Bechorot — Blatt 44a

1auch wenn er nicht beiden Augen gleichzeitig schminken kann.

2BEIDE AUGEN NACH OBEN, BEIDE AUGEN NACH UNTEN. Was heißt beide Augen nach oben, beide Augen nach unten: wollte man sagen, beide Augen nach oben, die nach oben sehen, beide Augen nach unten, die nach unten sehen, ein Auge nach oben und ein Auge nach unten, wenn ein Auge nach unten und ein Auge nach oben sieht, so ist dies ja dasselbe wie der Fall, wenn er Zimmer und Söller gleichzeitig sieht!? –

3Vielmehr, beide Augen nach oben, wenn sie hoch sitzen, beide Augen nach unten, wenn sie tief sitzen, ein Auge nach oben und ein Auge nach unten, wenn ein Auge hoch sitzt und ein Auge tief sitzt; und auch dann, wenn sie richtig sitzen, er aber Zimmer und Söller gleichzeitig sieht. –

4Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:An seinem Auge, was auch an seinem Auge ist; hieraus folgernd sagten sie, wenn er seine beiden Augen nach unten hat, seine beiden Augen nach oben, ein Auge nach oben und ein Auge nach unten, oder er Zimmer und Söller gleichzeitig sieht, oder er mit einem spricht und der andre glaubt, er sehe ihn an.

5Die Rabbanan lehrten:Blinder, einerlei ob blind auf beiden Augen oder blind auf einem Auge. Woher dies vom weißen Flecke und vom bleibenden Wasser [im Auge]? Es heißt: ein blinder Mann.

6Raba sagte: Wozu schrieb der Allbarmherzige: ein blinder Mann,oder ein Häutchen oder eine Trübung am Auge? Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige nur blinder geschrieben haben, so könnte man glauben, nur wer gar keine [Augen] hat, nicht aber gelte dies vom weißen Flecke und vom bleibenden Wasser [im Auge], der also welche hat, daher schrieb der Allbarmherzige ein Mann.

7Und würde der Allbarmherzige nur ein Mann geschrieben haben, so könnte man glauben, nur wer überhaupt nicht sieht, nicht aber, wenn nur mangelhaft, daher schrieb der Allbarmherzige Häutchen.

8Und würde der Allbarmherzige nur Häutchen geschrieben haben, so könnte man glauben, weil es beeinträchtigt, nicht aber gelte dies von einer Vermischung, daher schrieb der Allbarmherzige Trübung. Und würde der Allbarmherzige nur Trübung geschrieben haben, so könnte man glauben, weil eine Vermischung vorliegt, nicht aber gelte dies von einer Anomalie, daher schrieb der Allbarmherzige am Auge.

9Raba sagte: Daher ist die Stumpfheit aus [dem Worte] Mann, die Beeinträchtigung aus [dem Worte] Häutchen, die Vermischung aus [dem Worte] Trübung und die Anomalie [aus dem Worte] am Auge zu entnehmen.

10WER DIE SONNE NICHT VERTRÄGT. R. Joseph lehrte: Der Sonne abhold. DER ASYMMETRISCHE. R. Hona zeigte: eines wie meine und eines wie seine. Da nahm R. Jehuda es übel.

11Man wandte ein: ‘Der Liegende’, dessen Augenbrauen liegen; der ‘Asymmetrische’, eines schwarz und eines weiß!? – Der Autor nennt jedes Paar, das einander nicht gleicht, asymmetrisch.

12DER TRÄNIGE. Dessen Augen rund, triefend, tränend, tropfend und fließend sind.

13Es wird gelehrt: Der Blinzelnde, der Belidete und der Lidlose. Der Blinzelnde, dessen Augen blinzeln. Der Belidete, dessen Lider buschig sind. Der Lidlose, dessen Lider nicht mehr da sind. – Wieso zählt er diese zu den Fehlerbehafteten, wir haben ja gelernt, dem die Wimpern ausgefallen sind, sei wegen des [unangenehmen] Aussehens untauglich!? – Das ist kein Einwand; eines, wenn Stoppeln zurückgeblieben sind, und eines, wenn keine Stoppeln zurückgeblieben sind.

14WENN SEINE AUGEN GROSS WIE DIE EINES KALBES ODER KLEIN WIE DIE EINER GANS SIND, WENN SEIN KÖRPER FÜR SEINE GLIEDER ZU GROSS ODER ZU KLEIN IST, WENN SEINE NASE FÜR SEINE GLIEDER ZU GROSS ODER ZU KLEIN IST, DER SCHLAPPOHRIGE UND DER KLEINOHRIGE. KLEINOHRIGER HEISST DER, DESSEN OHREN KLEIN SIND; SCHLAPPOHRIGER, DESSEN OHREN EINEM SCHWAMME GLEICHEN. WENN DIE OBERE LIPPE ÜBER DIE UNTERE VORSTEHT, ODER DIE UNTERE ÜBER DIE OBERE VORSTEHT, SO IST DIES EIN LEIBESFEHLER. WEM DIE ZÄHNE AUSGEFALLEN SIND, IST UNTAUGLICH WEGEN DES [UNANGENEHMEN] AUSSEHENS.

15GEMARA. Rabh sagte: Unser Meister Moše maß zehn Ellen, denn es heißt:und er breitete das Zelt über die Wohnung; der es breitete, war unser Meister Moše, und es heißt:zehn Ellen die Länge der einen Bohle.

16R. Šimi b. Ḥija sprach zu Rabh: Demnach machst du ja unsren Meister Moše zu einem Fehlerbehafteten, denn es wird gelehrt: wenn sein Körper für seine Glieder zu groß oder zu klein ist!? Dieser erwiderte: Šimi, ich meine die Elle des Heiligtumes.

17WENN SEINE NASE ZU GROSS IST &C. Es wird gelehrt: wie der kleine Finger.

18DER SCHLAPPOHRIGE UND DER KLEINOHRIGE. Es wird gelehrt: Auch der Çimaḥ. Die Jünger wußten nicht, was Çimaḥ bedeute; da hörten sie, wie ein Araber sprach: Wer wünscht ein Çimaḥ, und es ergab sich, daß es eine Ziege mit hängenden Ohren war.

19R. Ḥisda sagte: Eine Ziege, die keine Hörner hat, und ein Schaf, das Hörner hat, sind für den Altar tauglich.

20Ebenso wird auch gelehrt: Es gibt Dinge, die wie Leibesfehler erscheinen und doch keine Leibesfehler sind; man darf bei solchen im Tempel schlachten, nicht aber in der Provinz. Folgende sind es: wenn eine Ziege keine Hörner hat, wenn ein Schaf Hörner hat, wenn es Hängeohren hat, wenn es Schlappohren hat, und wenn es zu kleine Ohren hat.

21R. Ḥisda sagte im Namen Amemars: Sind ihnen die Hörner samt dem Kern genommen worden, so sind sie untauglich, jedoch nicht daraufhin auszulösen; sind ihnen die Hufe samt dem Kern genommen worden, so sind sie untauglich und daraufhin auszulösen.

22Man wandte ein: Sind ihnen die Hörner oder die Hufe samt dem Kern genommen worden, so sind sie untauglich und daraufhin auszulösen!? – Das ist kein Einwand; eines, wenn sie ganz entwurzelt sind, und eines, wenn sie abgeschnitten sind. –

23Sind sie denn, wenn abgeschnitten, untauglich, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn die Hörner oder die Klauen der [roten] Kuhschwarz sind, so schneide man sie ab!? – Zee͑ri erklärte: über dem Kern.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.