch den Menschen untauglich, Höcker und Plattnase aber, die beim Vieh nicht [untauglich machen], machen auch beim Menschen nicht untauglich. –

12Sollte doch der Allbarmherzige alle bei einem, und was beim Vieh nicht vorkommt, beim Menschen, und was beim Menschen nicht vorkommt, beim Vieh, und Grind und Flechte bei beiden geschrieben, und man würde es von einander gefolgert haben!? –

13Vielmehr, dies nach einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wenn ein Abschnitt gelehrt und wiederholt wird, so wird er nur wegen einer darin vorkommenden Neuerung wiederholt.

14Raba sagte: Wozu schrieb der Allbarmherzige von den Leibesfehlern beim Menschen, von den Leibesfehlern bei Opfertieren und von den Leibesfehlern beim Erstgeborenen?

15Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige von den Leibesfehlern nur beim Menschen geschrieben haben, so könnte man glauben, weil er bedeutender ist inbetreff der Gebote. Vom Erstgeborenen beim Vieh ist hinsichtlich des Menschen nicht zu folgern, denn es selbst wird auf dem Altar dargebracht.

16Vom Erstgeborenen ist hinsichtlich der Opfertiere nicht zu folgern, denn es ist vom Mutterschoße aus heilig.

17Von dem Opfertiere ist hinsichtlich des Menschen nicht zu folgern, denn es selbst wird auf dem Altar dargebracht. Und von den Opfertieren ist hinsichtlich des Erstgeborenen nicht zu folgern, denn seine Heiligkeit ist mannigfaltiger. –

18Wenn eines von einem nicht zu folgern ist, so folgere man doch eines von zweien!? – Von welchen sollte es gefolgert werden: wenn der Allbarmherzige es nicht vom Erstgeborenen geschrieben hätte und man es von jenen folgern wollte, so [könnte man erwidern:] wohl gilt dies von jenen, weil ihre Heiligkeit mannigfaltiger ist und sie auch bei Nichterstgeborenen Geltung haben.

19Wenn nicht bei den Opfertieren und man es von jenen folgern wollte, so [könnte man erwidern:] wohl gilt dies von jenen, die ganz von selbst heilig sind.

20Und wenn nicht beim Menschen und man es von jenen folgern wollte, so [könnte man erwidern:] wohl gilt dies von jenen, die selbst auf dem Altar dargebracht werden. Daher [ist es bei allen] nötig.

21UND BEIM MENSCHEN AUSSER DIESEN. Woher dies? R. Joḥanan erwiderte: Die Schrift sagt:jedermann vom Samen Ahrons, dem ein Leibesfehler anhaftet, der dem Samen Ahrons gleicht. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.