Berachot — Blatt 53b
1AUCH SPRECHE MAN ÜBER DAS LICHT DEN SEGEN NICHT EHER, ALS BIS MAN SEIN LICHT BENUTZT HAT.
2R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Unter ‘benutzt’ ist nicht tatsächlich benutzt zu verstehen, sondern wenn man in der Nähe stehend das Licht benutzen könnte, selbst wenn man sich in der Ferne befindet. Ebenso sagte auch R. Aši: Wir haben es von einer entfernten Stelle gelernt.
3Man wandte ein: Wenn jemand ein Licht in seinem Busen versteckt hat, oder in einer Laterne, oder eine Flamme sieht und deren Licht nicht benutzt, oder deren Licht benutzt, aber die Flamme nicht sieht, so spreche er nicht den Segen, nur wenn er die Flamme sieht und deren Licht benutzt.
4Allerdings kann es Vorkommen, daß man das Licht benutzt und die Flamme selbst nicht sieht, wenn man an einer Ecke steht, daß man aber die Flamme sieht und deren Licht nicht benutzt, kann ja nur dann Vorkommen, wenn sie sich in der Ferne befindet!? –
5Nein, wenn sie im Erlöschen ist.
6Die Rabbanan lehrten: Über knisternde Kohlen spreche man den Segen, über verglimmende spreche man den Segen nicht. – Was heißt knisternde? R. Ḥisda erwiderte: Wenn man einen Span hineinwirft, und er sich von seihst entzündet.
7Sie fragten: Omemoth oder o͑memoth? –
8Komm und höre : R. Ḥisda b. Evdämi zitierte : Zedern verdunkeln [a͑mamuhu] ihn nicht im Garten Gottes.
9Raba aber sagte: Tatsächlich benutzt hat.
10Wie weit? – U͑la sagte: Daß man zwischen einem Assar und einem Pondion unterscheiden kann. Hizqija sagte: Daß man zwischen einem tiberjanischen Melozma und einem sepphorischen Melozma unterscheiden kann.
11R. Jehuda pflegte den Segen zu sprechen über [das Licht] im Hause Ada des Dieners; Raba pflegte den Segen zu sprechen über [das Licht] im Hause des Gorja b. Ḥama; Abajje pflegte den Segensspruch zu sprechen über [das Licht] im Hause des Bar Abuha.
12R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Man suche nicht nach Licht, wie man bei [anderen] Geboten sucht. R. Zera sagte: Anfangs pflegte ich zu suchen, als ich aber das hörte, was R. Jehuda im Namen Rabs gesagt hat, suchte ich ebenfalls nicht; wenn es sich mir gerade trifft, spreche ich den Segen.
13WER GESPEIST HAT&C. R. Zebid, manche sagen, R. Dimi b. Abba sagte: Der Streit besteht nur, wenn vergessentlich; wenn aber absichtlich, stimmen alle überein, daß man auf seinen Platz zurückkehren und den Segen sprechen muß. –
14Selbstverständlich, er lehrt ja: vergessentlich!? –
15Man könnte glauben, dies gelte auch vorsätzlich, er lehre aber deshalb den Fall, wenn vergessentlich, um dir die Ansicht der Schule Šammajs hervorzuheben, so lehrt er uns.
16Es wird gelehrt: Die Schule Hillels sprach zur Schule Šammajs: Nach eurer Ansicht müßte, wer auf der Turmspitze einer Burg gegessen hat und vergessentlich, ohne den Segen zu sprechen, herabgestiegen ist, wieder auf die Turmspitze der Burg steigen und den Segen sprechen!? Die Schule Šammajs erwiderte der Schule Hillels: Würde, nach eurer Ansicht, wer auf der Turmspitze einer Burg einen Goldbeutel vergessen hat, nicht wieder hinaufsteigen und ihn holen!? Wenn man dies in eigenem Interesse tut, um wieviel mehr tue man es zur Ehre des Himmels.
17Einst waren zwei Jünger, von denen einer vergessentlich nach der Schule Šammajs verfuhr, und er fand einen Geldbeutel, und der andere vorsätzlich nach der Schule Hillels verfuhr, und ein Löwe fraß ihn.
