Berachot — Blatt 52a

1jedoch nach R. Jehošua͑, welcher sagt, man beachte die Hallstimme nicht. –

2Ist denn die Schule Šammajs der Ansicht, der Segen [zur Weihe] des Tages sei vorzuziehen, es wird ja gelehrt: Wer am Šabbathausgang sein Haus betritt, spreche den Segen über den Wein, über das Licht, über die Wohlgerüche, nachher spreche er den Unterscheidungssegen; hat er aber nur einen Becher, so lasse er ihn bis nach der Mahlzeit und nachher reihe er alle an!? –

3Woher, daß hier die Ansicht der Schule Šammajs vertreten ist, vielleicht die der Schule Hillels!? –

4Dies ist nicht anzunehmen, denn er nennt zuerst das Licht und nachher die Wohlgerüche, und wir wissen von der Schule Šammajs, daß sie dieser Ansicht ist. Es wird nämlich gelehrt: R. Jehuda sagte: Die Schule Šammajs und die Schule Hillels sind einig, daß der Segen über die Speise zuerst und der Unterscheidungssegen nachher [zu sprechen sei], sie streiten nur über den Segen über das Licht und den Segen über die Wohlgerüche; die Schule Šammajs sagt, zuerst über das Licht und nachher über die Wohlgerüche, und die Schule Hillels sagt, zuerst über die Wohlgerüche und nachher über das Licht. –

5Woher, daß hier die Schule Šammajs vertreten ist, nach R. Jehuda, vielleicht ist hier die Schule Hillels vertreten, nach R. Meír!? –

6Dies ist nicht anzunehmen. Hier, in unserer Mišna, wird gelehrt: Die Schule Šammajs sagt: Licht, Speise, Wohlgerüche, Unterscheidungssegen; die Schule Hillels sagt: Licht, Wohlgerüche, Speise, Unterscheidungssegen, und dort, in der Barajtha, wird gelehrt: wenn er aber nur einen Becher hat, so lasse er ihn bis nach der Mahlzeit und nach her reihe er alle an. Schließe hieraus, daß hier die Schule Šammajs vertreten ist, nach R. Jehuda. –

7Immerhin besteht ja ein Widerspruch!? – Die Schule Šammajs ist der Ansicht, der Eintritt der Tages [weihe] sei anders als der Ausgang der Tages[ weihe ]; beim Eintritt der Tages [weihe] ist je früher desto besser, beim Ausgang der Tages [weihe] ist je später desto besser, damit er uns nicht wie eine Last erscheine. –

8Ist denn die Schule Šammajs der Ansicht, der Tischsegen benötige des Bechers, wir haben ja gelernt, daß, wenn ihnen nach der Mahlzeit Wein gereicht wird und nur der eine Becher vorhanden ist, man, wie die Schule Šammajs sagt, den Segen über den Wein spreche und nachher den Segen über die Mahlzeit; dies heißt wohl, man spreche über ihn den Segen und trinke ihn aus!? – Nein, man spreche den Segen und man lasse ihn stehen. –

9Der Meister sagte ja aber, wer den Segen spricht, müsse ihn auch kosten!? – Nachdem er gekostet hat. –

10Der Meister sagte ja aber, hat man davon gekostet, sei er unbrauchbar!? – Wenn er aus der Hand gekostet hat. – Der Meister sagte ja, der Becher des Tischsegens müsse das erforderliche Quantum haben, und er hat dann das Maß gemindert!? –

11Wenn mehr als das erforderliche Quantum vorhanden war. – Er lehrt ja aber, ist da nur der eine Becher vorhanden!? – Keine zwei, aber mehr als einer. –

12R. Ḥija lehrte ja aber, die Schule Šammajs sagt, man spreche den Segen über den Wein und trinke ihn aus, nachher spreche man den Tischsegen!? – Vielmehr, zwei Tannaím streiten über die Ansicht der Schule Šammajs.

13DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT &C.

14Die Rabbanan lehrten: Die Schule Šammajs sagt, man wasche die Hände, und nachher schenke man den Becher ein; denn wolltest du sagen, man schenke den Becher zuerst ein, so ist ja zu befürchten, die Flüssigkeit an der Außenseite des Bechers könnte durch die Hände unrein werden und den Becher unrein machen. –

15Auch die Hände selber können ja den Becher unrein machen!? –

16Die Hände sind nur zweitgradig [unrein], und bei Profanem macht das Zweitgradige nicht drittgradig, außer bei einer Flüssigkeit.

17Die Schule Hillels sagt, man schenke den Becher ein, und nachher wasche man die Hände; denn wolltest du sagen, man wasche die Hände zuerst, so ist ja zu befürchten, die Flüssigkeit könnte in der Hand durch den Becher unrein werden und die Hände verunreinigen. –

18Auch der Becher selber kann ja die Hände unrein machen!? – Ein Gefäß kann keinen Menschen unrein machen. –

19Er kann ja die in ihm befindliche Flüssigkeit unrein machen!? – Hier handelt es sich um ein Gefäß, dessen Außenseite durch Flüssigkeit unrein wurde, wo seine Innenseite rein und seine Außenseite unrein ist. Wir haben nämlich gelernt: Von einem Gefäße, dessen Außenseite durch Flüssigkeit unrein wurde, ist die Außenseite unrein,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.