Chullin — Blatt 124b

1wenn es ganz dünn ist, ebenso auch hierbei,

2wenn es ganz dünn ist.

3SIND DARAN. Bar Pada sagte: Dies gilt nur von der Rückseite, bei der Vorderseite aber gibt es ein zusammengesetztes Berühren.

4R. Joḥanan aber sagte, es gebe kein zusammengesetztes Berühren. R. Joḥanan vertritt hierbei seine Ansicht, denn R. Joḥanan sagte: R. Jišma͑él und R. Dosa b. Archinos lehrten das gleiche.

5R. Jišma͑él lehrte es in der vorangehenden und R. Dosa b. Archinos in der folgenden Lehre. Hat man Dinge, die durch Bezeltung verunreinigend sind, geteilt in einen Raum gebracht, so ist dieser nach R. Dosa b. Archinos rein und nach den Weisen unrein.

6R. Dosa b. Archinos ist da der Ansicht, es gebe keine zusammengesetzte Bezeltung, ebenso gibt es auch hierbei kein zusammengesetztes Berühren. –

7Wenn R. Dosa b. Archinos der Ansicht R. Jišma͑éls ist, so sind ja die Rabbanan der Ansicht R. A͑qibas, und nach R. A͑qiba sind sie ja rein!? –

8Nach R. A͑qiba sind sie nur an der Haut rein, sonst aber sind sie unrein. So lehrt auch der Schlußsatz: R. A͑qiba pflichtet jedoch bei, daß man, wenn man zwei halbe Oliven mit einem Spane zusammengestochen und sie geschüttelt hat, unrein sei. Nach R. A͑qiba sind sie an der Haut deshalb rein, weil sie sich durch die Haut verlieren.

9R. U͑qaba b. Ḥama wandte ein: ihr Aas, nicht aber ihre Haut, an der zwei halbe Oliven [Fleisch] sind.

10Man könnte glauben, auch durch Tragen [nicht], so heißt es: und der sie trägt, ist unrein – so R. Jišma͑él. R. A͑qiba sagte: Berührt, trägt, wobei das Berühren gilt, gilt auch das Tragen, und wobei das Berühren nicht gilt, gilt auch nicht das Tragen.

11Wenn dem nun so wäre, so erfolgt ja dabei das Berühren an der Vorderseite!?

12Raba erwiderte: Er meint es wie folgt: wobei das Berühren an jeder Seite erfolgt, erfolgt auch das Tragen, und wobei das Berühren an jeder Seite nicht erfolgt, erfolgt auch das Tragen nicht.

13R. Ivja der Greis fragte Rabba b. R. Hona: Ist nach R. Jišma͑él der geschlossene Schenkelknochen verunreinigend?

14Ist R. Jišma͑él der Ansicht, wobei das Berühren erfolgt, erfolge auch das Tragen, und wobei das Berühren nicht erfolgt, erfolge auch das Tragen nicht, und da erfolgt dies aus dem Grunde, weil dabei an der Vorderseite das Berühren erfolgt,

15oder ist er nicht dieser Ansicht?

16Dieser erwiderte: Ein Rabe fliegt.

17Sein Sohn Raba sprach zu ihm: Ist es nicht R. Ivja der Greis aus Pumbeditha, den uns der Meister lobte, er sei ein bedeutender Mann? Dieser erwiderte: Von mir gilt heute: stärkt mich mit Traubenkuchen, und er fragt mich Dinge, die ein Nachdenken erfordern.

18U͑la sagte: Hat man zwei halbe Oliven mit einem Spane zusammengestochen, so ist man, selbst wenn man sie den ganzen Tag hin und her geschüttelt hat, rein. –

19Aus welchem Grunde? – Es heißt getragen werden und wir lesen tragen; es muß, wenn man es trägt, mit einem Male getragen werden können. –

20Wir haben gelernt: Sind daran zwei halbe Oliven, so sind sie verunreinigend durch Tragen, nicht aber durch Berühren – so R. Jišma͑él. Weshalb denn, es wird ja nicht getragen!?

21R. Papa erwiderte: Wenn sie dünn sind. –

22Komm und höre: R. A͑qiba pflichtet jedoch bei, daß man, wenn man zwei halbe Oliven mit einem Spane zusammengestochen und sie geschüttelt hat, unrein sei. Weshalb denn, es wird ja nicht getragen!? – Dies ebenfalls, wenn sie dünn sind. –

23Hierüber [streiten] Tannaím: Sowohl der Berührende als auch der Schüttelnde: R. Elie͑zer sagt, auch der Tragende. Ist etwa der Tragende nicht auch Schüttelnder!?

24Dies ist vielmehr wie folgt zu verstehen: sowohl der Berührende als auch der Schüttelnde, auch wenn es nicht getragen wird, und hierzu sagt R. Elie͑zer, nur wenn es getragen wird. – Wieso heißt es ‘auch’!? Lies: nur wenn es getragen wird.

25WER DEN SCHENKELKNOCHEN VON EINER LEICHE

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.