Beza — Blatt 14b

1Raba erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine für uns, das andere für sie.

2Als einst R. Papi bei Mar Šemuél eingekehrt war und man ihm Graupenbrei vorsetzte, aß er davon nicht. – Vielleicht machte man [die Graupen] in einem kleinen Mörser!? – Er sah, daß sie sehr fein waren. –

3Vielleicht waren sie vom vorangehenden Tage!? – Er sah, daß sie noch vom Schälen glänzten. Wenn du willst, sage ich: anders war es im Hause des Mar Šemuél, wegen der Lasterhaftigkeit der Diener.

4WER AM FESTTAGE HÜLSENFRÜCHTE LIEST, LESE, WIE DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, DAS ESSBARE HERAUS UND ESSE, UND WIE DIE SCHULE HILLELS SAGT, WIE GEWÖHNLICH, IM SCHOSSE, IN EINEM KÖRBCHEN ODER IN EINER SCHÜSSEL, JEDOCH NICHT AUF EINEM TABLETT, IN EINER SCHWINGE ODER EINEM SIEBE. R. GAMLIÉL SAGT, MAN DÜRFE SIE SOGAR IN WASSER SPÜLEN UND [DEN ABFALL] ABSCHÖPFEN.

5GEMARA. Es wird gelehrt: R. Gamliél sagte: Diese Worte gelten nur, wenn das Eßbare mehr ist als der Abfall, wenn aber der Abfall mehr ist als das Eßbare, stimmen alle überein, daß man nur das Eßbare herauslesen und den Abfall zurücklassen dürfe. –

6Gibt es denn jemand, der es erlaubt, wenn der Abfall mehr ist als das Eßbare!? – In dem Falle, wenn es viel Arbeit macht und quantitativ wenig ist.

7R. GAMLIÉL SAGT, MAN DÜRFE SIE SOGAR IN WASSER SPÜLEN UND [DEN ABFALL] ABSCHÖPFEN. Es wird gelehrt: R. Elea͑zar b.Çadoq erzählte: Im Hause R. Gamliéls verfuhr man wie folgt: Man holte einen Eimer voll Linsen und übergoß sie mit Wasser, sodaß das Eßbare unten blieb und der Abfall nach oben schwamm. –

8Es wird ja aber entgegengesetzt gelehrt!? – Das ist kein Widerspruch; das eine gilt von Sand, das andere von Spreu.

9DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, MAN DÜRFE AM FESTTAGE [SEINEM NÄCHSTEN] NUR FERTIGE PORTIONEN SCHICKEN; DIE SCHULE HILLELS SAGT, MAN DÜRFE AUCH VIEH, WILD UND GEFLÜGEL SCHICKEN, OB LEBEND ODER GESCHLACHTET. MAN DARF WEIN, ÖL, FEINES MEHL UND HÜLSENFRÜGHTE SCHICKEN, JEDOCH KEIN GETREIDE; R. ŠIMO͑N ERLAUBT AUCH GETREIDE.

10GEMARA. R. Jeḥiél lehrte: Jedoch keine Gruppe. Es wird gelehrt: Eine Gruppe besteht aus nicht weniger als drei Personen. R. Aši fragte: Wie ist es bei drei Personen mit drei verschiedenen Arten? – Dies bleibt unentschieden.

11R.ŠIMO͑N ERLAUBT AUCH GETREIDE. Es wird gelehrt: R. Šimo͑n erlaubt auch Getreide: Weizen, woraus man eine Lydierspeise machen kann, Gerste, die man seinem Vieh geben kann, und Linsen, woraus man Grütze machen kann.

12MAN DARF KLEIDER SCHICKEN, OB GENÄHT ODER UNGENÄHT, SELBST WENN MISCHGEWEBE AN IHNEN IST, WENN SIE NUR ZUM FESTE NÖTIG SIND; JEDOCH KEINE GENAGELTE SANDALE UND KEINEN UNGENÄHTEN SCHUH. R. JEHUDA SAGT, AUCH KEINEN WEISSEN SCHUH, WEIL ER NOCH DES HANDWERKERS BENÖTIGT. DIE REGEL IST: WAS MAN AM FESTTAGE BENUTZT, DARF MAN AUCH [AM FESTTAGE] SCHICKEN.

13GEMARA. Allerdings sind genähte [Kleidungsstücke] zum Tragen verwendbar, ebenso sind ungenähte zum Zudecken verwendbar, wofür aber sind [Kleider] aus Mischgewebe verwendbar!?

14Wolltest du sagen, man kann sich solche unterlegen, so wird ja gelehrt: Komme nicht auf deinen Leib, du darfst es dir aber unterlegen; jedoch sagten die Weisen, auch dies sei verboten, da eine Faser an seinem Leibe haften bleiben könnte.

15Wolltest du erwidern, man lege etwas dazwischen, so sagte ja R. Šimo͑n b.Pazi im Namen des R. Jehošua͑ b.Levi im Namen des R. Jose b.Šaúl im Namen Rabbis im Namen der heiligen Gemeinde zu Jerušalem, auch wenn zehn Polster übereinander liegen und Mischgewebe sich unten befindet, sei es verboten, darauf zu schlafen, denn es heißt: komme nicht auf deinen Leib!? –

16Vielmehr, als Vorhang. – U͑la sagte ja aber, ein Vorhang sei deshalb verunreinigungsfähig, weil oft der Diener sich mit diesem erwärmt!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.