Berachot — Blatt 24a

1Je mehr sie bewacht werden, desto besser. — Wo lege man sie hin? R. Jirmeja sagte: Zwischen Kissen und Polster, jedoch nicht gegen den Kopf. —

2R. Ḥija lehrte ja aber, man lege sie in einer Tasche unter das Kopflager!? — Wenn die Bauchung der Tasche nach außen ragt.

3Bar Qappara wickelte sie in den Bettvorhang und ließ die Bauchung nach außen ragen. R. Šešeth, Sohn R. Idis, legte sie auf eine Bank und breitete über sie ein Tuch.

4R. Hamnuna, Sohn R. Josephs, erzählte: Einst stand ich vor Raba und er sprach zu mir: Geh und hole mir die Tephillin. Ich fand sie zwischen Kissen und Polster, nicht gegen den Kopf; ich wußte, daß es ein Tag der Reinigung war, und er tat dies, um eine Halakha zur Übung zu lehren.

5R. Joseph, der Sohn R. Neḥunjas, fragte R. Jehuda: Wie ist es, wenn zwei in einem Bette schlafen: darf dieser das Gesicht wegwenden und das Šema͑ lesen, und jener das Gesicht wegwenden und das Šema͑ lesen? Dieser erwiderte ihm: So sagte Šemuél: sogar, wenn seine Frau bei ihm ist.

6R. Joseph entgegnete: Wenn seine Frau, um so mehr ein Anderer; im Gegenteil, seine Frau gleicht seinem eigenen Körper, ein anderer aber gleicht nicht seinem eigenen Körper!?

7Man wandte ein: Wenn zwei in einem Bette schlafen, so wende dieser das Gesicht weg und lese, und jener wende das Gesicht weg und lese. Ein Anderes aber lehrt: Wer mit seinen Kindern und Familienangehörigen an seiner Seite in einem Bette schläft, lese das Šema͑ nicht, es sei denn, daß ein Gewand sie trennt; wenn aber seine Kinder und seine Familienangehörigen klein sind, so ist es erlaubt.

8Erklärlich ist dies nach R. Joseph, denn das eine handelt von seiner Frau und das andere von einer anderen Person; nach Šemuél aber besteht ja ein Widerspruch!? —

9Šemuél kann dir erwidern: stimmt dies etwa nach R. Joseph, es wird ja gelehrt, wer mit seinen Kindern und Familienangehörigen in einem Bette schläft, lese das Šema͑ nicht, es sei denn, daß ein Gewand sie trennt!? Du mußt also erklären, nach R. Joseph bestehe hinsichtlich der Frau [ein Streit von] Tannaím, ebenso streiten hierüber Tannaím nach mir.

10Der Meister sagte: So wende dieser das Gesicht weg und lese. Die Hinterbacken [berühren ja einander]!? Dies ist also eine Stütze für R. Hona, denn R. Hona sagte, die Hinterbacken gelten nicht als Scham. Folgendes wäre eine Stütze für R. Hona: Eine Frau darf nackt sitzend die Teighebe abschneiden, weil sie das Gesicht durch den Boden verdecken kann; nicht aber der Mann.

11R. Naḥman b. Jiçḥaq erklärte: Wenn ihr ganzes Gesicht in den Boden eingedrückt ist.

12Der Meister sagte: Wenn aber seine Kinder und seine Familienangehörigen klein sind, so ist dies erlaubt. Bis zu welchem Alter? R. Ḥisda erwiderte: Bei einem Mädchen bis zu drei Jahren und einem Tage, bei einem Knaben bis zu neun Jahren und einem Tage. Manche sagen: Bei einem Mädchen, bis zu elf Jahren und einem Tage, bei einem Knaben, bis zu zwölf Jahren und einem Tage. Bei beiden bis: deine Brüste gerundet und dein Haar gewachsen.

13R. Kahana sprach zu R. Aši: Oben sagte Raba, die Halakha sei wie Šemuél, obgleich eine Lehre ihn widerlegt, wie ist es hier? Dieser erwiderte: Willst du etwa alles in ein Gewebe zusammenweben!? Vielmehr, wo dies gesagt wurde, gilt dies, wo dies nicht gesagt wurde, gilt dies nicht.

14R. Mari fragte R. Papa: Wie ist es, wenn Haar durch sein Gewand vorragt? Dieser rief ihm zu: Haar [ist nichts als] Haar.

15R. Jiçḥaq sagte: Eine Handbreite an einem Weibe ist Scham. — In welcher Hinsicht, wollte man sagen, hinsichtlich des Betrachtens, so sagte ja R. Šešeth, die Schrift habe die äußerlichen Schmucksachen zusammen mit den intimen Schmucksachen aufgezählt, um dir zu sagen, daß, wenn man auch nur den kleinen Finger eines Weibes betrachtet, dies ebenso sei, als hätte man die Scham betrachtet!? —

16Vielmehr beim eigenen Weibe, hinsichtlich des Šema͑lesens.

17R. Ḥisda sagte: Die Wade ist bei einem Weibe Scham, denn es heißt: entblöße die Wade und durchwate Ströme, und darauf folgt: daß deine Scham aufgedeckt und deine Schande gesehen wird. Šemuél sagte: Die Stimme ist bei einem Weibe Scham, denn es heißt: denn deine Stimme st süß, und lieblich deine Gestalt. R. Šešeth sagte: Das Haar ist bei einem Weibe Scham, denn es heißt: dein Haar wie der Ziegenherde.

18R. Ḥanina erzählte: Ich sah, wie Rabbi seine Tephillin aufhängte. Man wandte ein: Wer die Tephillin aufhängt, dem läßt man das Leben hängen.

19Die Schrifterklärer sagten: Dein Leben wird dir gegenüber hängen, dies bezieht sich auf denjenigen, der seine Tephillin aufhängt!? —

20Das ist kein Einwand; das eine, wenn am Riemen, das andere, wenn an der Kapsel.

21Wenn du willst, sage ich: es ist verboten, einerlei, ob am Riemen oder an der Kapsel, Rabbi aber hätte sie im Beutel aufgehängt. — Wozu erzählt er dies demnach!? —

22Man könnte glauben, sie benötigten des Hinlegens wie eine Torarolle, so lehrt er es uns.

23Ferner erzählte R. Ḥanina: Ich sah, wie Rabbi [beim Beten] rülpste, gähnte, nieste, spie

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.