Berachot — Blatt 51b

1so verfahren wir erschwerend.

2«Man erhebe ihn eine Handbreite vom Boden.» R. Aḥa b. R. Ḥanina sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: einen Becher des Heiles erhebe ich, und den Namen des Herrn rufe ich an.

3«Man richte auf ihn die Augen.» Damit man seine Aufmerksamkeit von ihm nicht ablenke.

4«Auch schicke man ihn seinen Hausleuten als Gabe.» Damit seine Frau gesegnet werde.

5Einst war U͑la bei R. Naḥman eingekehrt, und nachdem er gespeist hatte, sprach er den Tischsegen und gab R. Naḥman den Becher des Segens. Da sprach R. Naḥman zu ihm: Möge doch der Meister den Becher des Segens Jalta schicken. Dieser erwiderte: So sprach R. Joḥanan: Die Leibesfrucht der Frau wird nur durch die Leibesfrucht des Mannes gesegnet, denn es heißt: er wird deine Leibesfrucht segnen; es heißt aber nicht ihre Leibesfrucht, sondern deine Leibesfrucht.

6Ebenso wird gelehrt: R. Nathan sagte: Woher, daß die Leibesfrucht der Frau nur durch die Leibesfrucht des Mannes gesegnet wird? – es heißt: er wird deine Leibesfrucht segnen; es heißt aber nicht ihre Leibesfrucht, sondern deine Leibesfrucht.

7Als Jalta dies unterdessen hörte, stand sie wütend auf, ging in die Weinkammer und zerschlug vierhundert Fässer Wein. Hierauf sprach R. Naḥman zu ihm: Möge der Meister ihr doch einen anderen Becher schicken. Da ließ er ihr sagen: Dies alles gehört zum Becher des Segens. Sie erwiderte ihm: Von Herumtreibern kommt Geschwätz, von Lumpen Ungeziefer.

8R. Asi sagte: Man spreche nicht beim Becher des Tischsegens. Ferner sagte R. Asi: Man spreche über einen Unglücksbecher nicht den Segen. – Was heißt ein Unglücksbecher? R. Nahm an b. Jiçḥaq erwiderte: Ein zweiter Becher. Ebenso wird gelehrt: Wer paarig trinkt, spreche nicht den Segen, denn es heißt: bereite dich deinem Gott vor, o Jisraél ; dieser aber tat es nicht richtig.

9R. Abahu sagte, und wie manche sagen, wurde dies in einer Barajtha gelehrt: Wer beim Essen herumgeht, lese den Tischsegen stehend, wer stehend ißt, lese den Tischsegen sitzend, und wer angelehnt ißt, setze sich hin und lese den Tischsegen. Die Halakha ist: in allen Fällen lese man den Tischsegen sitzend.

10FOLGENDE DIFFERENZEN BESTEHEN ZWISCHEN DER SCHULE ŠAMMAJS UND DER SCHULE HILLELS INBETREFF DER MAHLZEIT: DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MAN SPRECHE ZUERST DEN SEGEN [ZUR WEIHE] DES TAGES, NACHHER SPRECHE MAN DEN SEGEN ÜBER DEN WEIN; DIE SCHULE HILLELS SAGT, MAN SPRECHE ZUERST DEN SEGEN ÜBER DEN WEIN, NACHHER DEN SEGEN [ZUR WEIHE] DES TAGES.

11DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, ZUERST WASCHE MAN DIE HÄNDE, NACHHER SCHENKE MAN DEN BECHER EIN; DIE SCHULE HILLELS SAGT, ZUERST SCHENKE MAN DEN BECHER EIN, NACHHER WASCHE MAN DIE HÄNDE.

12DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MAN TROCKNE DIE HÄNDE MIT DEM TUCHE AB UND LEGE ES AUF DEN TISCH; DIE SCHULE HILLELS SAGT, AUF DAS POLSTER.

13DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, ZUERST FEGE MAN DEN TISCH AB, NACHHER WASCHE MAN DIE HÄNDE; DIE SCHULE HILLELS SAGT, ZUERST WASCHE MAN DIE HÄNDE, NACHHER FEGE MAN DEN TISCH AB.

14DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT: LICHT, SPEISE, WOHLGERÜCHE, UNTERSCHEIDUNGSSEGEN; DIE SCHULE HILLELS SAGT: LICHT, WOHLGERÜCHE, SPEISE, UNTERSCHEIDUNGSSEGEN.

15DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, [MAN SPRECHE] ‘DASS ER DAS LICHT DES FEUERS ERSCHAFFEN HAT’; DIE SCHULE HILLELS SAGT: ‘DER DIE LICHTER DES FEUERS ERSCHAFFT’.

16MAN SPRECHE DEN SEGEN NICHT ÜBER LICHT UND ÜBER WOHLGERÜCHE DER NICHTJUDEN, NOCH ÜBER LICHT UND WOHLGERÜCHE VON LEICHEN, NOCH ÜBER LICHT UND WOHLGERÜCHE EINES GÖTZEN; AUCH SPRECHE MAN ÜBER DAS LICHT DEN SEGEN NIGHT EHER, ALS BIS MAN SEIN LICHT BENUTZT HAT.

17WER GESPEIST UND VERGESSENTLICH DEN TISCHSEGEN NICHT GESPROCHEN HAT, MUSS, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, NACH SEINEM PLATZE UMKEHREN UND IHN LESEN; DIE SCHULE HILLELS SAGT, ER LESE IHN AM ORTE, WO ER SICH ERINNERT HAT. WIE LANGE MUSS MAN DEN TISCHSEGEN [NACHTRÄGLICH] SPRECHEN? BIS DIE SPEISE IM DARM VERDAUT IST.

18WENN IHNEN WEIN NACH DER MAHLZEIT VORGESETZT WIRD UND SIE NUR DEN EINEN BECHER HABEN, SO SPRECHE MAN DEN SEGEN, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, ZUERST ÜBER DEN WEIN UND NACHHER DEN SEGEN ÜBER DIE MAHLZEIT; DIE SCHULE HILLELS SAGT, MAN SPRECHE ZUERST DEN SEGEN ÜBER DIE MAHLZEIT UND NACHHER DEN SEGEN ÜBER DEN WEIN.

19MAN ANTWORTE AMEN, WENN EIN JISRAÉLIT EINEN SEGEN SPRICHT, WENN ABER EIN SAMARITANER EINEN SEGEN SPRICHT, ANTWORTE MAN AMEN NUR DANN, WENN MAN DEN GANZEN SEGENSSPRUCH GEHÖRT HAT.

20GEMARA. Die Rabbanan lehrten: [Folgende sind] die Differenzen zwischen der Schule Šammajs und der Schule Hillels inbetreff der Mahlzeit. Die Schule Šammajs sagt, man spreche zuerst den Segen [zur Weihe] des Tages, nachher spreche man den Segen über den Wein, denn der Tag veranlaßt ja, daß der Wein kommt, auch ist bereits die Weihe des Tages eingetreten, als der Wein noch nicht da war;

21die Schule Hillels sagt, man spreche zuerst den Segen über den Wein, nachher spreche man den Segen [zur Weihe] des Tages, denn der Wein veranlaßt ja, daß der Weihsegen gesprochen wird. Eine andere Begründung: Der Segen über den Wein ist häufig und der Segen [zur Weihe] des Tages ist nicht häufig, und von Häufigem und Nichthäufigem, geht das Häufige vor. Die Halakha ist wie die Schule Hillels. –

22Wozu die andere Begründung? – Man könnte sagen, jene hat zwei [Begründungen], diese nur eine, so hat auch diese zwei: der Segen über den Wein ist häufig und der Segen [zur Weihe] des Tages ist nicht häufig, und von Häufigem und Nichthäufigem, geht das Häufige vor. –

23Daß die Halakha wie die Schule Hillels ist, ist ja selbstverständlich, eine Hallstimme hat ja entschieden!? –

24Wenn du willst, sage ich: vor der Hallstimme [wurde dies gelehrt], wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich nach der Hallstimme,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.