Bechorot — Blatt 60a
1so sage er nicht, er wolle zehn aussuchen und eines von ihnen [als Zehnten] holen, damit die übrigen frei seien, vielmehr treibe er sie alle in die Hürde, lasse zehn herauskommen und hole eines von ihnen, und die übrigen sind beim nächsten Termine zu vereinigen. –
2Es wird ja aber gelehrt, [hat jemand] neunzehn Lämmer, so sage er nicht, er wolle zehn aussuchen, und eines von ihnen [als Zehnten] holen, damit die übrigen frei seien, vielmehr treibe er sie alle in die Hürde, lasse zehn herauskommen und hole eines von ihnen, und die übrigensind frei?
3R. Hona b. Seḥora erklärte vor Raba beim Festvortrage: Hier wird von einer Hürde gesprochen, die zwei Türen hat, und neun durch die eine Tür und neun durch die andre Tür herausgekommen sind, sodaß das eine mit diesen und mit jenen [mitgezählt] werden kann. –
4Sollte er ihm doch erwidert haben: wenn er neun gezählt, und als das zehnte herauskam, er wiederum mit ‘eins’ begonnenhat!? – Er ist der Ansicht, das zehnte ist von selbstheilig. –
5Sollte er ihm doch erwidert haben, wenn er sie paarweise gezählt hat!? – Er ist der Ansicht, das zehnte sei nach der Zahl der Viehstücke heilig.
6R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Glücklich zu preisen ist die Mutter des R. Hona b. Seḥora, der beim Festvortrage diese Lehre auf Grund seiner Lehreerklärte.
7KOMMEN ZWEI ZUSAMMEN HERAUS, SO ZÄHLE MAN SIE ZWEI; ZÄHLT MAN SIE ALS EINES, SO SIND DAS NEUNTE UND DAS ZEHNTE VERDORBEN,
8HAT MAN DAS NEUNTE ALS ZEHNTES, DAS ZEHNTE ALS NEUNTES UND DAS ELFTE ALS ZEHNTES BEZEICHNET, SO SIND ALLE DREI HEILIG; DAS NEUNTE IST FEHLERBEHAFTET ZU ESSEN, DAS ZEHNTE IST ZEHNT UND DAS ELFTE IST ALS HEILSOPFER DARZUBRINGEN, UND ES BEWIRKT UMTAUSCH– SO R. MEÍR.
9R. JEHUDA SPRACH: KANN DENN EINGETAUSCHTESUMTAUSCH BEWIRKEN!? MAN ERWIDERTE IM NAMEN R. MEÍRS: WÄRE ES EINGETAUSCHTES, SO WÜRDE ES NICHT DARGEBRACHT WERDEN KÖNNEN. HAT MAN DAS NEUNTE ALS ZEHNTES, DAS ZEHNTE ALS ZEHNTES UND DAS ELFTE ALS ZEHNTES BEZEICHNET, SO IST DAS ELFTE NICHT HEILIG. DIE REGEL HIERBEI IST: IST DEM ZEHNTEN DIE BEZEICHNUNG ‘ZEHNTES’ NICHT ENTZOGEN, SO IST DAS ELFTE NICHT HEILIG.
10GEMARA. R. Joḥanan sagte: Hat man sie paarweise gezählt oder zu Hunderten, so ist das zehnte der Zählung heilig. –
11Was heißt der Zählung? R. Mari erklärte, es sei nach seiner Zählungheilig; R. Kahana erklärte, es sei nach der Viehzählungheilig. –
12Wir haben gelernt: Kommen zwei zusammen heraus, so zähle man sie zwei; zählt man sie als eines, so sind das neunte und das zehnte verdorben.
13Erklärlich ist es nach demjenigen, welcher sagt, es sei nach seiner Zählung heilig, daß das neunte und das zehnte verdorben sind, denn er nannte das zehnte ‘neuntes’ und das elfte ‘zehntes’, nach demjenigen aber, welcher sagt, es sei nach der Viehzählung heilig, nannte er jadas neunte ‘neuntes’ und das zehnte ‘zehntes’!? –
14R. Joḥanan kann dir erwidern: ich spreche von dem Falle, wenn es seine Absicht war, Paare herauskommen zu lassen, nicht aber, wenn sie selber so herausgekommen sind. –
15Komm und höre: Hat man sie rückwärts gezählt, so ist das zehnte der Zählung heilig. Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, es sei nach der Viehzählung heilig, nach demjenigen aber, welcher sagt, es sei nach seiner Zählung heilig, nannte er ja das zehnte ‘erstes’!?
16Raba erwiderte: Weil dies bei der persischen Zählung vorkommt, in der ‘zehn’ eins heißt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.