Berachot — Blatt 4a

1Benajahu, Sohn Jehojada͑s, war das [Oberhaupt des] Synedriums, und Ebjathar war [Träger des] Orakelschildes,

2denn es heißt: Benajahu, Sohn Jehojada͑s, war über das Krethi und Plethi. Weshalb werden sie Krethi und Plethi genannt? – Krethi, weil sie ihre Worte schneiden, Plethi, weil sie durch ihre Worte ausgezeichnet sind. Nachher erst wird Joab, der Feldherr des Königs, genannt.

3R. Jiçḥaq b. Ada, nach anderen, R. Jiçḥaq b. R. Idi sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: Wache auf, meine Ehre, erwache, Psalter und Harfe, ich will das Morgenrot wecken.

4R. Zera sagte: Tatsächlich kannte dies Moše und kannte dies David. –

5Wenn David dies kannte, was sollte ihm die Harfe!? – Um ihn aus dem Schlafe zu wecken. –

6Wenn Moše dies kannte, weshalb sagte er ‘gegen Mitternacht’!? – Moše dachte, die Astrologen des Pareo͑ könnten sich irren und dann sagen, Moše sei ein Lügner. Der Meister sagte nämlich: Lehre deine Zunge ‘ich weiß nicht’ zu sagen, denn du könntest als Lügner erscheinen und gefaßt werden.

7R. Aši erwiderte: Dies war um Mitternacht des dreizehnten zum vierzehnten, und Moše sprach zu den Jisraéliten: der Heilige, gepriesen sei er, sagte: morgen um Mitternacht, wie eben, werde ich durch Miçrajim ziehen.

8Des David: Bewahre meine Seele, denn ich bin fromm. Levi und R. Jiçḥaq [streiten hierüber]. Einer sagt, David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, bin ich etwa nicht fromm? Alle Könige des Ostens und des Westens schlafen bis drei Stunden, ich aber: um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen.

9Der andere sagt: David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, bin ich etwa nicht fromm! Alle Könige des Ostens und des Westens sitzen scharenweise in ihrer Herrlichkeit, ich aber: meine Hände sind stets vom Blute [der] Eihäute und Nachgeburten beschmutzt, um eine Frau ihrem Manne reinzusprechen. Und noch mehr, alles, was ich tun will, überlege ich vorher mit meinem Lehrer Mephibošeth und spreche zu ihm: Meister Mephibošeth, habe ich richtig gerichtet? habe ich richtig schuldig gesprochen? habe ich richtig freigesprochen? habe ich richtig reingesprochen? habe ich richtig unreingesprochen? Ich schäme mich dessen nicht.

10R. Jehošua͑ b. R. Idi sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: vor Königen spreche ich über deine Zeugnisse und schäme mich dessen nicht.

11Es wird gelehrt: Nicht Mephibošeth, sondern Išbošeth war sein Name; und nur deshalb wird er Mephibošeth genannt, weil er bei der Halakha das Gesicht Davids zu beschämen pflegte. Deshalb war es David beschieden, daß von ihm Kiláb hervorging.

12R. Joḥanan sagte: Nicht Kiláb, sondern Daniél war sein Name; und nur deshalb wird er Kiláb genannt, weil er das Gesicht des Mephibošeth bei der Halakha zu beschämen pflegte.

13Über ihn spricht Šelomo in seiner Weisheit: mein Sohn, wenn dein Herz weise ist, wird sich auch mein Herz freuen. Ferner: Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, auf daß ich meinen Lästerern Antwort gebe. –

14Wieso nannte sich David ‘fromm’, es heißt ja: wenn ich nicht glaubte, im Lande des Lebens die Güte des Herrn zu schauen, und im Namen des R. Jose wird gelehrt, auf [den Worten] wenn nicht stehen Punkte, denn David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, ich vertraue auf dich, daß du dereinst den Gerechten eine gute Belohnung geben wirst, ich weiß jedoch nicht, ob ich unter ihnen einen Anteil habe oder nicht!? –

15Die Sünde könnte es verursachen.

16Dies nach R. Ja͑qob b. Idi, denn R. Ja͑qob b. Idi wies auf einen Widerspruch hin: Es heißt: siehe, ich bin mit dir und werde dich überall behüten, wo du hingehst, dagegen aber heißt es: und Ja͑qob fürchtete sehr. Er dachte, die Sünde könnte es verursachen.

17Wie gelehrt wird: Bis hinübergezogen dein Volk, o Herr, bis hinübergezogen das Volk, das du erworben.

18Bis hinübergezogen dein Volk, o Herr, dies ist der erste Einzug, bis hinübergezogen das Volk, das du erworben, dies ist der zweite Einzug. Hieraus folgern die Weisen, die Jisraéliten waren würdig, daß ihnen in den Tagen E͑zras Wunder geschähen, wie in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, die Sünde aber hat es verursacht.

19DIE WEISEN SAGEN, BIS MITTERNACHT. Wessen Ansicht vertreten die Weisen: sind sie der Ansicht R. Elie͑zers, so sollten sie wie R. Elie͑zer lehren,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.