Berachot — Blatt 49a

1jenes aber (wurde gegeben) mit dreizehn ‘Bündnissen’.

2R. Abba sagte: Man soll einen Dank am Anfang und am Ende sprechen; und wer abkürzt, darf nicht mehr als um einen abkürzen, wer aber mehr als um einen abkürzt, ist tadelnswert.

3Wer den Segen über das Land schließt mit ‘der die Länder erben läßt’, oder [den Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ mit ‘der seinem Volke Jisraél hilft’, ist ein Unwissender. Wer des [Beschneidungs-]Bündnisses und der Tora im Segen über das Land, oder des Reiches des Hauses David im [Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ nicht erwähnt hat, hat seiner Pflicht nicht genügt.

4Dies ist eine Stütze für R. Ila͑; denn R. Ila͑ sagte im Namen des R. Jáqob b. Aha im Namen unseres Meisters: Wer des [Beschneidungs-]Bündnisses und der Tora im Segen über das Land, oder des Reiches des Hauses David im [Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ nicht erwähnt hat, hat seiner Pflicht nicht genügt.

5Hierüber streiten Abba Jose b. Dostaj und die Rabbanan; nach der einen Ansicht benötigt [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’ [der Nennung] des Königtums [Gottes], und nach der anderen Ansicht benötigt er nicht [der Nennung] des Königtums [Gottes]. Wer sagt, er benötige [der Nennung] des Königtums [Gottes], ist der Ansicht, er sei rabbanitisch, wer sagt, er benötige nicht [der Nennung] des Königtums [Gottes], ist der Ansicht, er sei aus der Tora.

6Die Rabbanan lehrten: Wie schließt man [den Segen über die] Erbauung Jerušalems? R. Jose b. R. Jehuda sagte: ‘Der Jisraél hilft’. – Nur: ‘der Jisraél hilft’, nicht aber: ‘der Jerušalem erbaut’!? – Sage vielmehr: auch: ‘der Jisraél hilft’.

7Rabba b. R. Hona war einst beim Exilarchen eingetroffen, und als er mit einer [Formel] begann und mit zwei beendete, sprach R. Ḥisda: Es ist eine Kühnheit, mit zwei zu beenden, wo doch gelehrt wird: Rabbi sagt, man beende nicht mit zwei.

8Der Text. Rabbi sagte: Man beende nicht mit zwei [Formeln], Levi wandte gegen Rabbi ein: [Man sagt ja:] ‘für das Land und für die Speise’!? – Für das Land, das Speise hervorbringt. – [Man sagt ja:] ‘für das Land und für die Früchte’!? – Für das Land, das Früchte hervorbringt. –

9[Man sagt ja:] ‘der Jisraél und die Zeiten heiligt’!? – Jisraél, das die Zeiten heiligt. – [Man sagt ja:] ‘der Jisraél und die Neumonde heiligt’!? – Jisraél, das die Neumonde heiligt. –

10[Man sagt ja:] ‘der den Šabbath, Jisraél und die Zeiten heiligt’!? – Ausgenommen dieser. –

11Womit ist dieser anders? – Hier ist es eins, dort sind es zwei; jedes für sich besonders. –

12Warum beende man nicht mit zwei? – Man soll die Gebote nicht bündelweise ausüben. –

13Wie bleibt es damit?

14R. Šešeth sagte: Hat man ‘erbarme dich deines Volkes Jisraél’ begonnen, so beende man ‘der Jisraél hilft’; hat man ‘erbarme dich Jerušalems’ begonnen, so beende man ‘der Jerušalem erbaut’. R. Naḥman aber sagte: Selbst wenn man ‘erbarme dich Jisraéls’ begonnen hat, beende man ‘der Jerušalem erbaut’, denn es heißt: der Herr erbaut Jerušalem, er sammelt die Verstoßenen Jisraéls; der Herr erbaut Jerušalem, wenn er die Verstoßenen Jisraéls sammelt.

