Chullin — Blatt 124a
1bis er auf der Erde liegt. R. Meír sagt, weder brauche man die Verkleidung abzukratzen noch brauche er auf der Erde zu liegen, vielmehr vermindere man ihn, bis er innen keine vier Handbreiten hat.
2Hat man ihn aber auf weniger als vier Handbreiten vermindert, so ist er rein; weshalb denn, man sollte ja sagen, er sei haltbar!?
3Raba erwiderte ihm: Ebensogut ist ja von der Ansicht der Rabbanan, daß man die Verkleidung abkratze, bis er auf der Erde liegt, [ein Beweis zu erbringen]!?
4Vielmehr, erklärte Raba, ist dies wie folgt zu verstehen. Wie mache man einen unreinen Ofen rein? Nach aller Ansicht teile man ihn in drei Teile und kratze die Verkleidung ab, bis er auf der Erde liegt.
5Wie verfahre man, wenn man wünscht, daß ein Ofen nicht unrein werde? Man teile ihn in drei Teile und kratze die Verkleidung ab, bis er auf der Erde liegt R. Meír sagt, weder brauche man die Verkleidung abzukratzen noch brauche er auf der Erde zu liegen, vielmehr vermindere man ihn, bis er innen keine vier Handbreiten hat.
6Der Meister sagte: Man teile ihn in drei Teile.
7Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Ein Ofen, wenn er von Anfang an vier [Handbreiten] hat oder die Reste vier haben – so R. Meír.
8Die Weisen sagen: Dies gilt nur von einem großen, ein kleiner aber, in jeder Größe, sobald er fertig ist, und von den Resten die größere Hälfte.
9Und auf unsere Frage, wieviel unter ‘jede Größe’ zu verstehen sei, erklärten sie in der Schule R. Jannajs, eine Handbreite, denn man pflegt Öfen von einer Handbreite zu fertigen.
10Nur wenn vier [Handbreiten] Zurückbleiben, wenn aber keine vier Zurückbleiben, ist er rein!? –
11Ich will dir sagen, dies von dem Falle, wenn man ihn zerschlagen hat, da aber, wenn man ihn gespalten hat.
12Der Meister sagte: Von den Resten die größere Hälfte. Wofür ist die größere Hälfte einer Handbreite verwendbar!?
13Abajje erwiderte: Von den Resten eines großen die größere Hälfte. – Die Rabbanan sagen ja vier [Handbreiten]!? – Das ist kein Einwand; eines gilt von einem Ofen von neun und eines gilt von einem Ofen von sieben [Handbreiten].
14Eine andere Lesart lautet wie folgt: R. Hona sagte im Namen des R. Jišma͑él b. R. Jose: Selbst wenn daran soviel zurückbleibt, wie bei einem Überwurfe.
15Reš Laqiš sagte: Dies gilt nur von einem Gewände, Haut aber ist geschätzter. R. Joḥanan aber sagte, auch Haut sei nicht geschätzter.
16R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Wenn man hinsichtlich einer durch Auftreten unreinen Haut beabsichtigt hat, daraus Riemen oder Sandalen zu machen, so ist sie, sobald man daran das Messer gesetzt hat, rein so R. Jehuda; die Weisen sagen, erst wenn man sie auf weniger als fünf Handbreiten verkleinert hat.
17Hat man sie aber verkleinert, so ist sie rein; weshalb denn, man sollte ja sagen, sie sei geschätzter!? – Hier handelt es sich um den Fall, wenn man sie zu einem Lehnsessel verwendet.
18IST AN DER HAUT EINE OLIVE FLEISCH, SO IST, WER EINE HERVORSTEHENDE FASER ODER EIN GEGENÜBER BEFINDLICHES HAAR BERÜHRT, UNREIN.
19SIND DARAN ZWEI HALBE OLIVEN, SO IST SIE VERUNREINIGEND DURCH TRAGEN, NICHT ABER DURCH BERÜHREN – SO R. JIŠMA͑ÉL; R. A͑QIBA SAGT, WEDER DURCH BERÜHREN NOCH DURCH TRAGEN. R. A͑QIBA PFLICHTET JEDOCH BEI, DASS MAN, WENN MAN ZWEI HALBE OLIVEN MIT EINEM SPANE ZUSAMMENGESTOCHEN UND SIE GESCHÜTTELT HAT, UNREIN SEI. NACH R. A͑QIBA SIND SIE AN DER HAUT DESHALB REIN, WEIL SIE SICH DURCH DIE HAUT VERLIEREN.
20GEMARA. U͑la sagte im Namen R. Joḥanans: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn ein Tier es abgetrennt hat, hat aber das Messer es abgetrennt, so verliert es sich wohl.
21R. Naḥman sprach zu U͑la: Sagte es R. Joḥanan auch von der Größe eines Trita? Dieser erwiderte: Jawohl. – Auch von der eines Siebes? Dieser erwiderte: Jawohl. Jener sprach: Bei Gott, auch wenn R. Joḥanan es mir mit seinem Munde gesagt hätte, würde ich auf ihn nicht gehört haben.
22Als R. Oša͑ja hinaufkam, traf er R. Ami und trug ihm dies vor. Das sagte U͑la und dies erwiderte ihm jener. Da sprach dieser: Wenn R. Naḥman auch ein Schwiegersohn des Fürsten ist, darf er deshalb eine Lehre R. Joḥanans geringschätzen!?
23Ein anderes Mal traf er ihn sitzen und dies auf den Schlußsatz vortragen: Befinden sich daran zwei halbe Oliven, so ist sie verunreinigend durch Tragen, nicht aber durch Berühren – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, weder durch Berühren noch durch Tragen.
24R. Joḥanan sagte: Dies gilt nur von dem Falle, wenn ein Tier sie abgetrennt hat, hat aber das Messer sie abgetrennt, so verlieren sie sich wohl.
25Da sprach er zu ihm: Der Meister bezieht dies auf den Schlußsatz! Dieser erwiderte: Jawohl; bezog U͑la es euch auf den Anfangsatz? Jener erwiderte: Jawohl. Da sprach dieser: Bei Gott, auch wenn Jehošua͑, der Sohn Nuns, es mir aus seinem Munde gesagt hätte, würde ich auf ihn nicht gehört haben.
26Als Rabin und alle Reisenden kamen, bezogen sie es auf den Anfangsatz. – Demnach ist ja dagegen ein Einwand zu erheben!? – Wie R. Papa erklärt hat,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.