Berachot — Blatt 54b

1und machten sich Erdschluchten, worin sie sich versteckten, indem sie dachten: sobald die Jisraéliten hier vorüberziehen, töten wir sie. Sie wußten aber nicht, daß die Lade vor Jisraél zog und die Berge vor ihnen ebnete. Als die Lade herankam, schlossen sich die Berge aneinander und töteten sie, sodaß ihr Blut in die Arnonbäche floß. Hierauf kamen Eth und Heb heran, und als sie Blut zwischen den Bergen hervorfließen sahen, gingen sie und erzählten es Jisraél, und sie stimmten ein Lied an. Daher heißt es: Und die Ergießung der Bäche, die sich ausdehnte bis zum Sitze von A͑r und stieß an die Grenze Moábs.

2«Elgabiš-Steine.» Was sind Elgabiš-Steine? –

3Es wird gelehrt: Steine die durch einen Mann aufgehalten wurden und durch einen Mann herabfielen. Sie wurden aufgehalten durch einen Mann, das ist Moše, denn es heißt: der Mann Moše war sehr demütig, und es heißt: und Donner und Hagel hörten auf, der Regen strömte nicht mehr zur Erde. Sie fielen herab durch einen Mann, das ist Jehošua͑, denn es heißt: nimm dir Jehošua͑, den Sohn Nuns, einen Mann von Geist &c., und es heißt : und es geschah, als sie vor (den Kindern) Jisraéls flohen, sie waren am Abhange von Beth Ḥoron, da warf der Herr auf sie große Steine.

4«Den Stein, den O͑g, König von Bašan, auf Moše werfen wollte.» Das ist eine Überlieferung: Er sprach: Das Lager Jisraéls ist drei Parasangen groß; ich will gehen und einen Berg von drei Parasangen ausreißen, ihn auf sie werfen und sie töten. Alsdann ging er und riß einen Berg von drei Parasangen aus und trug ihn auf seinem Kopfe. Da brachte der Heilige, gepriesen sei er, auf diesen Ameisen, die ihn durchlochten, sodaß er ihm auf den Hals fiel.

5Als er ihn abwerfen wollte, dehnten sich seine Zähne nach der einen Seite und nach der anderen Seite aus, und er konnte ihn nicht abwerfen. Daher heißt es: die Zähne der Frevler hast du zerbrochen. Dies nach R. Šimo͑n b. Laqiš, denn R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Es heißt: die Zähne der Frevler hast du zerbrochen, und man lese nicht šibarta [zerbrochen], sondern širbabta [groß werden lassen].

6Wie groß war Moše? Zehn Ellen. Er nahm eine Axt von zehn Ellen, sprang zehn Ellen hoch, schlug ihn am Fußgelenk und tötete ihn.

7«Den Stein, auf dem Moše saß.» Wie es heißt: die Hände Mošes waren schwer geworden, da nahmen sie einen Stein, legten ihn unter ihn, und er setzte sich darauf.

8«Die Frau Loṭs.» Wie es heißt : seine Frau schaute hinter sich, und sie ward eine Salzsäule. «Die Mauer von Jeriḥo, die versunken ist.» Wie es heißt : die Mauer stürzte unter sich zusammen.

9Einleuchtend ist es bei allen Wundertaten, bei der Frau Loṭs aber war es ja eine Strafe!? – Man spreche: ‘Gepriesen sei der Richter der Wahrheit’. –

10Er lehrt ja aber: Dank und Lob!? – Lies: über Loṭ und seine Frau spreche man zwei Segenssprüche; über seine Frau spreche man: ‘Gepriesen sei der Richter der Wahrheit’, über Loṭ spreche man: ‘Der der Gerechten gedenkt’. R. Joḥanan sagte: Sogar in seinem Zorne gedenkt der Heilige, gepriesen sei er, der Gerechten, denn es heißt: und es geschah, als Gott die Städte des Umkreises verdarb, da gedachte Gott Abrahams und schichte Loṭ aus der Zerstörung weg.

11«Die Mauer von Jeriḥo, die versunken ist.» Ist denn die Mauer von Jeriḥo versunken, sie ist ja eingestürzt, denn es heißt: und es geschah, als das Volk die Stimme der Posaune hörte, da erhob das Volk einen großen Freudenlärm, und die Mauer stürzte unter sich zusammen. – Da ihre Breite und ihre Höhe gleich waren, so muß sie versunken sein.

