Bechorot — Blatt 59b
1auchdas neunte sei nicht heilig, es sei denn, daß jenem die Bezeichnung ‘zehntes’ gänzlich entzogenist. Und dies ist auch durch einen Schluß zu folgern:
2wenn das elfte, dem Heiligkeit anhaftet, um selbst dargebrachtzu werden, nur dann heilig ist, wenn jenem die Bezeichnung ‘zehntes’ gänzlich entzogen ist, um wieviel mehr ist es das neunte, dem keine Heiligkeit anhaftet, um selbst dargebracht zu werden, nur dann, wenn jenem die Bezeichnung ‘zehntes’ gänzlich entzogen ist, sonst aber nicht.
3Dasselbe aber ergibt: beim elften, dem Heiligkeit anhaftet, um selbst dargebracht zu werden, gilt dies nur dann, wenn jenem die Bezeichnung ‘zehntes’ gänzlich entzogen ist, sonst aber nicht, beim neunten aber, dem keine Heiligkeit anhaftet, um selbst dargebracht zu werden, gilt dies auch dann, wenn jenem die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht gänzlich entzogen ist.
4Oder auch: beim elften, wo das zehnte bereits festgestellt ist, gilt dies nur dann, wenn diesem die Bezeichnung ‘zehntes’ gänzlich entzogen ist, sonst aber nicht,
5beim neunten aber, wo das zehnte noch nicht festgestellt ist, gilt dies auch dann, wenn diesem die Bezeichnung ‘zehntes’ nicht gänzlich entzogen ist. Weiter nichts darüber.
6Raba sagte: Die zur Zählung geeigneten machen die andren frei. – Woher entnimmt Raba dies? Wollte man sagen, aus folgender Lehre: Ist eines von den gezählten zurück unter die anderen gesprungen, so sind alle frei. Wieso sind die gezählten selber frei?
7Doch wohl durch die zur Zählung geeigneten.
8Aber vielleicht von denen, für die der Zehnt bereits entrichtet ist!? –
9Dies kannst du nicht sagen, denn er lehrt: wenn von den verzehnteten unter die andren. – Vielleicht sind unter ‘verzehnteten’ die Zehnten selber zu verstehen!? Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt, man lasse sie weiden.
10Vielmehr, erwiderte Raba, die Schrift sagt: vorübergeht, nicht aber, was bereits vorübergegangen ist. Was heißt ‘bereits vorübergegangen ist’: hat man dafür den Zehnten abgesondert, so braucht es ja nicht gelehrt zu werden, doch wohl, wenn es durch die zur Zählung geeigneten befreit worden ist. Schließe hieraus.
11Übereinstimmend mit Raba wird gelehrt: Wenn jemand zehn Lämmer hatte und sie in die Hürde getrieben hat, und nachdem er fünf gezählt hat, eines von ihnen verendet ist, so kann er, wenn eines von den gezählten verendet ist, weiter zählen und zu jenen ergänzen, und wenn eines von den ungezählten verendet ist, so sind die gezählten freiund die ungezählten beim nächsten Termine zu vereinigen.
12Ferner sagte Raba: Wenn jemand vierzehn Lämmer hatte und sie in die Hürde getrieben hat, und sechs durch eine Öffnung herausgekommen und vier durch eine andre Öffnung herausgekommen und vier da zurückgeblieben sind, so nehme er, wenn die vier durch die Öffnung der sechs herauskommen, einesvon ihnen, und die übrigen sind beim nächsten Termine zu vereinigen,
13wenn aber nicht, so sind die sechs frei, und diese und jene vier zum nächsten Termine zu vereinigen.
14Sind vier durch eine und sechs durch eine andre Öffnung herausgekommen und vier da zurückgeblieben, so nehme er, wenn die vier durch die Öffnung der sechs herauskommen, eines von ihnen und die übrigen sindfrei, wenn aber nicht, so sind die vier und die sechs frei und die andren vier beim nächsten Termine zu vereinigen.
15Sind vier durch eine Öffnung und vier durch eine andre Öffnung herausgekommen und sechs da zurückgeblieben, so nehme er, wenn die sechs durch eine Tür herauskommen, eines von ihnen und die übrigen sind frei, wenn aber nicht, so sind [diese und jene] vier frei und sechs beim nächsten Termine zu vereinigen. –
16Er lehrt uns damit, daß die zur Zählung geeigneten die andren frei machen, und dies sagte ja Raba bereits einmal!? – Man könnte glauben, dies gelte nur von entschieden zur Zählung geeigneten, nicht aber bei einem Zweifel, ob mit diesen oder mit jenen zur Zählung geeignet, so lehrt er uns.
17Ferner sagte Raba: Wenn jemand fünfzehn Lämmer hat, so sage er nicht, er wolle zehn aussuchen und in die Hürde treiben, dann eines von ihnen [als Zehnten] holen, damit die übrigen frei seien, vielmehr treibe er sie alle in die Hürde, lasse zehn herauskommen und hole eines von ihnen, und die übrigen sind beim nächsten Termine zu vereinigen. Ebenso auch gelehrt: Wenn jemand fünfzehn Lämmer hat,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.