Chullin — Blatt 24a
1Die Schrift sagt: er schlachte und Satzung, nur durch Schlachten und nicht durch Genickbrechen. –
2Ist denn überall, wo es Satzung heißt, nicht [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern, beim Versöhnungstage heißt es ja ebenfalls Satzung, dennoch wird gelehrt: Er richte ihn als Sündopfer her, das Los macht ihn zum Sündopfer, nicht aber macht ihn die Bezeichnung zum Sündopfer.
3Man könnte nämlich einen Schluß folgern: wenn in einem Falle, wo das Los nicht heiligt, die Bezeichnung heiligt, um wieviel mehr heiligt die Bezeichnung in einem Falle, wo das Los heiligt; daher heißt es: er richte ihn als Sündopfer her, das Los macht ihn zum Sündopfer, nicht aber macht ihn die Bezeichnung zum Sündopfer.
4Nur deshalb, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: er richte ihn als Sündopfer her, sonst aber würden wir [einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert haben!? –
5Der Allbarmherzige hat beim Kalbe eingeschränkt: dem genickbrochenen, nur dieses durch Genickbrechen, nicht aber anderes durch Genickbrechen. –
6Sollte [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere gefolgert werden, daß das Schlachten das Kalb tauglich mache: wenn die Kuh, die durch Genickbrechen nicht tauglich wird, durch Schlachten tauglich wird, um wieviel mehr wird das Kalb, das durch Genickbrechen tauglich wird, durch Schlachten tauglich!? – Die Schrift sagt: man breche das Genick, (dem Genickbrochenen), nur durch Genickbrechen und nicht durch Schlachten.
7WAS BEI PRIESTERN TAUGLICH IST, IST BEI LEVITEN UNTAUGLICH, UND WAS BEI LEVITEN TAUGLICH IST, IST BEI PRIESTERN UNTAUGLICH.
8GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Priester mit Leibesfehlern sind untauglich, über die Jahre hinaus tauglich; Leviten mit Leibesfehlern sind tauglich, über die Jahre hinaus untauglich. Somit ist das, was bei Priestern tauglich ist, bei Leviten untauglich, und was bei Leviten tauglich ist, bei Priestern untauglich. –
9Woher dies? - Die Rabbanan lehrten: Dies soll für die Leviten gelten; was lehrt dies? Es heißt: und mit fünfzig Jahren trete er zurück, und hieraus lernen wir, daß das [überschrittene] Alter die Leviten untauglich mache; man könnte glauben, auch Leibesfehler machen sie untauglich, und zwar wäre dies aus einem Schluß zu folgern: wenn Priester, die über die Jahre hinaus nicht untauglich sind, durch Leibesfehler untauglich werden, um wieviel mehr werden Leviten, die über die Jahre hinaus untauglich sind, durch einen Leibesfehler untauglich; daher heißt es: dies soll für die Leviten gelten, dies für die Leviten, aber nichts anderes für die Leviten.
10Man könnte glauben, Priester über die Jahre hinaus seien untauglich, und zwar wäre dies aus einem Schluß zu folgern: wenn Leviten, die durch Leibesfehler nicht untauglich werden, über die Jahre hinaus untauglich sind, um wieviel mehr sind Priester, die durch Leibesfehler untauglich werden, über die Jahre hinaus untauglich, daher heißt es: für die Leviten, nicht aber für die Priester.
11Man könnte glauben, auch in Šilo und im ewigen Hause, so heißt es: zur Verrichtung des Dienstes und zur Verrichtung des Tragens; ich sagte es nur von der Zeit, wo der Dienst mit der Schulter erfolgte.
12Ein Schriftvers lautet: vom fünfundzwanzigsten Lebensjahre und darüber, und ein anderer lautet: vom dreißigsten Lebensjahre ab; man kann nicht dreißig sagen, da es fünfundzwanzig heißt, und man kann nicht fünfundzwanzig sagen, da es dreißig heißt: wie ist dies zu erklären? Fünfundzwanzig zum Lernen und dreißig zur Dienstverrichtung.
13Hieraus, daß, wenn ein Schüler in fünf Jahren keinen Fortschritt in seinem Studium sieht, er keinen mehr sehen werde. R. Jose sagt, drei Jahre, denn es heißt: sie drei Jahre zu erziehen und sie Schrift und Sprache der Chaldäer lehren. –
14Und jene!? – Anders verhielt es sich bei der Sprache der Chaldäer, da sie leicht ist. – Und dieser? – Anders verhielt es sich bei den Vorschriften über den Tempeldienst, da sie schwer sind.
15Die Rabbanan lehrten: Ein Priester ist von der Zeit, wo er zwei Haare bekommt, bis ins Greisenalter für den Dienst tauglich, Leibesfehler machen ihn untauglich; ein Levite ist vom dreißigsten bis zum fünfzigsten Lebensjahre für den Dienst tauglich, über die Jahre hinaus ist er untauglich. Dies galt nur im Offenbarungszelte in der Wüste, in Šilo aber und im ewigen Hause wurde er nur durch die Stimme untauglich. R. Jose sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.