Chullin — Blatt 31a

1Man sah, daß die Federn durchgeschnitten waren. –

2[Das Blut] muß ja bedeckt werden!? Wolltest du erwidern, sie hatten es bedeckt, so sagte ja R. Zera im Namen Rabhs, der Schlachtende müsse unten und oben Erde streuen, denn es heißt: er bedecke es in Erde; es heißt nicht ‘[mit] Erde’, sondern ‘in Erde’, und dies lehre, daß der Schlachtende unten und oben Erde streuen müsse!? –

3Er hatte Erde über das ganze Tal gestreut.

4HAT MAN BEIM SCHLACHTEN &C. ABGETRENNT. R. Zera sagte: Eine Halslänge außer dem Halse.

5Sie fragten: Eine Halslänge und noch eine Halslänge außer dem Halse, das sind somit zwei Halslängen, oder eine Halslänge und etwas über die Halslänge? –

6Komm und höre: Hat man beim Schlachten mit einem Zuge zwei Köpfe abgetrennt, so ist es, wenn das Messer eine Halslänge hat, gültig. Was heißt ‘eine Halslänge’: wollte man sagen, eine Halslänge und nicht mehr, wieso sollte, wenn bei einem Vieh eine Halslänge und etwas darüber erforderlich ist, bei zweien eine Halslänge ausreichen!? Vielmehr ist darunter eine Halslänge außer den beiden Hälsen zu verstehen,

7hieraus ist zu entnehmen, daß eine Halslänge außer der Hals[breite] zu verstehen sei. Schließe hieraus.

8DIES NUR IN DEM FALLE, WENN MAN HIN- UND NICHT HERGEFAHREN IST &C. R. Menaše sagte: Mit einem Schnitzmesserchen, das keine Parierspitzen hat.

9R. Aḥa, Sohn des R. Ivja, fragte R. Menaše: Wie ist es mit einer Nadel? Dieser erwiderte: Eine Nadel reißt ja. –

10Wie ist es mit einer Schusterahle? Dieser erwiderte: Wir haben gelernt: womit es auch ist, doch wohl auch eine Schusterahle. – Nein, ein Schnitzmesserchen. – Von einem Schnitzmesserchen lehrt er es ja ausdrücklich!? – Dies ist eine Erklärung: womit es auch ist, nämlich ein Schnitzmesserchen.

11Dies ist auch einleuchtend; wollte man sagen, auch eine Schusterahle, so brauchte es ja, wenn sogar eine Schusterahle tauglich ist, nicht von einem Schnitzmesserchen gelehrt zu werden. – Von einem Schnitzmesserchen ist dies [zu lehren] nötig; man könnte glauben, es sei mit einem Schnitzmesserchen ohne Parierspitzen verboten, mit Rücksicht auf ein solches mit Parierspitzen, so lehrt er uns.

12HAT EIN MESSER IM HERABFALLEN GESCHLACHTET, SO IST ES, SELBST WENN ES RICHTIG GESCHLACHTET HAT, UNGÜLTIG, DENN ES HEISST: sollst du schlachten und essen, WAS du SCHLACHTEST, DARFST DU ESSEN.

13GEMARA. Nur wenn es herabgefallen ist, hat man es herabgeworfen, so ist es gültig, obgleich man [die Schlachtung] nicht beabsichtigt hat;

14wer ist der Autor, welcher sagt, beim Schlachten sei die Absicht nicht erforderlich? Raba erwiderte: Es ist R. Nathan. Oša͑ja, der kleinste unter den Genossen, lehrte nämlich: Wenn man ein Messer geworfen hat, um es in die Wand zu stecken, und es im Fluge die Schlachtung richtig vollzogen hat, so ist es nach R. Nathan gültig und nach den Weisen ungültig. Er lehrte es, und er sagte auch, die Halakha sei wie R. Nathan. –

15Dies sagte ja Raba bereits einmal!? – Wir haben nämlich gelernt: Wenn sie alle geschlachtet und andere sie beobachtet haben, so ist ihre Schlachtung gültig. Und auf unsre Frage, wer der Autor sei, welcher sagt, beim Schlachten sei die Absicht nicht erforderlich, erwiderte Raba, er sei R. Nathan!? –

16Beides ist nötig. Würde er es nur dort gelehrt haben, so könnte man glauben, dies gelte nur dort, wo er das Schneiden beabsichtigt hat, nicht aber hierbei, wo er es nicht beabsichtigt hat.

17Und würde er es nur hierbei gelehrt haben, so könnte man glauben, weil es durch einen Verständigen erfolgt ist, nicht aber dort, wo es nicht durch einen Verständigen erfolgt ist. Daher ist beides nötig.

18Es wurde gelehrt: Ist eine Menstruierende zwangsweise untergetaucht, so ist sie, wie R. Jehuda im Namen Rabhs sagt, rein für ihren Mann, darf aber keine Hebe essen, und wie R. Joḥanan sagt, auch nicht rein für ihren Mann.

19Raba sprach zu R. Naḥman: Wenn nach Rabh, welcher sagt, sie sei rein für ihren Mann, dürfe aber keine Hebe essen, das mit der Ausrottungsstrafe belegte Verbot aufgehoben wird, um wieviel mehr sollte dies vom mit der Todesstrafe belegten Verbote gelten!?

20Dieser erwiderte: Ihr Mann ist eine profane Person, und bei Profanem ist die Absicht nicht erforderlich. .– Woher entnimmst du dies? – Wir haben gelernt: Wenn eine Welle von vierzig Seá sich löst und auf einen Menschen oder auf Geräte fällt, so sind sie rein. Dies gilt wohl vom Menschen ebenso wie von Geräten: wie bei Geräten die Absicht fehlt, ebenso ist auch bei einem Menschen die Absicht nicht erforderlich. –

21Wieso denn, vielleicht in dem Falle, wenn man dasitzt und wartet, daß die Welle sich löse.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.