Beza — Blatt 3a
1man könnte hinaufsteigen und pflücken; dies ist also nur eine Berücksichtigung, und wir sollten eine Berücksichtigung für eine Berücksichtigung treffen!? – Bei beidem ist es dieselbe Berücksichtigung.
2R. Jiçḥaq erklärte: Hierbei ist ausfließender Saft berücksichtigt worden.
3Abajje sprach zu ihm: Der ausfließende Saft ist ja nur aus dem Grunde [verboten], weil berücksichtigt wird, man könnte ihn direkt auspressen; dies ist also nur eine Berücksichtigung, und wir sollen eine Berücksichtigung für eine Berücksichtigung treffen!? – Bei beidem ist es dieselbe Berücksichtigung.
4Diese alle erklären nicht wie R. Naḥman, wegen unseres Einwandes, wie Rabba erklären sie ebenfalls nicht, da sie von der Vorbereitung nichts halten;
5weshalb aber erklärt R.Joseph nicht wie R. Jiçḥaq? – Er kann dir erwidern: das Ei ist eine Speise, Früchte sind eine Speise, der Saft aber ist keine Speise. –
6Weshalb erklärt R. Jiçḥaq nicht wie R. Joseph!? – Er kann dir erwidern: das Ei ist eingeschlossen, der Saft ist eingeschlossen, Früchte aber liegen frei.
7Auch R. Joḥanan ist der Ansicht, hierbei sei ausfließender Saft berücksichtigt worden. R. Joḥanan wies nämlich auf einen Widerspruch hin, in dem sich R. Jehuda befindet, und erklärte ihn auch.
8Wir haben gelernt: Man darf keine Früchte ausdrücken, um Saft zu gewinnen; ist er von selber ausgeflossen, so ist er verboten. R. Jehuda sagte: Sind sie zum Essen bestimmt, so ist, was ausfließt, erlaubt, und sind sie zur [Gewinnung von] Saft bestimmt, so ist, was ausfließt, verboten.
9Demnach gilt es als abgetrennte Speise,
10und dem widersprechend wird gelehrt: Ferner sagte R. Jehuda: Man darf am ersten Festtage über einen Korb Früchte bedingungsweise bestimmen
11und sie am zweiten essen; ebenso darf man ein am ersten [Tage] gelegtes Ei am zweiten essen.
12Nur am zweiten und nicht am ersten!? Und R. Joḥanan erklärte, man wende die Lehre um.
13Wenn er sie als einander widersprechend bezeichnet, so ist ja zu entnehmen, daß es [bei beidem] der gleiche Grund ist.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.