18Rabba b. Bar Ḥana reiste mit einer Karawane; als er einst gegessen und den Tischsegen zu sprechen vergessen hatte, sprach er: Was mache ich nun: sage ich ihnen, daß ich den Tischsegen zu sprechen vergessen habe, so antworten sie mir: sprich ihn [hier], denn wo du ihn auch sprichst, sprichst du ihn für den Allbarmherzigen; lieber sage ich ihnen, daß ich eine goldene Taube vergessen habe. Hierauf sprach er zu ihnen: Wartet auf mich, ich habe eine goldene Taube vergessen. Alsdann kehrte er um, und nachdem er den Tischsegen gesprochen hatte, fand er eine goldene Taube. –
19Warum gerade eine Taube? – Weil die Gemeinschaft Jisraéls mit einer Taube verglichen wird, wie es heißt: Flügel einer Taube, mit Silber bedeckt, and ihre Fittiche mit dem Rotgelb des Goldes. Wie die Taube sich durch ihre Flügel rettet, so rettet sich auch Jisraél durch die Gebote.
20BIS WIE LANGE &C.
21Wie lange währt die Verdauung? R. Joḥanan sagte: Solange man nicht hungrig wird. Reš Laqiš sagte: Solange man vom Essen Durst hat.
22R. Jemar b. Šelemja sprach zu Mar Zuṭra, manche sagen, R. Jemar b. Šezbi zu Mar Zuṭra: Kann denn Reš Laqiš dies gesagt haben, R. Ami sagte ja im Namen des Reš Laqiš, die Verdauung dauere solange, als man vier Mil gehen kann!? –
23Das ist kein Einwand; dies nach einem kräftigen Essen, jenes nach einem leichten Essen.
24WENN IHNEN WEIN VORGESETZT WIRD &C.
25Demnach antworte man [Amen nach dem Segen] eines Jisraéliten, auch wenn man den ganzen Segensspruch nicht gehört hat; – wie kann man der Pflicht genügen, wenn man ihn nicht gehört hat!?
26Ḥija b. Rabh erwiderte: Wenn man mit ihnen nicht gespeist hat. Ebenso sagte R. Naḥman im Namen des Rabba b. Abuha: Wenn man mit ihnen nicht gespeist hat. Rabh sprach zu seinem Sohn Ḥija: Mein Sohn, hasche [nach dem Becher] und sprich den Segen. Ebenso sagte R. Hona zu seinem Sohn Rabba: Hasche [nach dem Becher] und sprich den Segen. –
27Demnach ist, wer den Segen spricht, bevorzugter als der, der Amen antwortet, dagegen wird gelehrt, R. Jose sagte, wer Amen antwortet, sei bedeutender als der, der den Segen spricht!?
28[Und auch] R. Nehoraj sprach zu ihm: Beim Himmel, so ist es. Du siehst ja, die Lanzknechte treten vor und greifen an, und die Helden folgen und erringen den Sieg. –
29[Hierüber streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: Sowohl, wer den Segen spricht, wie auch, wer Amen antwortet, ist damit gemeint, nur daß man den, der den Segen spricht, schneller [belohnt] als den, der Amen antwortet.
30Šemuél fragte Rabh: Antwortet man Amen, wenn Schulkinder [den Segen lernen]? Dieser erwiderte: Nach jedem [Segen] antworte man Amen, ausgenommen nach dem der Schulkinder, da sie ihn nur zur Übung hersagen. Dies nur, wenn sie nicht die Haphtara lesen, wenn sie aber die Haphtara lesen, antworte man [Amen].
31Die Rabbanan lehrten: Das Öl hält den Tischsegen auf – so R. Zilaj; R. Zivaj sagt, es halte ihn nicht auf; R. Aha sagte: Wohlriechendes Öl hält auf. R. Zuhamaj sagte: Wie ein Beschmutzter beim Tempeldienst unzulässig ist, so sind beschmutzte Hände beim Tischsegen unzulässig.
32R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Ich kenne weder Zilaj, noch Zivaj, noch Zuhamaj, ich kenne nur folgende Lehre: R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Ihr sollt euch heiligen, dies ist das Waschen vor Tisch; ihr sollt heilig sein, dies ist das Waschen nach Tisch; denn heilig, dies ist das Öl; ich, der Herr, euer Gott, dies ist der Segensspruch.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.