Berachot — Blatt 37a
1daher lehrt er dies von dem, worin enthalten ist. Und würde es nur von dem, worin enthalten ist, gelehrt worden sein, so könnte man glauben, nur, wenn darin eine der fünf Arten enthalten ist, nicht aber Reis und Hirse in einer Mischung, wenn sie aber ihr Wesen behalten, spreche man auch über Reis und Hirse den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’, so lehrt er uns, von dem, was aus den fünf Arten besteht, daß man über diese den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’ spreche, über Reis und Hirse aber, auch wenn sie ihr Wesen behalten, spreche man nicht den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’. –
2Spricht man denn über Reis nicht den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’, es wird ja gelehrt, daß, wenn man einem Reisbrot oder Hirsebrot vorsetzt, er darüber den Segensspruch vorher und nachher spreche, wie über eine Topfspeise, und bezüglich der Topfspeise wird gelehrt, vorher spreche man darüber den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’, und nachher spreche man darüber den aus den drei gezogenen Segensspruch? –
3Gleich der Topfspeise und nicht gleich der Topfspeise; gleich der Topfspeise, indem man darüber den Segensspruch vorher und nachher spreche, nicht gleich der Topfspeise, denn über die Topfspeise spricht man vorher ‘Der allerlei Speisen erschafft‘ und nachher den aus den drei gezogenen Segensspruch, während man über dieses vorher den Segen ‘Alles entsteht durch sein Wort’ und nachher ‘Der viele Seelen und ihre Bedürfnisse erschafft, für alles, was er erschaffen hat’ spreche. –
4Gehört denn der Reis nicht zu den Topfspeisen, es wird ja gelehrt: folgende sind Topfspeisen: Speltgraupe, Weizengraupe, Dinkelgraupe (Mehl), Gerstengraupe und Reis!? –
5Dies nach R. Joḥanan b. Nuri, denn es wird gelehrt, R. Joḥanan b. Nuri sagt, Reis sei eine Getreideart: man verwirke die Ausrottung, wenn man ihn gesäuert am Pesaḥfeste ißt, und man erfülle damit seine Pflicht am Pesaḥfeste; die Rabbanan aber sind nicht dieser Ansicht. –
6Sind denn die Rabbanan nicht dieser Ansicht, es wird ja gelehrt: Wer Weizen kaut, spreche den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’; hat man ihn gemahlen, gebacken und dann gekocht, so spreche man, falls es noch ganze Stücke sind, vorher den Segen ‘Der Brot aus der Erde hervorbringt’ und nachher die drei Segenssprüche, und wenn es keine ganzen Stücke sind, vorher den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’ und nachher den aus den drei gezogenen Segensspruch.
7Wer Reis kaut, spreche den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’; hat man ihn gemahlen, gebacken und dann gekocht, so spreche man darüber, selbst wenn es noch ganze Stücke sind, vorher den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’ und nachher den aus den drei gezogenen Segensspruch.
8Nach wessen Ansicht: wollte man sagen, nach R. Joḥanan b. Nuri, welcher sagt, der Reis sei eine Getreideart, so müßte man ja darüber den Segen ‘Der Brot aus der Erde hervorbringt’ und die drei Segenssprüche sprechen.
9Doch wohl nach den Rabbanan, und dies ist somit eine Widerlegung Rabhs und Šemuéls.
10Eine Widerlegung.
11Der Meister sagte: Wer Weizen kaut, spreche den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’. Es wird ja aber gelehrt: ‘Der allerlei Samenkörner erschafft’!? – Das ist kein Einwand; dies nach R. Jehuda und jenes nach den Rabbanan. Wir haben nämlich gelernt: Über Kräuter spreche man ‘Der die Bodenfrucht erschafft’; R. Jehuda sagt: ‘Der allerlei Gräser erschafft’.
12Der Meister sagte: Wer Reis kaut, spreche den Segen ‘Der die Bodenfrucht erschafft’; hat man ihn gemahlen, gebacken und dann gekocht, so spreche man darüber, selbst wenn es noch ganze Stücke sind, vorher den Segen ‘Der allerlei Speisen erschafft’ und nachher den aus den drei gezogenen Segensspruch. Es wird ja aber gelehrt: nachher gar keinen!? R. Šešeth erwiderte: Das ist kein Einwand; dies nach R. Gamliél und jenes nach den Rabbanan.
13Es wird nämlich gelehrt: Die Regel hierbei ist: Über alles, was zu den sieben Arten gehört, spreche man, wie R. Gamliél sagt, die drei Segenssprüche, und wie die Weisen sagen, den aus den drei gezogenen Segensspruch.
14Einst saßen R. Gamliél und die Ältesten in Jeriḥo beisammen in einem Söller, und man setzte ihnen Datteln vor. Nachdem sie gegessen hatten, erteilte R. Gamliél R. A͑qiba Erlaubnis, den Segen zu sprechen. Da richtete sich R. A͑qiba auf und sprach den aus den drei gezogenen Segensspruch. R. Gamliél sprach zu ihm: A͑qiba, wie lange noch wirst du deinen Kopf in Streitigkeit stecken!? Dieser erwiderte: Meister, obgleich du so sagst und deine Genossen anders, so hast du uns ja gelehrt, daß [bei einem Streit zwischen] einem Einzelnen und einer Mehrheit die Halakha nach der Mehrheit zu entscheiden sei.
15R. Jehuda sagte in dessen Namen: Über alles, was zu den sieben Arten gehört,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.