Berachot — Blatt 56b

1Hierauf band man zwei Zedern mit einem Stricke zusammen, dann band man ihm das eine Bein an die eine Zeder und das andere Bein an die andere Zeder. Als der Strick gelöst und ihm der Kopf abgenommen wurde, ging jede [Zeder] zurück und kam an ihren Ort, und er ward in zwei Teile geteilt.

2Ben Dama, der Schwesterssohn R. Jišma͑éls, fragte R. Jišma͑él: Ich sah [im Traume] meine zwei Kinnbacken herausfallen. Dieser erwiderte: Zwei Große Roms haben wider dich Böses gesonnen und sind gestorben.

3Bar Qappara sprach zu Rabbi: Ich sah meine Nase herabfallen. Dieser erwiderte: Die Zornglut hat sich von dir abgewendet. Jener sprach: Ich sah, daß meine beiden Hände abgeschnitten wurden. Dieser erwiderte: Du wirst deiner Hände Arbeit nicht mehr benötigen. Jener sprach: Ich sah, daß meine beiden Füße abgehauen wurden. Dieser erwiderte: Du wirst auf einem Pferde reiten. Jener sprach: Ich sah, daß man zu mir sagte: Im Adar stirbst du, den Nisan wirst du nicht mehr sehen. Dieser erwiderte: In Ehren wirst du sterben und zur Versuchung wirst du nicht kommen.

4Ein Minäer sprach zu R. Jišma͑él: Ich sah, daß ich Olivenbäume mit Olivenöl begoß. Dieser erwiderte ihm: Er hat seine Mutter beschlafen. Jener sprach: Ich sah, daß ich einen Stern ausriß. Dieser erwiderte: Du hast einen Jisraéliten gestohlen. Jener sprach: Ich sah, daß ich einen Stern verschlang. Dieser erwiderte: Du hast den Jisraéliten verkauft und den Erlös verzehrt. Jener sprach: Ich sah, daß meine Augen einander berührten. Dieser erwiderte: Er hat seine Schwester beschlafen. Jener sprach: Ich sah, daß ich den Mond küßte. Dieser erwiderte: Er hat die Frau eines Jisraéliten beschlafen. Jener sprach: Ich sah, daß ich in den Schatten einer Myrte trat. Dieser erwiderte: Er hat eine verlobte Jungfrau beschlafen. Jener sprach: Ich sah den Schatten über mir und mich selbst unten. Dieser erwiderte: Er hat sein Lager umgewendet. Jener sprach: Ich sah Raben auf mein Bett zukommen. Dieser erwiderte: Deine Frau hat mit vielen Männern gebuhlt. Jener sprach: Ich sah Tauben auf mein Bett zukommen. Dieser erwiderte: Du hast viele Frauen befleckt. Jener sprach: Ich sah, daß ich zwei Tauben hielt und sie fortflogen. Dieser erwiderte: Du hast zwei Frauen genommen und sie ohne Scheidebrief fortgeschickt.

5Jener sprach: Ich sah, daß ich Eier schälte. Dieser erwiderte: Du hast Leichen beraubt. Jener sprach: Alles ist an mir, dieses aber nicht. Währenddessen kam eine Frau heran und rief ihm zu: Dieses Gewand, das du anhast, gehörte jenem Manne, der gestorben ist, du hast ihn beraubt.

6Jener sprach ferner: Ich träumte, man habe mir berichtet: Dein Vater hinterließ dir Güter in Kappadokien. Dieser sprach: Hast du Güter in Kappadokien? Jener erwiderte: Nein. – Ging dein Vater nach Kappadokien? Jener erwiderte: Nein. Da sprach dieser: Wenn dem so ist, [so bedeutet] Kappa einen Balken und deka [heißt] zehn; geh und untersuche den ersten der zehn Balken, der voll Geld ist. Hierauf ging er hin und fand, daß er voll Geld war.

7R. Ḥanina sagte: Wer einen Brunnen im Traume sieht, sieht Frieden, denn es heißt: die Knechte Jiçhaqs gruben im Tale und fanden dort einen Brunnen lebendigen Wassers. R. Nathan sagte: Er findet die Tora, denn es heißt: wer mich findet, findet Leben, und dort heißt es: einen Brunnen lebendigen Wassers. Raba sagte: Wirkliches Leben.

8R. Ḥanan sagte: Drei [Dinge bedeuten] Frieden: der Strom, der Vogel und der Topf. Der Strom, denn es heißt: siehe, ich wende ihr gleich einem Strome Frieden zu. Der Vogel, denn es heißt: gleich flatternden Vögeln wird sie der Herr beschützen &c. Der Topf, denn es heißt: Herr, du läßt uns Frieden angedeihen. R. Ḥanina sagte: Nur ein Topf, in dem kein Fleisch ist, denn es heißt: sie zerbrechen, wie das, was im Topfe, und wie das Fleisch im Kessel.

