Berachot — Blatt 57a
1dies, wenn er einen Reitkorb aufhat, jenes, wenn er keinen Reitkorb aufhat. Wer Hona im Traume sieht, dem geschieht ein Wunder; wer Ḥanina, Ḥananja, Joḥanan, dem geschehen Wunder über Wunder. Wer eine Trauerfeier im Traume sieht, der ist im Himmel verschont und erlöst worden. Dies alles aber nur, wenn geschrieben.
2Wer ‘Dessen großer Name sei gepriesen’ antwortet, der sei sicher, daß er ein Kind der zukünftigen Welt ist. Wer das Šema͑ liest, der ist würdig, daß die Göttlichkeit auf ihm ruhe, nur ist sein Zeitalter dessen nicht würdig.
3Wer Tephillin im Traume anlegt, der hoffe auf Größe, denn es heißt: alle Völker der Erde werden sehen, daß der Name des Herrn über dich genannt wird &c., worüber gelehrt wird, R. Elie͑zer der Große sagte, dies seien die Tephillin des Hauptes. Wer im Traume betet, für den ist dies ein gutes Zeichen, aber nur, wenn er nicht beendet hat.
4Wer im Traume seine Mutter beschläft, der hoffe auf Vernunft, denn es heißt: die Vernunft sollst du Mutter nennen. Wer eine verlobte Jungfrau beschläft, hoffe auf die Tora, denn es heißt: die Tora hat uns Moše anbefohlen, ein Erbteil für die Gemeinde Ja͑qobs, und man lese nicht moraša [Erbteil], sondern meórasa [Verlobte]. Wer seine Schwester im Traume beschläft, hoffe auf Weisheit, denn es heißt: sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester. Wer ein Eheweib im Traume beschläft, sei sicher, daß er ein Kind der zukünftigen Welt ist; jedoch nur, wenn er sie nicht kennt und abends an sie nicht gedacht hat.
5R. Ḥija b. Abba sagte: Wer Weizen im Traume sieht, sieht Frieden, denn es heißt: der Frieden in deinen Grenzen schafft, und dich mit dem Fette des Weizens sättigt. Wer Gerste [seorim] im Traume sieht, von dem sind seine Missetaten gewichen [saru], denn es heißt: deine Missetat ist gewichen und deine Sünde wird vergeben. R. Zera sagte: Ich zog nicht eher aus Babylonien nach dem Jisraélland hinauf, als bis ich Gerste im Traume gesehen hatte.
6Wer im Traume beladene Weinstöcke sieht, dessen Frau gebärt keine Fehlgeburten, denn es heißt: deine Frau gleicht einem fruchtbaren Weinstocke. Wer einen Rebenzweig [sieht], der hoffe auf den Messias, denn es heißt: der an den Weinstock seinen Esel bindet und an den Rebenzweig seinen jungen Esel.
7Wer einen Feigenbaum im Traume sieht, dem bleibt die Tora in seinem Innern bewahrt, denn es heißt: wer den Feigenbaum pflegt, ißt seine Frucht. Wer Granatäpfel im Traume sieht, falls kleine, dessen Geschäft wird sich wie ein Granatapfel vermehren, falls große, dessen Geschäft wird sich wie ein Granatapfel vergrößern, falls halbe, so hoffe er, wenn er Schriftgelehrter ist, auf die Tora, denn es heißt: ich will dich mit gewürztem Weine tränken, mit dem Safte der Granatäpfel, und wenn er aus dem gemeinen Volke ist, auf gottgefällige Werke, denn es heißt: wie die Hälfte des Granatapfels ist deine Wange [raqathekh], und raqathekh bedeutet, daß sogar die Leeren [reqanin] unter dir wie ein Granatapfel voll sind mit gottgefälligen Werken.
8Wer Oliven im Traume sieht, und zwar kleine, dessen Geschäft vermehrt und vergrößert sich und gedeiht wie die Oliven; jedoch nur, wenn er die Frucht [sieht], wenn aber Bäume, so bekommt er viele Kinder, denn es heißt: deine Kinder wie die Sprößlinge der Olivenbäume &c. Manche sagen: Wer einen Olivenbaum im Traume sieht, über den wird sich ein guter Ruf verbreiten, denn es heißt: einen belaubten Olivenbaum, schön an Frucht und Gestalt, hat der Herr deinen Namen genannt. Wer Olivenöl im Traume sieht, der hoffe auf das Licht der Tora, denn es heißt: daß sie dir klares Olivenöl bringen. Wer Datteln [temarim] im Traume sieht, dessen Missetaten verschwinden, denn es heißt: verschwunden [tam] ist deine Missetat, Tochter Çijon.
9R. Joseph sagte: Wer eine Ziege im Traume sieht, dem wird das Jahr gesegnet; wer Ziegen, dem werden Jahre gesegnet, denn es heißt: und genug Ziegenmilch zu deiner Nahrung. Wer eine Myrte im Traume sieht, dem werden seine Güter glücklich gedeihen; wenn er aber keine Güter hat, so wird ihm eine Erbschaft aus anderer Stelle zufallen. U͑la sagte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Dies nur, wenn er sie an ihrem Stamme sieht. Wer einen Etrog im Traume sieht, der ist seinem Herrn wohlgefällig, denn es heißt: Früchte des gefälligen Baumes, Palmzweige. Wer einen Feststrauß [Lulab] im Traume sieht, dessen Herz [lo leb] ist einzig für seinen Vater im Himmel.
