Beza — Blatt 38b

1Sollte denn, wenn ein Kab Weizen des einen sich unter zehn eines anderen vermischt, dieser essen und sich freuen!? Als sie aber über ihn lachten, rief er: Habe ich euch etwa eure Röcke genommen!? Da lachten sie wiederum über ihn.

2R. Hošaja sprach: Sie hatten recht, daß sie über ihn lachten; von Weizen und Gerste sprach er wohl deshalb nicht, weil es verschiedene Arten sind, und eine Art sich in einer anderen Art sich verliert, und dasselbe gilt auch von Weizen und Weizen. Zugegeben, daß es sich nach R. Jehuda nicht verliert, nach den Rabbanan aber verliert es sich wohl,

3R. Saphra sprach zu ihm: Moše, du hast recht. Jene haben jedoch das nicht gehört, was R. Ḥija aus Ktesiphon im Namen Rabhs gesagt hat, daß, wenn jemand in der Tenne seines Nächsten Geröll herausliest, er ihm den Wert des Weizens ersetzen müsse.

4Also deshalb, weil er ihm das Quantum vermindert hat, ebenso hat er auch hierbei das Quantum vermindert.

5Abajje sprach zu ihm: Unterscheidet denn der Meister nicht zwischen dem Gelde, das man einfordern kann, und dem Gelde, das man nicht einfordern kann!?

6Dieser erwiderte: Wie willst du nach deiner Ansicht [folgendes erklären]: R. Ḥisda sagte: Aas verliert sich unter Geschlachtetem, weil Geschlachtetes nicht die Eigenschaft des Aases annehmen kann;

7das Geschlachtete verliert sich unter Aas nicht, weil das Aas die Eigenschaft des Geschlachteten annehmen kann. Verliert es sich hierbei nicht, wenn es einen Eigentümer hat!?

8Wolltest du sagen, dem sei auch so, so wird ja gelehrt: R. Joḥanan b.Nuri sagte: Herrenlose Sachen erwerben ihr Šabbathgebiet, und obgleich sie keinen Eigentümer haben, ist es ebenso, als hätten sie einen Eigentümer.

9Jener entgegnete: Willst du etwa ein rituelles Verbot mit einer Geldangelegenheit vergleichen!? Bei einem rituellen Verbote verliert sich [das Geringere], bei einer Geldangelegenheit aber nicht. –

10Was ist nun der Grund? –

11Abajje erklärte, weil sie den Teig gemeinsam bereiten könnten;

12Raba erklärte, weil Gewürze des Geschmacks wegen verwendet werden, und was einen Geschmack verleiht, sich nicht verliert;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.