Chagiga — Blatt 7a
1Der Eckenlaß, die Erstlinge, das Erscheinen, die Wohltätigkeit und das Studium der Tora.
2R. Joḥanan sagte: Wir glaubten, das Besuchsopfer habe kein Höchstmaß, wohl aber ein Mindestmaß, da kam aber R. Oša͑ja Berabbi und lehrte, das Besuchsopfer habe überhaupt kein Maß, weder nach oben noch nach unten; jedoch sagten die Weisen, das Besuchsopfer [mindestens] eine Maa͑ und das Festopfer [mindestens] zwei Silber[maa͑].
3Was heißt ‘Erscheinen’? – R. Joḥanan sagt, das Erscheinen im Tempelhofe, und Reš Laqiš sagt, das Erscheinen mit einem Opfer.
4Über den ersten Festtag streitet niemand, ob das Erscheinen mit einem Opfer erfolgen muß, sie streiten nur über die übrigen Tage. Ferner streiten sie auch nicht, ob man es von ihm annehme, wenn er eines bei jedem Erscheinen mitbringt, sie streiten nur über das Erscheinen, ohne ein solches mitzubringen;
5R. Joḥanan ist der Ansicht, ‘Erscheinen’ heiße im Tempelhofe erscheinen, ohne jedesmal [ein Opfer] mitbringen zu müssen, und Reš Laqiš ist der Ansicht, Erscheinen heiße mit einem Opfer, das man jedesmal, wenn man kommt, mitbringen muß.
6Reš Laqiš wandte gegen R. Joḥanan ein: Und man erscheine nicht leer vor meinem Angesichte!? Dieser erwiderte: Am ersten Festtage.
7Er wandte gegen ihn ein: Und man erscheine nicht leer vor meinem Angesichte, sondern mit Schlachtopfern. Du sagst, mit Schlachtopfern, vielleicht ist dem nicht so, sondern mit Geflügel- und Speisopfern!? Es ist ein Schluß zu folgern: für den Gemeinen wurde ein Festopfer geboten, und für Gott wurde ein Besuchsopfer geboten, wie das für den Gemeinen gebotene Festopfer ein Schlachtopfer ist, ebenso muß das für Gott gebotene Besuchsopfer ein Schlachtopfer sein.
8Schlachtopfer sind Brandopfer. Du sagst, Brandopfer, vielleicht ist dem nicht so, sondern Heilsopfer!? Es ist ein Schluß zu folgern: für den Gemeinen wurde ein Festopfer geboten, und für Gott wurde ein Besuchsopfer geboten, wie das für einen Gemeinen gebotene Festopfer ein für ihn geeignetes ist, ebenso muß auch das für Gott gebotene Besuchsopfer ein für ihn geeignetes sein.
9So gebührt es sich auch: es darf nicht dein Tisch voll und der Tisch deines Meisters leer sein. Dieser erwiderte: Am ersten Festtage.
10Er wandte gegen ihn ein: R. Jose b. R. Jehuda sagte: Dreimal jährlich zur Wallfahrt zu ziehen wurde Jisraél geboten: am Pesaḥfeste, am Wochenfeste und am Hüttenfeste; man darf nicht geteilt erscheinen, denn es heißt: deine ganze Mannschaft, und man darf auch nicht leer erscheinen, denn es heißt: man erscheine nicht leer vor mir vor meinem Angesichte!? Dieser erwiderte: Am ersten Festtage.
11R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Soll erscheinen; wie ich unentgeltlich, ebenso auch ihr unentgeltlich!? –
12Vielmehr, wenn man kommt und nichts mitbringt, stimmen alle überein, daß man eintreten, sich zeigen und wieder hinausgehen darf, sie streiten nur über den Fall, wenn man kommt und [ein Opfer] mitbringt;
13R. Joḥanan ist der Ansicht, Erscheinen heiße im Tempel erscheinen, nur das Erscheinen hat kein festgesetztes Maß, wohl aber hat das Opfer ein festgesetztes Maß, und Reš Laqiš ist der Ansicht, Erscheinen heiße das Erscheinen mit einem Opfer, sodaß auch das Opfer kein festgesetztes Maß hat.
14Er wandte gegen ihn ein: Laß deinen Fuß selten sein im Hause deines Freundes. – Dies gilt von Sündopfern und Schuldopfern.
15Dies nach R. Levi, denn R. Levi wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: laß deinen Fuß selten sein im Hause deines Freundes, und dagegen heißt es: ich will mit Brandopfern in dein Haus kommen!? Das ist jedoch kein Widerspruch; eines gilt von Sündopfern und Schuldopfern, und eines gilt von Brandopfern und Heilsopfern.
16Ebenso wird auch gelehrt: Laß deinen Fuß selten sein im Hause deines Freundes; die Schrift spricht von Sündopfern und Schuldopfern. Du sagst, von Sündopfern und Schuldopfern, vielleicht ist dem nicht so, sondern von Brandopfern und Heilsopfern!? Wenn es heißt: ich will mit Brandopfern in dein Haus kommen, dir meine Gelübde bezahlen, so sind ja Brandopfer und Heilsopfer genannt, somit ist der Schriftvers: laß deinen Fuß selten sein im Hause deines Freundes, auf Sündopfer und Schuldopfer zu beziehen.
17«Man darf nicht geteilt erscheinen &c.» R. Joseph glaubte zu erklären: wenn jemand zehn Söhne hat, so dürfen nicht heute fünf und morgen fünf erscheinen;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.