10Wer eine Gans im Traume sieht, hoffe auf Weisheit, denn es heißt: die Weisheit ruft auf der Straße; wer sie beschläft, wird Schuloberhaupt. R. Aši sagte: Ich sah sie und beschlief sie, und bin zur Würde gelangt.
11Wer einen Hahn im Traume sieht, hoffe auf ein männliches Kind; wer Hähne, hoffe auf männliche Kinder; wer eine Henne, hoffe auf einen schönen Garten und auf Freude. Wer Eier im Traume sieht, dessen Bitte befindet sich in der Schwebe; werden sie zerschlagen, so ist seine Bitte gewährt worden. Dasselbe gilt auch von Nüssen, Gurken, sowie von allen Glasgefäßen und dergleichen Zerbrechlichem.
12Wer in eine Großstadt kommt, dem werden seine Wünsche erfüllt, denn es heißt: er führte sie an das Ziel ihres Wunsches. Wer sein Haupt im Traume schert, für den ist dies ein gutes Zeichen; wenn Haupt und Bart, dann für ihn und für seine ganze Familie.
13Wer in einem kleinen Boote sitzt, über den verbreitet sich ein guter Ruf; wenn in einem großen Boote, dann über ihn und seine ganze Familie. Dies aber nur dann, wenn es in die Höhe gehoben wird.
14Wer im Traume die Notdurft verrichtet, für den ist dies ein gutes Zeichen, denn es heißt: der unterdrückte eilt, sich loszulösen. Dies aber nur dann, wenn er sich nicht abgewischt hat.
15Wer im Traume auf ein Dach steigt, gelangt zur Würde; wer herabsteigt, sinkt von seiner Würde herab. Abajje und Raba sagen beide: Sobald er heraufgestiegen ist, bleibt es beim Aufstiege. Wer im Traume seine Kleider zerreißt, dem zerreißt man das über ihn gefällte Urteil. Wer im Traume nackt steht, der steht, wenn in Babylonien, bar von Sünden, wenn im Jisraélland, bar von gottgefälligen Handlungen. Wer vom Vogt ergriffen wird, dem wird Schutz zuteil werden; hat man ihm Halsfesseln angelegt, so wird ihm Schutz über Schutz zuteil werden; indes nur eine Halsfessel, nicht aber gewöhnliche Stricke.
16Wer im Traume in einen Sumpf geht, der wird Schuloberhaupt; wer in einen Wald [geht], wird Oberhaupt beim Vortrag.
17R. Papa und R. Hona, Sohn R. Jehošua͑s, sahen einen solchen Traum; R. Papa, der in einen Sumpf ging, wurde Schuloberhaupt, R. Hona, Sohn R. Jehošua͑s, der in einen Wald ging, wurde Oberhaupt beim Vortrag. Wie manche sagen, gingen beide in einen Sumpf, allein R. Papa, der eine Pauke trug, wurde Schuloberhaupt, R. Hona, Sohn R. Jehošua͑s, der keine Pauke trug, wurde Oberhaupt beim Vortrag. R. Aši sagte: Ich ging in einen Sumpf, trug eine Pauke und schlug damit Lärm.
18Ein Schüler rezitierte vor R. Naḥman b. Jiçḥaq: Wer sich im Traume zur Ader läßt, dem werden seine Missetaten verziehen. –
19Es wird ja aber gelehrt, seine Missetaten werden ihm geordnet!? – «Geordnet» heißt eben zum Verzeihen geordnet.
20Ein Schüler rezitierte vor R. Šešeth: Wer eine Schlange im Traume sieht, dem liegt sein Erwerb bereit; biß sie ihn, so wird er ihm verdoppelt; tötete er sie, so verliert er seinen Erwerb. R. Šešeth sprach zu ihm: Um so mehr, daß ihm sein Erwerb verdoppelt wird. Das ist aber nichts; R. Šešeth hatte im Traume eine Schlange gesehen und sie erschlagen.
21Ein Schüler rezitierte vor R. Joḥanan: Alle Arten Getränke sind im Traume gutbedeutend, ausgenommen der Wein; mancher trinkt ihn, und dies ist für ihn gutbedeutend, mancher trinkt ihn, und dies ist für ihn schlechtbedeutend. Mancher trinkt ihn, und dies ist für ihn gutbedeutend, denn es heißt: der Wein erheitert das Herz des Menschen; mancher trinkt ihn, und dies ist für ihn schlechtbedeutend, denn es heißt: gebet Berauschendes dem Untergehenden, Wein den Betrübten.
22Da sprach R. Joḥanan zum Schüler: Rezitiere: für einen Schriftgelehrten ist er immer gutbedeutend, denn es heißt: kommet, esset von meinem Brote, trinket von meinem gemischten Weine.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.