Berachot — Blatt 48b

1mit ihnen nur etwas in Tunke eintaucht oder mit ihnen nur eine Feige ißt, wird man mitgerechnet, aber die Mehrheit [beim Segen] vertreten kann man nur dann, wenn man von einer Getreidespeise in Olivengröße gegessen hat. R. Ḥana b. Jehuda sagte im Namen Rabas: Die Halakha ist: hat man ein Krautblatt mitgegessen oder einen Becher Wein getrunken, so wird man mitgerechnet, aber [beim Segen] vertreten kann man nur dann, wenn man von einer Getreidespeise in Olivengröße mitgegessen hat.

2R. Naḥman sagte: Moše ordnete für Jisraél den Segen ‘Der da ernährt’ an, als ihnen das Manna herabfiel. Jehošua͑ ordnete ihnen den Segen über das Land an, als sie in das Land eingezogen waren. David und Šelomo ordneten [den Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ an. David ordnete an: ‘Über dein Volk Jisraél und über deine Stadt Jerušalem’; Šelomo ordnete an: ‘Über das große und heilige Haus’. [Den Segen] ‘Der Gute und Gütige’ ordnete man in Jabne an, ob der Erschlagenen zu Bitther. R. Mathna sagte nämlich: An dem Tage, an dem die Erschlagenen zu Bitther zum Begräbnis freigegeben wurden, ordnete man in Jabne [den Segen] ‘Der Gute und Gütige’ an; der Gute: daß sie nicht verwesten, der Gütige: daß sie zum Begräbnis freigegeben wurden.

3Die Rabbanan lehrten: Folgendes ist die Reihenfolge des Tischsegens. Der erste Segensspruch ist der Segen ‘Der da ernährt’, der zweite ist der Segen über das Land, der dritte ist ‘Der Jerušalem erbaut’, der vierte ist ‘Der Gute und Gütige’. Am Šabbath beginne man mit Trost, schließe mit Trost und erwähne der Weihe des Tages in der Mitte. R. Elie͑zer sagt, wenn man ihrer im Trostsegen erwähnen will, erwähne man, wenn im Segen über das Land, erwähne man, wenn im Segen, den die Weisen in Jabne angeordnet haben, erwähne man. Die Weisen sagen, man erwähne ihrer nirgends als im Trostsegen. –

4Die Weisen sagen ja dasselbe, was der erste Tanna!? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, wenn bereits geschehen.

5Die Rabbanan lehrten: Wo ist der Tischsegen aus der Tora zu entnehmen? – Es heißt : wenn du gegessen und dich gesättigt hast, sollst du preisen, dies ist der Segen ‘Der da ernährt; den Herrn, deinen Gott, dies ist der Vorbereitungssegen; für das Land, dies ist der Segen über das Land ; das gute, dies ist [der Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’, denn es heißt : dieses gute Gebirge und der Lebanon; das er dir gegeben hat, dies ist [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’. Ich weiß dies [vom Segen] nachher, woher, daß auch vorher? Es ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn man einen Segensspruch satt spricht, um wieviel mehr hungrig.

6Rabbi sagte: Wenn du gegessen und dich gesättigt hast, sollst du preisen, dies ist der Segen ‘Der da ernährt’; der Vorbereitungssegen (aber) geht hervor aus: verherrlicht den Herrn mit mir; für das Land, dies ist der Segen über das Land; das gute, dies ist [der Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’, denn es heißt: dieses gute Gebirge und der Lebanon; [den Segen] ‘Der Gute und Gütige’ hat man in Jabne angeordnet. Ich weiß [vom Segen] nachher, woher, daß auch vorher? Es heißt: das er dir gegeben hat, sobald er dir gegeben hat.

7R. Jiçhaq sagte: Dies ist nicht nötig; es heißt : er wird dein Brot und dein Wasser segnen, und man lese nicht ‘er wird segnen’, sondern ‘du sollst segnen’, und Brot heißt es, bevor man es gegessen hat.

8R. Nathan sagte: Dies ist nicht nötig; es heißt: wenn ihr in die Stadt kommt, findet ihr ihn, bevor er zur Höhe hinauf steigt, zu essen, denn das Volk speist nicht, ehe er kommt, da er den Segen über das Opfer spricht; nachher speisen die Geladenen. –

9Wozu [erzählten sie] dies alles? – Weil die Frauen geschwätzig sind. Šemuél sagte: Um die Schönheit Šaúls betrachten zu können, denn es heißt: von seiner Schulter an überragte er das ganze Volk. R. Joḥanan sagte: Weil die eine Regierung die andere nicht um ein Haar verdrängt.

10Ich weiß dies nur vom Segensspruche über Speisen, woher dies aber vom Segensspruche über die Tora? – R. Jišmaél sagte: Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn man über das, was zeitliches Leben gewährt, einen Segen spricht, um wieviel mehr über das, was das zukünftige ewige Leben gewährt. R. Ḥija b. Naḥmani, Schüler R. Jišmaéls, sagte im Namen R. Jišmaéls: Dies ist nicht nötig; es heißt : für das gute Land, das [er] dir gegeben hat, und dort heißt es: ich will dir geben die Steintafeln, die Lehre und das Gebot &c.

11R. Meír sagte: Woher, daß man, wie man für das Gute preist, auch für das Schlechte preisen muß? Es heißt: das dir gegeben hat der Herr, dein Gott; er ist dein Richter bei jedem Urteil, das er über dich verhängt, sei es mit dem Maße der Güte, sei es mit dem Maße der Vergeltung.

12R. Jehuda b. Bethera sagte: Dies ist nicht nötig; es heißt: gutes und das gute. ‘Gutes’ bezeichnet die Tora, denn es heißt : eine gute Belehrung habe ich euch gegeben; ‘das gute’ bezeichnet [den Segen über die] Erbauung Jerušalems, denn es heißt das gute Gebirge und der Lebanon.

13Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Wer im Segen über das Land nicht gesagt hat ‘das köstliche, gute und weite Land’, und im [Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ nicht gesagt hat ‘[über] das Reich des Hauses David’, hat seiner Pflicht nicht genügt. Naḥum der ältere sagte: Man muß darin des [Beschneidungs-]Bündnisses erwähnen. R. Jose sagte: Man muß darin der Tora erwähnen. Pelemo sagte: Man soll des [Beschneidungs-]Bündnisses vor der Tora erwähnen, denn diese wurde mit drei ‘Bündnissen’ verliehen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.