9R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wer einen Strom im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: siehe, ich wende ihr gleich einem Strome Frieden zu, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: gleich einem Strome kommt der Feind. Wer einen Vogel im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: gleich flatternden Vögeln wird beschützen &c., ehe ihm ein anderer Vers einfällt: gleich einem Vogel, der aus seinem Neste fortwandert &c. Wer einen Topf im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: Herr, du läßt uns Frieden angedeihen, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: setze auf den Topf, setze auf.

10Wer Trauben im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: gleich Trauben in der Wüste, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: ihre Trauben sind Gifttrauben. Wer einen Berg im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: wie reizend sind auf den Bergen die Tritte des Heilboten, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: auf den Bergen erhebe ich Jammer und Klage.

11Wer eine Posaune im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: und es wird geschehen, an jenem Tage wird in eine große Posaune gestoßen werden, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: stoßet in die Posaune, in Gibea͑.

12Wer einen Hund im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: und gegen alle Kinder Jisraéls wird ein Hund seine Zunge nicht schärfen, ehe ihm ein anderer Vers einfällt : die Hunde sind gierig. Wer einen Löwen im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: der Löwe brüllt, wer fürchtet nicht, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: der Löwe steigt von seinem Dickicht herauf.

13Wer Haarschneiden im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: er schor sich das Haar und wechselte seine Kleider, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: wenn ich geschoren werde, so weicht meine Kraft von mir. Wer einen Brunnen im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: ein Brunnen lebendigen Wassers, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: wie ein Brunnen sein Wasser quellen läßt. Wer ein Rohr im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: ein geknicktes Rohr zerbricht er nicht, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: siehe, du hast auf die Stütze eines geknickten Rohres vertraut.

14Die Rabbanan lehrten: Wer ein Rohr im Traume sieht, hoffe auf Weisheit, denn es heißt: erwirb Weisheit. Wer Rohre [sieht], hoffe auf Vernunft, denn es heißt: unter all deinen Erwerbungen, erwirb Vernunft. R. Zera sagte: Kürbis, Palmkraut, Wachs und Rohr sind sämtlich im Traume von guter Bedeutung. Es wird gelehrt: Man läßt niemanden Kürbis sehen, als den, der mit ganzer Kraft Gott fürchtet.

15Wer einen Ochsen im Traume sieht, stehe morgens auf und spreche: der Erstgeborene seines Ochsen ist ihm eine Pracht, ehe ihm ein anderer Vers einfällt: wenn ein Ochs einen Menschen stößt.

16Die Rabbanan lehrten: Fünf Dinge wurden vom Ochsen gesagt: Wer [im Traume] von seinem Fleische ißt, wird reich; wen er stößt, wird Kinder haben, die sich in der Tora bekämpfen; wen er beißt, über den werden Leiden kommen; wen er tritt, dem steht eine weite Reise bevor; und wer auf ihm reitet, gelangt zur Größe. –

17Es wird ja aber gelehrt, reitet er auf ihm, so stirbt er!? – Das ist kein Widerspruch; das eine, wenn er auf dem Ochsen reitet, das andere, wenn der Ochs auf ihm reitet.

18Wer einen Esel im Traume sieht, hoffe auf das Heil, denn es heißt: dein König kommt zu dir, gerecht und hilfreich ist er; ein Demütiger, auf einem Esel reitend. Wer eine Katze im Traume sieht, in einem Orte, wo man sie Šunara nennt, dem wird ein schönes Lied gemacht, wo man sie Šinara nennt, den trifft eine böse Veränderung. Wenn man Trauben im Traume sieht, so ist dies, falls weiße, sowohl zur Zeit, als auch außer der Zeit, immer gutbedeutend, falls schwarze, zur Zeit gutbedeutend, außer der Zeit schlechtbedeutend. Wenn man ein weißes Pferd im Traume sieht, ob im Schritt oder im Trabe, ist es immer gutbedeutend, wenn ein braunes, so ist es im Schritt gutbedeutend, im Trabe schlechtbedeutend.

19Wer Jišma͑él im Traume sieht, dem wird das Gebet erhört; aber nur Jišma͑él, den Sohn Abrahams, nicht aber einen gewöhnlichen Araber. Wer ein Kamel im Traume sieht, über den war im Himmel der Tod verhängt worden, und man hat ihn davon errettet. R. Ḥama b. R. Ḥanina sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: ich werde mit dir nach Miçrajim hinabziehen, und ich werde dich auch heraufführen. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Hieraus: auch hat dir der Herr deine Sünde verziehen, du wirst nicht sterben.

20Wer Pinḥas im Traume sieht, dem geschieht ein Wunder. Wer einen Elefanten im Traume sieht, dem geschehen Wunder; wer Elefanten, dem geschehen Wunder über Wunder. –

21Es wird ja aber gelehrt, alle Arten Tiere seien im Traume gutbedeutend, ausgenommen der Elefant und der Affe!? – Das ist kein Widerspruch;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.