12R. Jehuda sagte: Vier müssen einen Danksegen sprechen: die das Meer befahren, die in der Wüste reisen, wer krank war und genesen ist, und wer im Gefängnis eingesperrt war und frei geworden ist.

13Woher dies von denen, die das Meer befahren? – Es heißt: die zu Schiff das Meer fahren. Sie schauten die Taten des Herrn. Ferner: und er ließ einen Sturmwind entstehen. Sie steigen bis zum Himmel und sinken bis zum Abgrund. Ferner: sie taumeln und wanken gleich einem Trunkenen. Ferner: in ihrer Not schrieen sie zum er errettete sie aus ihrer Bedrängnis. Ferner: er bringt den Sturm zum Schweigen. Ferner: sie freuen sich, daß sie ruhig geworden. Ferner: sie mögen dem Herrn für seine Güte danken, und wegen seiner Wunder für die Menschenkinder. –

14Woher dies von denen, die in der Wüste reisen? – Es heißt: sie irrten in der Wüste umher, auf ödem Wege, und fanden keine bewohnte Stadt. Da schrieen sie zum Herrn und er führte sie auf den geraden Weg. Sie mögen dem Herrn für seine Güte danken. –

15Woher dies von dem, der krank war und genesen ist? – Es heißt : Toren werden durch ihren frevelhaften Wandel und durch ihre Sünden geplagt. Jegliche Speise verabscheut ihre Seele. In ihrer Not schrieen sie zum Herrn. Er sendet sein Wort und heilt sie &c. Sie mögen dem Herrn für seine Güte danken. –

16Woher dies von dem, der im Gefängnis eingesperrt war? – Es heißt: die in Finsternis und Dunkelheit sitzen. Weil sie den Worten Gottes wider gehandelt &c. Ferner: und er beugte ihr Herz durch Mühsal &c. Ferner: sie schrieen in ihrer Not zum Herrn. Ferner: er führt sie aus Dunkelheit und Finsternis heraus &c. Ferner: sie mögen dem Herrn für seine Güte danken. –

17Wie lautet der Segen? R. Jehuda sagte: ‘Gepriesen sei er, der Liebestaten angedeihen läßt’. Abajje sagte: Man soll den Danksegen vor zehn [Personen] sprechen, denn es heißt: sie erheben dich vor einer Versammlung des Volkes &c. Mar Zuṭra sagte: Zwei von diesen müssen Gelehrte sein, denn es heißt: und in der Sitzung von Ältesten lobpreisen sie ihn.

18R. Aši wandte ein: Demnach müssen sie ja alle Gelehrte sein!? – Es heißt nicht: vor einer Versammlung von Ältesten, es heißt: vor einer Versammlung des Volkes. – Vielleicht von zehn aus dem Volke und zwei Gelehrten!? – Eine Frage.

19R. Jehuda war krank, und als er genas, besuchten ihn R. Ḥana aus Bagdad und die Rabbanan, und sie sprachen (zu ihm): Gepriesen sei der Allbarmherzige, der dich uns wiedergegeben und dich nicht dem Staube übergeben hat. Da sprach er zu ihnen: Ihr habt mich der Pflicht des Danksegens enthoben. –

20Abajje sagte ja aber, daß man den Danksegen vor zehn [Personen] sprechen muß!? – Er antwortete nachher ‘Amen’.

21R. Jehuda sagte: Drei benötigen der Bewachung, und zwar: Der Kranke, der Bräutigam und die Braut. In einer Barajtha wird gelehrt: Der Kranke, die Wöchnerin, der Bräutigam und die Braut. Manche sagen: Auch der Leidtragende. Manche sagen: Auch Schriftgelehrte in der Nacht.

22Ferner sagte R. Jehuda: Drei Dinge verlängern die Tage und die Jahre des Menschen: wenn man sein Gebet in die Länge zieht, wenn man lange bei Tisch verweilt und wenn man lange im Aborte verweilt. –

23Ist es denn was Gutes, sein Gebet in die Länge zu ziehen, R. Ḥija b. Abba sagte ja im Namen R. Joḥanans,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.