Berachot — Blatt 3b
1Bei einer neuen.
2– Es genügt ja [die Begründung:] wegen der Gespenster!? –
3Wenn es zwei sind. – Bei zweien gibt es ja auch keinen Grund zum Verdacht!? – Bei zwei Zuchtlosen. –
4«Wegen Einsturzes», es genügt ja [die Begründung:] wegen Verdachtes und wegen der Gespenster!?–
5Bei zwei Züchtigen.
6«Wegen der Gespenster», es genügt ja [die Begründung:] wegen Verdachtes und wegen Einsturzes!? –
7Bei einer neuen Ruine und zwei Züchtigen. –
8Bei Zweien gibt es ja auch keine Gespenster!? –
9An ihrem Aufenthaltsorte befürchte man sie. Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich bei einer Person und einer neuen Ruine, wenn sie aber auf dem Felde steht; hier gibt es keinen Verdacht, da eine Frau sich im Felde nicht aufhält, wohl aber befürchte man Gespenster.
10Die Rabbanan lehrten: Vier Nachtwachen hat die Nacht – so Rabbi;
11R. Nathan sagt, drei. Was ist der Grund R. Nathans? – Es heißt: da kam Gideo͑n und die hundert Mann, die mit ihm, an das Ende des Lagers zu Beginn der mittelsten Nachtwache. Es wird gelehrt: Keine mittelste, wenn nicht eine vorher und eine nachher. –
12Und Rabbi!? – ‘Mittelste’ heißt eine von den mittelsten (unter den mittelsten). –
13Und R. Nathan!? – Es heißt nicht die mittelste von den mittelsten, sondern: die mittelste. –
14Was ist der Grund Rabbis? – R. Zeriqa erwiderte im Namen R. Amis im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Ein Schriftvers lautet: Mitternachts stehe ich auf, dir für deine gerechten Urteile zu danken, ein anderer aber lautet: meine Augen kommen den Nachtwachen zuvor; dies kann nur dann sein, wenn die Nacht vier Nachtwachen hat. –
15Und R. Nathan!? – Er ist der Ansicht R. Jehošua͑s, denn wir haben gelernt: R. Jehošua͑ sagt, bis drei Stunden, denn Könige pflegen in der dritten Stunde aufzustehen. Sechs [Stunden] der Nacht und zwei des Tages sind zwei Nachtwachen.
16R. Aši erklärte: Eine Nachtwache und eine halbe nennt man ebenfalls ‘Nachtwachen’.
17Ferner sagte R. Zeriqa im Namen R. Amis im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Man rede in Gegenwart des Toten nichts als Worte [bezüglich] des Toten.
18R. Abba b. Kahana sagte: Dies bezieht sich nur auf Worte der Tora, gegen weltliche Dinge aber ist nichts einzuwenden.
19Manche sagen: R. Abba b. Kahana sagte: Dies bezieht sich auch auf Worte der Tora, und um so mehr auf weltliche Dinge.
20Pflegte David denn um Mitternacht aufzustehen, er pflegte ja schon abends aufzustehen, denn es heißt: ich wachte in der Dämmerung auf und schrie. – Woher, daß hier unter ‘Dämmerung’ der Abend zu verstehen ist? – Es heißt: in der Dämmerung, am Abend des Tages, in der Tiefe der Nacht und der Dunkelheit.
21R. Oša͑ja erklärte im Namen R. Aḥas: David sprach: Niemals ist mir die Mitternachtszeit im Schlafe vergangen.
22R. Zera erwiderte: Bis Mitternacht schlummerte er wie ein Pferd, von da an stärkte er sich wie ein Löwe. R. Aši erwiderte: Bis Mitternacht befaßte er sich mit Worten der Tora, von da an mit Liedern und Lobgesängen. –
23Ist denn unter ‘Dämmerung’ der Abend zu verstehen, mit ‘Dämmerung’ ist ja der Morgen gemeint, denn es heißt: David schlug sie von der Dämmerung bis zum Abend des folgenden Tages; doch wohl von Morgen bis Abend!? –
24Nein, von Abend bis Abend. –
25Demnach sollte es doch heißen: von Dämmerung bis Dämmerung, oder: von Abend bis Abend!? –
26Vielmehr, sagte Raba, es gibt zweierlei Dämmerungen, eine Dämmerung der Nacht, worauf der Tag folgt, und eine Dämmerung des Tages, worauf die Nacht folgt. –
27Kannte David denn die [genaue] Mitternachtszeit, selbst unser Lehrer Moše kannte sie ja nicht!? Es heißt: gegen Mitternacht ziehe ich durch Miçrajim.
28Warum ‘gegen Mitternacht’: wollte man sagen, der Heilige, gepriesen sei er, habe zu ihm ‘gegen Mitternacht’ gesagt, so gibt es ja nichts Unsicheres vor dem Himmel; vielmehr sagte er zu ihm ‘um Mitternacht’, worauf dieser ‘gegen Mitternacht’ sagte. Hieraus, daß ihm dies unsicher war, und David sollte dies gekannt haben!? –
29David hatte ein Kennzeichen. R. Aḥa b. Bizna sagte nämlich im Namen R. Šimo͑n des Frommen: Über dem Bette Davids hing eine Harfe, und als die Mitternachtszeit heranreichte, wehte der Nordwind und blies daran, und sie spielte von selbst. Sofort stand er auf und befaßte sich mit der Tora, bis die Morgenröte aufstieg. Sobald die Morgenröte aufgestiegen war, traten die Weisen Jisraéls bei ihm ein und sprachen zu ihm: Unser Herr und König, dein Volk Jisraél bedarf des Unterhalts. Er erwiderte ihnen: Geht und ernährt euch einer vom anderen. Sie sprachen zu ihm: Die Handfülle sättigt nicht den Löwen, und die Grube wird von ihrem eigenen Schutt nicht voll. Er erwiderte ihnen: Geht, und streckt eure Hände aus in der Truppe.
30Alsdann beriet man sich mit Aḥithophel, überlegte mit dem Synedrium und befragte das Orakelschild.
31R. Joseph sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: Nach Aḥithophel waren Benajahu, Sohn Jehojada͑s und Ebjathar; Joab war Feldherr des Königs.
32Aḥithophel war der Ratgeber, denn es heißt: Und der Ratschlag Aḥithophels, den er in jener Zeit erteilte, war, als hätte man das Wort Gottes befragt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.