Chullin — Blatt 38a

1Hat es gebrüllt, Kot ausgeworfen oder mit dem Ohr gewackelt, so heißt dies ein Zucken. Da sprach er zu ihnen: Braucht Abba dies vom Wackeln mit dem Ohre zu sagen? Ich sage, als solches gilt alles, was kein Zeichen des Verendens ist. –

2Was ist ein Zeichen des Verendens? R. A͑nan erwiderte: Mir wurde es von Meister Šemuél erklärt: wenn ein Vorderfuß gebogen war und es ihn ausgestreckt hat, so ist dies ein Zeichen des Verendens, wenn er ausgestreckt war und es ihn gebogen hat, so ist dies kein Zeichen des Verendens. –

3Was lehrt er uns damit, wir haben ja bereits gelernt, wenn ein Kleinvieh den Vorderfuß ausgestreckt und nicht zurückgezogen hat, sei es untauglich, weil dies nichts weiter als [ein Zeichen] des Verendens ist; demnach ist es tauglich, wenn es ihn zurückgezogen hat!? –

4Aus unserer Mišna könnte man entnehmen, nur wenn er gebogen war und es ihn ausgestreckt und wiederum gebogen hat, nicht aber, wenn er ausgestreckt war und es ihn gebogen hat, so lehrt er uns.

5Man wandte ein: R. Jose sagte: R. Meír ist der Ansicht, wenn es beim Schlachten gebrüllt hat, sei dies kein Zucken. R. Elie͑zer b. R. Jose sagte in dessen Namen, selbst wenn es Kot ausgeworfen oder mit dem Ohr gewackelt hat, sei dies kein Zucken. Hier besteht also ein Widerspruch sowohl hinsichtlich des Brüllens als auch hinsichtlich des Kotauswerfens!? –

6Hinsichtlich des Brüllens besteht kein Widerspruch, denn eines gilt von dem Fall, wenn die Stimme stark ist, und eines von dem Fall, wenn die Stimme schwach ist; und hinsichtlich des Kotauswerfens besteht ebenfalls kein Widerspruch, denn eines gilt von einem leichten und eines gilt von einem kräftigen.

7R. Ḥisda sagte: Das Zappeln, von dem sie sprechen, muß bei Beendigung des Schlachtens erfolgt sein, und unter Beendigung des Schlachtens ist die Mitte des Schlachtens zu verstehen: nur nicht bei Beginn des Schlachtens.

8R. Ḥisda sprach: Dies entnehme ich aus dem, was wir gelernt haben: Hat ein Kleinvieh einen Vorderfuß ausgestreckt und nicht zurückgezogen, so ist es untauglich. Wann: wenn bei Beendigung des Schlachtens, so kann es ja nicht dauernd leben bleiben; doch wohl in der Mitte des Schlachtens.

9Raba sprach zu ihm: Tatsächlich bei Beendigung des Schlachtens, denn ich sage, wenn es bei Beendigung des Schlachtens dies nicht tut, so ist es sicher, daß das Leben schon vorher ausgeschieden war.

10R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Das Zucken, von dem sie sprechen, muß bei Beginn des Schlachtens erfolgt, sein.

11R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach: Dies entnehme ich aus dem was wir gelernt haben: R. Šimo͑n sagte: Wenn man [ein solches] nachts geschlachtet hat und am folgenden Tage die Flächen voll Blut findet, so ist es tauglich, denn es hat [Blut] ausgeströmt; nach der Ansicht R. Elie͑zers. Hierzu sagte Šemuél, er spreche von den Flächen an der Schnittstelle. Einleuchtend ist dies, wenn du bei Beginn des Schlachtens sagst, wenn du aber bei Beendigung des Schlachtens sagst, ist ja zu berücksichtigen, [das Blut] kann bei Beginn des Schlachtens ausgeströmt sein. –

12Vielleicht ist es beim [Blut]ausströmen anders, da es bedeutender!? –

13Ist dieses denn bedeutender, wir haben ja gelernt: R. Elie͑zer sagt, es genüge, wenn es [Blut] ausgeströmt hat!? – Es ist weniger als [das Zeichen] R. Gamliéls und bedeutender als das der Rabbanan.

14Rabina sagte: Sama b. Ḥilqaj sagte mir, der Vater des Bar Abubram, manche sagen, der Bruder des Bar Abubram, habe dagegen eingewandt: Ist es denn bedeutender als das der Rabbanan, wir haben ja gelernt: die Weisen sagen, nur wenn es mit einem Vorder- oder einem Hinterfuße gezuckt hat.

15Auf wen beziehen sie sich, wenn auf R. Gamliél, so müßte es ja heißen: sobald es gezuckt hat:

16doch wohl auf R. Elie͑zer, und wenn es bedeutender ist, wieso heißt es: nur wenn!?

17Raba sagte: Das Zucken, von dem sie sprechen, muß bei Beendigung des Schlachtens erfolgt sein. Raba sprach: Dies entnehme ich aus folgender Lehre:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.