Chullin — Blatt 55b

1bis zum Einschnitte reicht, bis zur weißen Stelle unter den Lenden. R. Neḥemja sagte: Ich fragte alle Verletzungskundigen im Westen, und sie sagten mir, die Halakha sei wie Rakhiš b. Papa, nicht aber wie R. A͑vira.

2Dies nur dann, wenn [die Milz] an der dünnen Stelle [durchlöchert] ist, wenn aber an der dicken, so ist es totverlelzt; ist aber in der Stärke eines Golddenars zurückgeblieben, so ist es tauglich.

3Im Westen sagten sie: Was bei der Lunge untauglich ist, ist bei der Niere tauglich, denn die Lunge ist durchlöchert untauglich, die Niere aber tauglich, und um so mehr ist das, was bei der Lunge tauglich ist, bei der Niere tauglich.

4R. Tanḥuma wandte ein: Ist dies denn eine stichhaltige Regel: die Eiterung ist ja bei der Lunge tauglich und bei der Niere untauglich, und eine reine Flüssigkeit ist ja bei beiden tauglich!? Vielmehr, erwiderte R. Aši: Du vergleichst Verletzungen miteinander! Bei Verletzungen sage man nicht, eine sei mit der anderen zu vergleichen; schneidet man [ein Vieh] an der einen Stelle, verendet es, schneidet man es an einer anderen Stelle, bleibt es leben.

5Von der reinen Flüssigkeit gilt dies nur dann, wenn sie klar ist, ist sie aber trübe, so ist es totverletzt. Und auch wenn sie klar ist, gilt dies nur dann, wenn sie nicht übelriechend ist, ist sie aber übelriechend, so ist es totverletzt.

6Ist die Niere zusammengeschrumpft: bei einem Kleinvieh bis zur Bohnengröße, und bei einem Großvieh bis zur mittelmäßigen Traube.

7DIE UNTERE KINNLADE FORT IST. R. Zera sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn es durch Einflößen und Stopfen leben kann, kann es aber durch Einflößen und Stopfen nicht leben, so ist es totverletzt.

8DIE GEBÄRMUTTER FORT IST. Es wird gelehrt: Em, tarpaḥath und šalpuḥith sind identisch.

9AUF NATÜRLICHE WEISE MIT DER LUNGENSKLEROSE BEHAFTET IST. Die Rabbanan lehrten: Was heißt Lungensklerose? Wenn die Lunge eingetrocknet ist; wenn auf natürliche Weise, so ist es tauglich, wenn durch Menschen, so ist es totverletzt.

10R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Auch wenn durch andere Geschöpfe. Sie fragten: Bezieht R. Šimo͑n b. Elea͑zar sich auf den Anfangsatz, erleichternd, oder auf den Schlußsatz, erschwerend? —

11Komm und höre: Es wird gelehrt: Ist die Lungensklerose durch Menschen erfolgt, so ist es totverletzl; R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, auch wenn durch andere Geschöpfe.

12Einst ging Rabba b. Bar Ḥana in der Wüste und fand Widder, deren Lungen eingetrocknet waren. Hierauf kam er ins Lehrhaus und fragte diesbezüglich. Man erwiderte ihm: Im Sommer hole man ein weißes Becken mit kaltem Wasser und lasse [die Lunge] darin vierundzwanzig Stunden liegen; wird sie wieder gut, so ist es auf natürliche Weise erfolgt, und es ist tauglich, wenn aber nicht, so ist es tot verletzt. Im Winter hole man ein schwarzes Becken mit warmem Wasser und lasse sie darin vierundzwanzig Stunden liegen; wird sie wieder gut, so ist es tauglich, wenn aber nicht, so ist es totverletzt.

13DAS HAUTLOSE: Die Rabbanan lehrten: Das Hautlose ist nach R. Meír tauglich und nach den Weisen untauglich. Elea͑zar der Schreiber und Joḥanan b. Gudgada haben bereits bekundet, daß das Hautlose untauglich sei. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: R. Meír trat davon zurück. —

14Demnach stritt R. Meír nach R. Šimo͑n b. Elea͑zar hinsichtlich des Hautlosen, und dagegen wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte, R. Meír und die Weisen streiten nicht, ob das Hautlose untauglich sei. R. Oša͑ja, Sohn des R. Jehuda des Parfümeurs, bekundete bereits vor R. A͑qiba im Namen R. Tryphons, daß das Hautlose untauglich sei, wenn aber die Größe eines Sela͑ zurückgeblieben ist, es tauglich sei!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Unter ‘streiten nicht’ ist zu verstehen, R. Meír blieb nicht bei seiner streitenden Ansicht.

15Der Meister sagte: Wenn die Größe eines Sela͑ zurückgeblieben ist, tauglich sei. Wo? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Über der ganzen Wirbelsäule.

16Sie fragten: Ein langer und schmaler [Streifen], der zusammen einen Sela͑ hat, oder die Breite eines Sela͑ über dem ganzen Rückgrat? — Komm und höre: R. Nehoraj erklärte im Namen Šemuéls: Die Breite eines Sela͑ über dem ganzen Rückgrat.

17Rabba b. Bar Ḥana sagte: An den Gliederköpfen. R. Elea͑zar b. Antigonos sagte im Namen des R. Elea͑zar b. R. Jannaj: Am Nabel.

18R. Jannaj b. R. Jišma͑él fragte: Wie ist es, wenn [die Haut] am Nabel fort und sonst überall vorhanden ist, wenn sie an den Gliederköpfen fort und sonst überall vorhanden ist? — Dies bleibt unentschieden.

19Rabh sagte, bei einem Hautlosen schütze die Haut überall, nur nicht die Haut an den Klauen; R. Joḥanan aber sagt, auch die Haut an den Klauen schütze.

20R. Asi fragte R. Joḥanan: Schützt die Haut an den Klauen beim Hautlosen? Dieser erwiderte: Sie schützt. Jener sprach: Du hast uns gelehrt, Meister, daß bei folgendem die Haut dem Fleisch gleiche: bei der Haut an den Klauen!? Dieser erwiderte: Erzürne mich nicht; ich lehrte es als Ansicht eines einzelnen.

21Es wird nämlich gelehrt: Hat man ein Brandopfer geschlachtet in der Absicht, eine Olive von der Haut unter dem Fettschwanze außerhalb des Raumes aufzuräuchern, so ist es untauglich, und man verfällt nicht der Ausrottung; wenn aber außerhalb der Frist, so ist es verwerflich und man verfällt der Ausrottung.

22Elea͑zar b. Jehuda aus Iblim sagte im Namen R. Ja͑qobs, und ebenso sagte R. Šimo͑n b. Jehuda aus [Kephar] I͑kus im Namen R. Šimo͑ns, dies gelte sowohl von der Haut an den Klauen, als auch der Kopfhaut bei einem jungen Kalbe, sowie der Haut unter dem Fettschwanze, und von jeder anderen, von der die Weisen hinsichtlich der Unreinheit gesagt haben, die Haut gleiche dem Fleische,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.