Chagiga — Blatt 6a
1Wer brachte es denn bis da!?
2Abajje erwiderte: Bis da brachte es seine Mutter, die zur Festfreude ebenfalls verpflichtet ist, von da ab ist es nur dann verpflichtet, wenn es an des Vaters Hand sich haltend von Jerušalem auf den Tempelberg hinaufsteigen kann, wenn aber nicht, so ist es frei.
3Rabbi wandte anstelle der Schule Hillels gegen die Ansicht der Schule Šammajs ein: Und Ḥanna ging nicht hinauf, sondern sie sprach zu ihrem Manne: Wenn der Knabe entwöhnt wird, so bringe ich ihn hin. Šemuél konnte es ja auf seines Vaters Schultern reitend!?
4Sein Vater entgegnete: Auch nach deiner Ansicht ist ja einzuwenden: War denn Ḥanna selbst nicht zur Festfreude verpflichtet!? Vielmehr ist zu erklären: Ḥanna hatte an Šemuél eine besondere Zartheit beobachtet, und sie fürchtete, die Reise könnte ihn zu sehr anstrengen.
5R.Šimo͑n fragte: Wie verhält es sich mit einem lahmen Kinde nach der Schule Šammajs und einem blinden nach der Ansicht beider? –
6In welchem Falle: wollte man sagen, einem lahmen, das nicht mehr normal, oder einem blinden, das nicht mehr sehend werden kann, so ist ja, wenn dann sogar ein Erwachsener frei ist, ein Kind erst recht frei!? – In dem Falle, wenn es lahm ist und normal werden kann, blind ist und sehend werden kann; wie ist es dann?
7Abajje erwiderte: In einem Falle, in dem ein Erwachsener nach der Tora verpflichtet ist, ist ein Kind rabbanitisch einzuüben, und in einem Falle, in dem ein Erwachsener nach der Tora frei ist, ist das Kind auch rabbanitisch frei.
8DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT, DAS BESUCHSOPFER ZWEI SILBER[MAA͑] &C.
9Die Rabbanan lehrten: Die Schule Šammajs sagt, das Besuchsopfer zwei Silber[maa͑] und das Festopfer eine Maa͑, denn das Besuchsopfer ist ein Brandopfer ganz für Gott, was beim Festopfer nicht der Fall ist. Ferner finden wir, daß die Schrift für das Wochenfest mehr Brandopfer als Heilsopfer angeordnet hat.
10Die Schule Hillels sagt, das Besuchsopfer eine Silbermaa͑ und das Festopfer zwei Silber [maa͑], denn Festopfer wurden schon vor der Gesetzgebung dargebracht, was beim Besuchsopfer aber nicht der Fall ist. Ferner finden wir, daß die Schrift für die Fürsten mehr Heilsopfer als Brandopfer angeordnet hat. –
11Weshalb ist die Schule Hillels nicht der Ansicht der Schule Šammajs, du sagst ja, das Besuchsopfer sei bedeutender, denn es ist ein Brandopfer ganz für Gott!? – Im Gegenteil, das Festopfer ist ja bedeutender, denn bei diesem gibt es zweierlei Verzehrung. Wenn du aber erwiderst, man folgere vom Wochenfeste, so ist wohl von einem Privatopfer auf ein Privatopfer zu schließen, nicht aber von einem Gemeindeopfer auf ein Privatopfer zu schließen. –
12Weshalb ist die Schule Šammajs nicht der Ansicht der Schule Hillels, du sagst ja, das Festopfer sei bedeutender, denn es ist schon vor der Gesetzgebung dargebracht worden!? – Auch das Besuchsopfer ist schon vor der Gesetzgebung dargebracht worden.
13Wenn du aber einwendest, man folgere diesbezüglich von den Opfern der Fürsten, so ist wohl von einer Sache, die für immer gilt, auf eine Sache, die für immer gilt, zu schließen, nicht aber ist von einer Sache, die nicht für immer gilt, auf eine Sache, die für immer gilt, zu schließen. –
14Nach der Schule Hillels wurden vor der Gesetzgebung Festopfer dargebracht, wie es heißt: und sie opferten Heilsopfer, und ebenso wurden ja auch Besuchsopfer dargebracht, denn es heißt: und sie brachten Brandopfer dar!? –
15Die Schule Hillels ist der Ansicht, das Brandopfer, das die Jisraéliten in der Wüste darbrachten, war das beständige Opfer. – Und die Schule Šammajs!? – Sie ist der Ansicht, das Brandopfer, das die Jisraéliten in der Wüste darbrachten, war ein Besuchsopfer.
16Abajje sagte: Die Schule Šammajs, R. Elea͑zar und R. Jišma͑él sind alle der Ansicht, das Brandopfer, das die Jisraéliten in der Wüste darbrachten, war ein Besuchsopfer. Die Schule Hillels, R. A͑qiba und R. Jose der Galiläer sind alle der Ansicht, das Brandopfer, das die Jisraéliten in der Wüste darbrachten, war das beständige Opfer.
17Die Schule Šammajs, wie wir bereits gesagt haben. R. Jišma͑él, denn es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagte: das Allgemeine wurde am Sinaj angeordnet
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.