15R. Zera sprach zu R. Ḥisda: Möge der Meister kommen und lehren. Dieser erwiderte: Den Tischsegen habe ich nicht erlernt, und lehren soll ich!? Jener sprach: Was soll dies bedeuten? Dieser erwiderte: Als ich einst beim Exilarchen war und den Tischsegen las, reckte R. Šešeth seinen Hals gegen mich wie eine Schlange. Und warum? Weil ich des [Beschneidungs-]Bündnisses, der Tora und des Königtums [Gottes] nicht erwähnt habe. – Warum hast du deren nicht erwähnt? – [Ich verfuhr] nach R. Ḥananél, im Namen Rabhs, denn R. Ḥananél sagte im Namen Rabhs: Wer des [Beschneidungs-]Bündnisses, der Tora und des Königturns [Gottes] nicht erwähnt hat, hat seiner Pflicht genügt. Des [Beschneidungs-]Bündnisses, weil es auf die Frauen keinen Bezug hat; der Tora und des Königtums [Gottes], weil sie weder auf Frauen noch auf Sklaven Bezug haben. – Du hast also alle jene Tannaím und Amoraím übergangen und nach Rabh verfahren!?

16Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: [der Segen] ‘Der Gute und Gütige’ benötigt [der Nennung] des Königtums [Gottes]. – Er lehrt uns damit, daß ein Segensspruch, in dem das Königtum [Gottes] nicht genannt ist, nicht Segensspruch heiße, und dies hat ja R. Joḥanan bereits einmal gesagt!? R. Zera erwiderte: Dies besagt, daß er einer zweimaligen Nennung des Königtums [Gottes] benötige: einmal für sich selbst und einmal für [den Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’. –

17Demnach sollte eine dreimalige erforderlich sein: einmal für sich selbst, einmal für ‘Der Jerušalem erbaut’ und einmal für den Segen über das Land!? Er benötigt keiner für den Segen über das Land, weil dieser ein Segensspruch ist, der sich einem anderen anschließt, ebenso sollte er keiner für [den Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ benötigen, weil dieser ein Segensspruch ist, der sich einem anderen anschließt. –

18Eigentlich sollte dies auch für [den Segen] ‘Der Jerušalem erbaut’ nicht erforderlich sein, da man aber darin des Reiches des Hauses David erwähnt, so ist es nicht schicklich, darin des Königtums [Gottes] nicht zu erwähnen. R. Papa erwiderte: Er meint es wie folgt: er benötigt einer zweimaligen Nennung des Königturns [Gottes], außer seiner eigenen.

19R. Zera saß hinter R. Gidel, und R. Gidel saß vor R. Hona und sagte : Wer sich geirrt und des Šabbaths nicht erwähnt hat, spreche: ‘Gepriesen sei er, der seinem Volke Jisraél in Liebe Šabbathe zur Ruhe gegeben hat, zum Zeichen und zum Bündnisse. Gepriesen sei er, der den Šabbath heiligt’. Dieser fragte ihn: Wer sagte dies? – Rabh.

20Alsdann sagte er ferner: Wer sich geirrt und der Festtage nicht erwähnt hat, spreche: ‘Gepriesen sei er, der seinem Volke Jisraél Festtage zur Freude und zur Erinnerung gegeben hat. Gepriesen sei er, der Jisraél und die Zeiten heiligt.’ Dieser fragte ihn: Wer sagte dies? – Rabh.

21Hierauf sagte er ferner: Wer sich geirrt und des Neumondes nicht erwähnt hat, spreche: ‘Gepriesen sei er, der seinem Volke Neumonde zur Erinnerung gegeben hat.’ Ich weiß aber nicht, ob er darin der Freude erwähnt hat, oder der Freude nicht erwähnt hat, ob er ihn geschlossen oder nicht geschlossen hat, ob [diese Lehre] von ihm selbst oder von seinem Lehrer ist.

22Einst stand Gidel b. Minjomi vor R. Naḥman, und als R. Naḥman sich irrte

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.