Berachot — Blatt 27b
1vor seinem Lehrer noch hinter seinem Lehrer bete!?
2Ferner wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Wer hinter seinem Lehrer betet, wer seinen Lehrer grüßt, wer seinem Lehrer den Gruß erwidert, wer gegen die Schule seines Lehrers Streit führt, und wer etwas sagt, was er aus dem Munde seines Lehrers nicht gehört, der verursacht, daß die Göttlichkeit von Jisraél weiche. —
3Anders verhielt es sich bei R. Jirmeja b. Abba, er war Schüler und Genosse [Rabhs]. Deshalb sagte auch R. Jirmeja b. Abba zu Rabh: Hast d u schon aufgehört? Und dieser erwiderte: Jawohl, ich habe schon aufgehört. Er sagte nicht: Hat der Meister schon aufgehört. —
4Aber mußte er denn aufgehört haben, R. Abin erzählte ja, daß Rabbi einst das Šabbathgebet am Šabbathvorabend verrichtete, dann ins Bad ging, herauskam und (uns) den Abschnitt lehrte; es war aber noch nicht dunkel!? Raba erwiderte: Er ging nur schwitzen, und zwar dies vor der Anordnung. —
5Dem ist ja nicht so, Abajje erlaubte ja dem R. Dimi b. Levaj, Körbe zu beschwefeln!? —
6Da war es ein Irrtum. —
7Wiederholt man denn eines Irrtums wegen, Abidan erzählte ja folgendes: Einst überzog sich der Himmel mit Wolken, und da das Volk glaubte, es sei schon finster, trat es in das Bethaus und verrichtete am Šabbath das Gebet des Šabbathausganges. Als später die Wolken sich teilten, und die Sonne hervorleuchtete,
8kamen sie zu Rabbi und befragten ihn. Er erwiderte: Da sie schon gebetet, so haben sie ihr Gebet verrichtet!? — Anders ist es bei einer Gemeinschaft, die wir nicht belästigen.
9R. Ḥija b. Abin sagte: Rabh verrichtete das Šabbathgebet am Šabbathvorabend; R. Jošija verrichtete das Gebet des Šabbathausgangs am Šabbath. «Rabh verrichtete das Šabbathgebet am Šabbathvorabend. » Spricht man auch den Weihsegen über den Becher oder spricht man den Weihsegen über den Becher nicht? — Komm und höre: R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls, man verrichte das Šabbathgebet am Šabbathvorabend und spreche auch den Weihsegen über den Becher. Die Halakha ist wie er. —
10«R. Jošija verrichtete das Gebet des Šabbathausgangs am Šabbath.» Spricht man auch den Unterscheidungssegen über den Becher, oder spricht man den Unterscheidungssegen über den Becher nicht? — Komm und höre: R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, man verrichte das Gebet des Šabbathausgangs am Šabbath und spreche auch den Unterscheidungssegen über den Becher.
11R. Zera sagte im Namen R. Asis im Namen R. Elea͑zars im Namen R. Ḥaninas im Namen Rabhs: Neben dieser Säule verrichtete R. Jišma͑él b. R. Jose das Šabbathgebet am Šabbathvorabend.
12Als U͑la kam, sagte er: Es war neben einer Palme, nicht neben einer Säule, ferner war es nicht R. Jišma͑el b. R. Jose, sondern R. Elea͑zar b. R. Jose, auch war es nicht das Šabbathgebet am Šabbathvorabend, sondern das Gebet des Šabbathausgangs am Šabbath.
13DAS ABENDGEBET HAT KEINE FESTGESETZTE ZEIT. Was heißt: keine festgesetzte Zeit: wollte man sagen, wenn man will, bete man die ganze Nacht, so sollte er ja lehren, das Abendgebet habe Zeit die ganze Nacht!? —
14Vielmehr, hat keine festgesetzte Zeit, dies nach demjenigen, welcher sagt, das Abendgebet sei Freigestelltes. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls: Das Abendgebet ist, wie R. Gamliél sagt, Pflicht, und wie R. Jehošua͑ sagt, Freigestelltes. Die Halakha ist wie derjenige, welcher Pflicht sagt; Rabh sagt, die Halakha sei wie derjenige, welcher Freigestelltes sagt.
15Die Rabbanan lehrten: Einst trat ein Jünger vor R. Jehošua͑ und fragte ihn: Ist das Abendgebet Freigestelltes oder Pflicht? Er erwiderte: Freigestelltes.
16Hierauf kam er vor R. Gamliél und fragte ihn: Ist das Abendgebet Freigestelltes oder Pflicht? Er erwiderte: Pflicht. — R. Jehošua͑ sagte mir ja aber: Freigestelltes!? Dieser erwiderte: Warte, bis die Schildträger in das Lehrhaus kommen.
17Als die Schildträger kamen, stellte der Fragesteller sich hin und fragte: Ist das Abendgebet Freigestelltes oder Pflicht? R. Gamliél antwortete: Pflicht. Dann sprach R. Gamliél zu den Weisen: Gibt es jemand, der dies bestreitet? R. Jehošua͑ erwiderte: Nein. Jener sprach: Man sagte mir ja in deinem Namen, es sei Freigestelltes!
18Hierauf sprach er: Jehošua͑, steh auf (auf deine Füße), damit man gegen dich zeuge. Da stand R. Jehošua͑ auf (auf seine Füße) und sprach: Wäre ich lebendig und er tot, so könnte der Lebende den Toten der Lüge zeihen, nun aber, da ich lebe, und er ebenfalls lebt, wie kann der Lebende den Lebenden der Lüge zeihen!?
19R. Gamliél saß und trug vor, während R. Jehošua͑ auf seinen Füßen stand, bis das Volk zu murren begann und dem Dolmetsch Ḥuçpith zurief: Halt ein. Da hielt er inne.
20[Das Volk] sprach: Wie lange noch wird er fortfahren, ihn zu quälen!? Wegen des Neujahres quälte er ihn im Vorjahre, wegen der Erstgeburt beim Ereignis mit R. Çadoq quälte er ihn, und jetzt quält er ihn wieder; auf, wir setzen ihn ab. —
21Wen aber setzen wir nun ein? Setzen wir R. Jehošua͑ ein, so ist er es ja, wegen dessen es geschehen, setzen wir R. A͑qiba ein, so kann er über ihn Strafe heraufbeschwören, da er keine Ahnenverdienste hat;
22setzen wir nun R. Elea͑zar b. A͑zarja ein, denn er ist weise, er ist reich und er ist das zehnte Glied E͑zras. Er ist weise, und wenn man an ihn eine Frage richtet, beantwortet er sie. Er ist reich, und wenn es nötig wird, im kaiserlichen Hofe zu dienen, kann er hingehen und dienen. Er ist das zehnte Glied E͑zras, er hat auch Ahnenverdienste, und jener kann über ihn keine Strafe heraufbeschwören. Alsdann kamen sie zu ihm und sprachen: Ist es dem Meister gefällig, Oberhaupt des Kollegiums zu werden? Er erwiderte ihnen: Ich will gehen und mich mit meinen Hausleuten beraten. Als er darauf ging und sich mit seiner Frau beriet, sprach sie zu ihm:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.