Chagiga — Blatt 2a
1JEDER IST ZUM ERSCHEINEN VERPFLICHTET, AUSGENOMMEN EIN TAUBER, EIN BLÖDER, EIN MINDERJÄHRIGER, EIN GESCHLECHTSLOSER, EIN ZWITTER, FRAUEN, UNBEFREITE SKLAVEN, EIN LAHMER, EIN BLINDER, EIN KRANKER, EIN ALTERSSCHWACHER, UND DER ZU FUSS NICHT HINAUFZIEHEN KANN.
2WELCHES [KIND] HEISST [DIESBEZÜGLICH] MINDERJÄHRIG? DAS AUF SEINES VATERS SCHULTERN REITEND NICHT VON JERUŠALEM AUF DEN TEMPELBERG HINAUF KANN – SO DIE SCHULE ŠAMMAJS; DIE SCHULE HILLELS SAGT, DAS NICHT SEINES VATERS HAND HALTEN UND VON JERUŠALEM AUF DEN TEMPELBERG HINAUF KANN, DENN ES HEISST:dreimal
3. DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, DAS BESUCHSOPFER ZWEI SILBER[MAA͑] UND DAS FESTOPFER EINE MAA͑, UND DIE SCHULE HILLELS SAGT, DAS BESUCHSOPFER EINE MAA͑ UND DAS FESTOPFER ZWEI SILBER[MAA͑].
4GEMARA. Wen schließt [das Wort] ‘jeder’ ein? – Dieses schließt den Halbsklaven ein. – Was aber schließt [das Wort] ‘jeder’ nach Rabina ein, welcher sagt, der Halbsklave sei vom Erscheinen frei? – Dies schließt den ein, der am ersten Tage lahm war und am zweiten nicht mehr. –
5Einleuchtend ist es nach demjenigen, welcher sagt, sie alle seien ein Ersatz für einander, was aber schließt [das Wort] ‘jeder’ nach demjenigen ein, welcher sagt, sie seien alle ein Ersatz des ersten!? – Dies schließt den ein, der auf einem Auge blind ist,
6gegen die Ansicht des folgenden Tanna. Es wird nämlich gelehrt : Joḥanan b. Dahabaj sagte im Namen R. Jehudas: Wer auf einem Auge blind ist, ist vom Erscheinen frei, denn es heißt ‘sehen’ und ‘gesehen werden’, wie das Sehen, so das Erscheinen: wie sehen mit beiden Augen, so auch erscheinen mit beiden Augen.
7Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich, wie wir zuerst erklärt haben, wenn du aber einen Einwand erhebst aus der Lehre Rabinas, so ist dies kein Einwand, denn eines gilt nach der ersten Lehre und eines gilt nach der zweiten Lehre. Es wird nämlich gelehrt: Wer zur Hälfte Sklave und zur Hälfte frei ist, diene einen Tag seinem Herrn und einen Tag sich selbst – so die Schule Hillels.
8Die Schule Šammajs sprach:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.