Chullin — Blatt 108a

1und nach deiner Auffassung könnte man auch hierbei sagen: alle Kuchen sind verboten und die des Boëthos sind erlaubt!? – Von diesem Falle sagte ja Mar b. R. Aši, der Gürtel beweise dies.

2IST EIN TROPFEN MILCH AUF EIN STÜCK [FLEISCH] GEFALLEN, SO IST DAS STÜCK, WENN ES SO GROSS IST, DASS EIN GESCHMACK ÜBERTRAGEN WIRD, VERBOTEN; HAT MAN DEN TOPF UMGERÜHRT, SO IST DER TOPF, WENN DARIN SOVIEL VORHANDEN IST, DASS EIN GESCHMACK ÜBERTRAGEN WIRD, VERBOTEN.

3GEMARA. Abajje sagte: Der Geschmack ohne Masse ist überall nach der Tora [verboten],

4denn wollte man sagen, nur rabbanitisch, so wird dies wohl vom Verbote von Fleisch mit Milch deshalb nicht gefolgert, weil dies ein Novum ist, und wenn dies ein Novum ist, so sollte es auch von dem Falle gelten, wenn kein Geschmack übertragen wird.

5Raba erwiderte ihm: Die Tora hat es auf die Weise des Kochens verboten.

6Rabh sagte: Sobald der Geschmack auf ein Stück übertragen worden ist, gilt es als Aas und macht alle übrigen verboten, weil sie derselben Art sind.

7Mar Zuṭra, Sohn des R. Mari, sprach zu Rabina: Merke, Rabh trug ja seine Lehre nach R. Jehuda vor, welcher sagt, eine Art gehe in derselben Art nicht auf, demnach streitet er gegen Raba,

8denn Raba sagte, R. Jehuda sei der Ansicht, wenn es zwei gleiche Arten und eine andere Art sind, gelte die eine gleiche Art als nicht vorhanden, und hebe eine die andere durch ihre Mehrheit auf.

9Dieser erwiderte: Ist es in dünne Brühe gekommen, so ist dem auch so, hier aber handelt es sich um den Fall, wenn es in dicke Brühe gekommen ist. –

10Welcher Ansicht ist er: ist er der Ansicht, wenn ein Auspressen möglich ist, sei es erlaubt, so sollte ja das Stück nicht Aas werden!? – Vielmehr, er ist der Ansicht, wenn ein Auspressen möglich ist, sei es verboten.

11Es wurde nämlich gelehrt: Rabh, R. Ḥanina und R. Joḥanan sagen, wenn ein Auspressen möglich ist, sei es verboten, Šemuél, R. Šimo͑n b. Rabbi und Reš Laqiš sagen, wenn ein Auspressen möglich ist, sei es erlaubt.

12Ist Rabh denn der Ansicht, wenn ein Auspressen möglich ist, sei es verboten, es wurde ja gelehrt: Ist eine Olive Fleisch in einen Kessel Milch gefallen, so ist, wie Rabh sagt, das Fleisch verboten und die Milch erlaubt. Weshalb ist nun, wenn du sagst, wenn ein Auspressen möglich ist, sei es verboten,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.