Berachot — Blatt 27a
1[derselben Ansicht wie] die Rabbanan!? —
2Wie ist, wenn ‘bis’ ausschließlich, der Schlußsatz zu erklären: das Zusatzgebet [hat Zeit] den ganzen Tag. R. Jehuda sagt, bis sieben Stunden. Ferner wird gelehrt: Wenn jemand zwei Gebete zu verrichten hat, das Zusatzgebet und das Vespergebet, verrichte er das Vespergebet und nachher das Zusatzgebet, denn jenes ist ein ständiges, dieses aber kein ständiges; R. Jehuda sagt, er verrichte das Zusatzgebet und nachher das Vespergebet, denn jenes ist ein versäumbares, dieses aber kein versäumbares.
3Allerdings können, wenn du sagst, ‘bis’ einschließlich, beide Gebete zusammentreffen, wieso aber können, wenn du sagst, ‘bis’ ausschließlich, beide Gebete zusammentreffen, sobald die Zeit des Vespergebetes heranreicht, ist ja die des Zusatzgebetes bereits vorüber!? —
4Wie denn, ‘bis’ einschließlich, demnach ist ja vom Anfangssatze einzuwenden: welchen Unterschied gibt es zwischen R. Jehuda und den Rabbanan!? — Glaubst du etwa, er meine die letztere Vesperhälfte; er meint die erstere Vesperhälfte. [Jener Autor] meint es wie folgt: die erstere Hälfte hört auf, und die letztere beginnt, wenn elf Stunden weniger ein Viertel vorüber sind.
5R. Naḥman sagte: Auch wir haben es gelernt:
6R. Jehuda b. Baba bezeugte fünf Dinge: daß man eine Minderjährige zur Weigerungserklärung veranlaßt; daß man eine Witwe durch Aussage eines Zeugen zur Heirat zuläßt; daß ein Hahn in Jerušalem gesteinigt wurde, weil er einen Menschen getötet hatte; daß vierzigtägiger Wein auf den Altar gegossen wurde und daß das beständige Morgenopfer in der vierten Stunde dargebracht wurde.
7Schließe hieraus: ‘bis’ einschließlich. Schließe hieraus.
8R. Kahana sagte: Die Halakha ist wie R. Jehuda, weil wir mit ihm übereinstimmend in der Beḥirta gelernt haben.
9«Und daß das beständige Morgenopfer in der vierten Stunde dargebracht wurde». Wer ist der Autor der folgenden Lehre: Und als die Sonne wärmend wurde, schmolz es; in der vierten Stunde.
10Du sagst in der vierten, vielleicht ist dem nicht so, sondern in der sechsten!? Wenn es heißt: als der Tag warm war, geschah es in der sechsten Stunde, hier aber heißt es: als die Sonne wärmend wurde, schmolz es, in der vierten Stunde. Wer: weder R. Jehuda noch die Rabbanan. Nach R. Jehuda gehört [die Zeit] bis zur vierten Stunde zum Morgen und nach den Rabbanan gehört auch [die Zeit] bis Mittag zum Morgen!? —
11Wenn du willst, sage ich: R. Jehuda, wenn du willst, sage ich: die Rabbanan. Wenn du willst, sage ich: die Rabbanan, denn die Schrift sagt: Morgen für Morgen, teile ihn also in zwei Morgen. Wenn du willst, sage ich: R. Jehuda, denn das überflüssige Wort ‘Morgen’ deutet darauf, daß es eine Stunde früher geschah. — Alle erklären übereinstimmend: als die Sonne wärmend wurde, schmolz es, in der vierten Stunde;
12wieso ist dies erwiesen? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Es heißt: als die Sonne wärmend wurde, schmolz es, und die vierte Stunde ist die Zeit, in der die Sonne warm, der Schatten aber kühl ist.
13DAS VESPERGEBET [HAT ZEIT] BIS ZUM ABEND &C. R. Ḥisda sprach zu R. Jiçḥaq: Dort sagte R. Kahana, die Halakha sei wie R. Jehuda, weil wir mit ihm übereinstimmend in der Beḥirta gelernt haben; wie ist es hier? Er schwieg und erwiderte ihm nichts. Da sprach R. Ḥisda: Dies wollen wir sehen. Rabh verrichtete das Šabbathgebet am Šabbathvorabend, als es noch Tag war; demnach ist die Halakha wie R. Jehuda. — Im Gegenteil, R. Hona und die Rabbanan verrichten das Gebet nicht vor Abend, demnach ist die Halakha nicht wie R. Jehuda!? —
14Da nun die Halakha weder wie dieser noch wie jener entschieden wurde, so hat, wer nach diesem handelt, recht getan, und wer nach jenem handelt, recht getan.
15Rabh trat einst bei Geniba ein und verrichtete das Šabbathgebet am Šabbathvorabend; R. Jirmeja b. Abba stand hinter Rabh und verrichtete ebenfalls das Gebet, und als Rabh geendet hatte, unterbrach er R. Jirmeja nicht. Hieraus ist dreierlei zu entnehmen: es ist zu entnehmen, daß man das Šabbathgebet schon am Šabbathvorabend verrichte; es ist zu entnehmen, daß ein Schüler hinter seinem Lehrer bete; und es ist zu entnehmen, daß man vor dem Betenden nicht vorübergehen darf.
16Dies ist eine Stütze für R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte, es sei verboten, vor dem Betenden vorüberzugehen. — Dem ist ja aber nicht so, R. Ami und R. Asi gingen ja wohl vorüber!? — R. Ami und R. Asi gingen außerhalb [der] vier Ellen vorüber. —
17Wieso tat dies R. Jirmeja, R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs, daß man weder
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.