Chullin — Blatt 125b

1wenn er aber eine halbe Olive berührt, und etwas anderes ihn und eine halbe Olive bezeltet, so ist er rein. Wieso ist er rein, wenn sie einer Benennung sind!? –

2Demnach besteht ja ein Widerspruch mit dem Anfangsatze!?

3R. Zera erwiderte: Hier wird von einer zwischen zwei Schränken gepreßten Unreinheit gesprochen, zwischen welchen kein Hohlraum von einer Handbreite ist, wobei alles als Berührung gilt. –

4Wer ist der Autor, der die Bezeltung Berühren nennt? – Es ist R. Jose, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte, ein Löffel voll Moder verunreinigt durch Berühren, Tragen und Bezeltung.

5Einleuchtend ist dies vom Tragen und von der Bezeltung, denn man trägt das ganze und bezeltet das ganze, wieso aber durch Berühren, man berührt ja nicht das ganze? Wahrscheinlich ist unter Berühren die Bezeltung zu verstehen. –

6Er lehrt es ja vom Berühren besonders und von der Bezeltung besonders!? Abajje erwiderte: Innerhalb einer Handbreite ist es eine Bezeltung durch Berühren, oberhalb einer Handbreite ist es eine bloße Bezeltung.

7Raba erwiderte: Auch oberhalb einer Handbreite ist es eine Bezeltung durch Berühren, und eine bloße Bezeltung ist es nur dann, wenn es durch eine Überdachung erfolgt.

8Raba sagte: Dies entnehme ich aus dem, was wir gelernt haben: R. Jose sagte: Das Bettgeflecht und das Fenstergitter gelten als Trennung zwischen dem Erdgeschosse und dem Obergeschosse, um die Unreinheit nicht nach der anderen Abteilung dringen zu lassen;

9hat man sie schwebend über eine Leiche gebreitet, so ist das, was sich gegen ein Loch befindet, unrein, und was sich nicht gegen ein Loch befindet, rein.

10In welchem Falle: wollte man sagen, innerhalb einer Handbreite, wieso ist es rein, wenn nicht gegen ein Loch, die Leiche befindet sich ja in ihrem Kleide, und eine Leiche in ihrem Kleide ist verunreinigend;

11doch wohl oberhalb einer Handbreite, und er nennt dies berühren!?

12Abajje erwiderte: Tatsächlich innerhalb einer Handbreite, wenn du aber einwendest, die Leiche befinde sich in ihrem Kleide, [so ist zu erwidern:] ein Kleid verliert sich durch die Leiche, dieses aber verliert sich nicht. –

13Sollte dies doch als versteckte Unreinheit gelten, die nach oben dringt!? – R. Jose ist der Ansicht, die versteckte Unreinheit dringe nicht nach oben. –

14Woher entnimmst du dies? – Wir haben gelernt: Hat ein Schrankschub einen Raum von einer Handbreite, die Öffnung aber keine Handbreite, so ist, wenn Unreines darin ist, das Haus unrein,

15und wenn Unreines im Hause ist, das, was darin ist, rein, weil man das Unreine herausholt und nicht hineinbringt;

16nach R. Jose ist es rein, weil man es geteilt herausholen oder an seiner Stelle verbrennen kann.

17Ferner lehrt er im Schlußsatze: Hat man ihn an die Tür mit der Öffnung nach außen hingestellt, so ist, wenn darin Unreines ist, das Haus rein, und wenn Unreines im Hause ist, das, was darin ist, rein.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.