Chullin — Blatt 27a
1WENN MAN EIN [HALSORGAN] BEIM GEFLÜGEL ODER BEIDE BEIM VIEH DURCHGESCHNITTEN HAT, SO IST DIE SCHLACHTUNG GÜLTIG; DER GRÖSSERE TEIL VON EINEM GLEICHT DEM GANZEN. R. JEHUDA SAGT, NUR WENN MAN DIE ARTERIEN DURCHGESCHNITTEN HAT. WENN DIE HÄLFTE VON EINEM BEIM GEFLÜGEL ODER EINES UND DIE HÄLFTE VOM ANDEREN BEIM VIEH, SO IST DIE SCHLACHTUNG UNGÜLTIG; WENN DEN GRÖSSEREN TEIL VON EINEM BEIM GEFLÜGEL ODER DEN GRÖSSEREN TEIL VON BEIDEN BEIM VIEH, SO IST DIE SCHLACHTUNG GÜLTIG.
2GEMARA. Durchgeschnitten hat, wenn bereits erfolgt, nicht aber von vornherein; wie weit sollte man denn, wenn beide beim Vieh nicht ausreichen, zu schneiden fortfahren!? – Wenn du willst, sage ich, dies beziehe sich auf eines beim Geflügel, und wenn du willst, sage ich, auf die Gleichstellung des größeren Teiles mit dem ganzen.
3R. Kahana sagte: Woher, daß das Schlachten am Halse erfolge? Es heißt: er schlachte [vešaḥat] das junge Rind; an der Stelle, wo es sich beugt [šaḥ], reinige [hatehu] man es. – Woher, daß ḥaṭehu reinigen bedeute? – Es heißt: er reinige [ḥiṭe] das Haus. Wenn du aber willst, aus folgendem: reinige mich mit Ysop, daß ich rein werde. –
4Vielleicht am Schwanze!? – Wenn es ‘beugt’ heißt, so ist es sonst gerade, während dieser stets gebogen ist. – Vielleicht am Ohr!? – Es muß Lebensblut hervorkommen, was dann nicht der Fall ist. –
5Vielleicht reiße man so weit, bis Lebensblut hervorkommt!? Und woher ist ferner [das Verbot] der Unterbrechung, des Aufdrückens, des Durchbohrens, der Verschiebung und des Ausreißens zu entnehmen!? Du mußt also sagen, dies sei eine Überlieferung, ebenso ist das Schlachten am Halse eine Überlieferung.
6Wozu ist nun der Schriftvers nötig? – Daß man es nicht entzwei schneide.
7R. Jemar erklärte: Die Schrift sagt: schlachte [vezabaḥta], an der Stelle, wo es fließt [zab], zerbrich [ḥatehu] es. – Woher, daß ‘ḥatehu’ zerbrechen bedeute? – Es heißt: fürchte nicht und ängstige [teḥath] dich nicht. –
8Vielleicht an der Nase!? – Es ist ein Fließen durch das Zerbrechen erforderlich, und bei dieser erfolgt das Fließen von selbst. – Vielleicht am Herzen!? Und woher ist ferner [das Verbot] der Unterbrechung, des Aufdrückens, des Durchbohrens, der Verschiebung und des Ausreißens zu entnehmen!? Du mußt also sagen, dies sei eine Überlieferung, ebenso ist das Schlachten am Halse eine Überlieferung.
9Wozu ist nun der Schriftvers nötig? – Daß man es nicht entzwei schneide.
10In der Schule R. Jišma͑éls erklärten sie: Er schlachte [vešaḥaṭ], man lese nicht vešaḥaṭ, sondern vesaḥaṭ, an der Stelle, da es Laute hervorbringt [saḥ], reinige es. –
11Vielleicht an der Zunge!? – Es muß Lebensblut hervorkommen, was dann nicht der Fall ist. – Vielleicht reiße man so weit, bis Lebensblut hervorkommt!? Und woher ist ferner [das Verbot] der Unterbrechung, des Aufdrückens, des Durchbohrens, der Verschiebung und des Ausreißens zu entnehmen!? Du mußt also sagen, dies sei eine Überlieferung, ebenso ist das Schlachten am Halse eine Überlieferung.
12Wozu ist demnach der Schriftvers nötig? – Daß man es nicht entzwei schneide.
13Ein Autor entnimmt dies aus folgendem. Es wird gelehrt: R. Ḥija sagte: Woher, daß das Schlachten am Halse erfolge? – es heißt: die Söhne Ahrons, die Priester, sollen die Stücke aufschichten;
14wozu heißt es weiter: den Kopf und das Schmer, diese gehören ja mit zu den Stücken und brauchen nicht besonders hervorgehoben zu werden? Da es heißt: er enthäute das Brandopfer und zerlege es in Stücke, so würde ich dies gewußt haben von den Stücken, die beim Enthäuten einbegriffen sind, nicht aber vom Kopfe, der bereits abgetrennt worden ist, so heißt es: seinen Kopf und sein Schmer, und er schichte auf.
15Da er nun vom Kopfe sagt, er sei bereits abgetrennt worden, so ist zu entnehmen, daß das Schlachten am Halse erfolge. –
16Der Autor beginnt mit [dem Schriftverse] den Kopf und das Schmer, und schließt mit [dem Schriftverse] seinen Kopf und sein Schmer!? – Er meint es wie folgt: nicht aber vom Kopfe, der bereits abgetrennt worden ist, daher heißt es: den Kopf und das Schmer. –
17Wozu heißt es: seinen Kopf und sein Schmer? – Dies ist für folgende Lehre nötig: Woher, daß der Kopf und das Schmer allen anderen Opferstücken vorangehen? Es heißt: seinen Kopf und sein Schmer, und er schichte auf. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.